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Technische Besonderheit

Neue Feldspritzen-Gattung: Die Kompaktspritze

agrarheute zeigt erstmals eine völlig neue Spritzengattung: Die Kompaktspritze. Sie ist das Bindeglied zwischen Anbau- und Anhängespritze, wobei die Vorteile beider Varianten vereint werden.

am Montag, 04.01.2021 - 10:31

Kurz vor Weihnachten hat ein Video auf unserer agrarheute-Facebook-Seite für Furore gesorgt. In dem einminütigen Clip wird ein neuer Spritzentyp, die Kompaktspritze, vorgestellt. Sie ist das Bindeglied zwischen Anbau- und Anhängespritze, wobei die Vorteile beider Varianten vereint werden, wie der bisher unbekannte Hersteller verspricht.

Mit über 185.000 Aufrufen ist das Video zur Kompaktspritze innerhalb kurzer Zeit das beliebteste Technikvideo des Jahres auf der agrarheute-Facebook-Seite geworden. In den über 740 Kommentaren wurde rege über das neue Konzept diskutiert. Auf vielfache Nachfrage zeigen wir hier exklusiv einige weitere Informationen zur gezeigten Maschine und die Beweggründe der Entwicklung.

Handling der Kompaktspritze

Die Besonderheit der Spritze sei laut Hersteller die kompakte Bauform und die Verbindung zwischen Traktor und Spritze. Dadurch lasse sich das Gespann wie ein Selbstfahrer steuern und sei im Feld sehr wendig und einfach handhabbar. Ein Tankvolumen von 4.000 Litern war bislang Anhängespritzen vorbehalten, wobei diese in kleinstrukturierten Gebieten an ihre Grenzen stoßen. Der Einsatzbereich der Kompaktspritze werde daher dort gesehen, wo bisher aufgrund des Handlings der Schritt zur Anhängespritze gescheut wurde und wo genaues rangieren gefragt ist.

Gewichtsverteilung der Kompaktspritze

Wie der Hersteller weiter mitteilt, könne die Kompaktspritze mit Vierzylinder-Traktoren ab ca. 90 kW gefahren werden, was bei großen Anbauspritzen mit Fronttank aufgrund der zulässigen Achslasten und des zulässigen Gesamtgewichts in der Regel nicht möglich ist. Die im Straßenverkehr erlaubten und im Feld tolerierbaren Achslasten könnten so besser eingehalten werden.

Außerdem könne durch Wahl des Hydraulikdrucks der federnden Oberlenkeraufnahme das Gewicht zwischen Traktor und Spritzenfahrwerk variabel verteilt werden (Prinzip des Zugkraftverstärkers). 

Unterlenkerverbindung der Kompaktspritze

Kompaktspritze an einem Traktor

Maschinen, die in den Unterlenkern gefahren werden, erzeugten im Vergleich zu Kugelkopfverbindungen ein eher unangenehmes, schwammiges Fahrgefühl. Speziell in die Jahre gekommene Hubwerke weisen oft ein seitliches Spiel auf, was bei Richtungswechseln Schläge auf die Seitenstreben verursache. Durch die Verstrebung der Unterlenker könnten selbst stark verschlissene Hubwerke spielfrei mit der Kompaktspritze verbunden werden.

Schläge und Lastspitzen auf die Seitenstreben würden so vermieden und das Fahrverhalten werde sicherer, angenehmer und präziser. Diese neue Lösung sei nicht nur für die Kompaktspritze eine einfache Alternative zu hydraulischen Seitenstreben am Traktor.

Lenkung und Achse der Kompaktspritze im Feld und auf der Straße

Die Lenkung werde im Feld aktiv in Abhängigkeit von der Lenkstellung des Zugfahrzeugs vorwärts wie rückwärts gesteuert. Durch den großen Lenkeinschlag von 45° und den kurzen Radstand könne die Wendigkeit des vorgespannten Traktors im Regelfall voll ausgeschöpft werden, teilt der Hersteller mit.

Auf der Straße foltgen die Räder dem Zugfahrzeug aus Sicherheitsgründen per Nachlauflenkung. Durch mechanische Zentrierung der Achsschenkel trete auch bei hohen Geschwindigkeiten kein Flattern der Räder auf.

Zahlen und Fakten der Kompaktspritze

Einige wichtige Fakten der gezeigten Maschine:

  • Tankvolumen: 4.000 Liter
  • Bis zu 30 Meter heckgeklapptes Gestänge
  • Geländeanpassung über hydropneumatisches Fahrwerk und gefederte Oberlenkeraufnahme
  • Variable Gewichtsverteilung zwischen Traktor und Spritze
  • Spielfreie Verbindung zwischen Traktor und Spritze durch spezielle Unterlenkeranbindung
  • Achsschenkellenkung bis 45° Lenkeinschlag
  • Im Straßentransport reine Nachlauflenkung ohne Hydraulikdruck möglich
  • Im Feld aktive Lenkung vorwärts und rückwärts ähnlich eines dreiachsigen Selbstfahrers

Entwickler der Kompaktspritze: Bleibt noch ein Geheimnis

Wer sich die Kompaktspritze ausgedacht hat, soll vorerst noch nicht veröffentlicht werden. Mit dem obigen Video sollte die Resonanz der Landwirte eingeholt werden. Aufgrund des sich abzeichnenden großen Interesses und des positiven Feedbacks wird ein Partner aus dem Bereich der Pflanzenschutztechnik für das patentgeschützte Konzept gesucht. Anfragen hierzu werden von agrarheute weitergeleitet. E-Mail: pflanze-technik@agrarheute.com