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Ratgeber

Precision-Farming: Warum teilflächenspezifisch wirtschaften?

Fendt-Traktor auf einem Acker mit Collage Drohne
am Freitag, 19.06.2020 - 06:20 (Jetzt kommentieren)

In unserer Serie erklären Experten aus dem Forschungsprojekt Diabek, wie der Einstieg in das Precision Farming ohne großen Aufwand und Kosten klappen kann. Im ersten Teil geht es um die teilflächenspezifische Düngung und Bewirtschaftung.

Der Arbeitsalltag von vielen Landwirten wird immer digitaler. Viele nutzen elektronische Schlagkarteien und möchten nächste Schritte gehen und in das Precision Farming einsteigen. Doch wo soll man anfangen? Was für Technik und Software benötigt man dafür?

Wie der Einstieg ohne großen Aufwand und hohe Investitionen klappen kann, erklären in mehreren Teilen unsere Experten aus dem Forschungsprojekt Diabek. Im ersten Teil geht es um die Frage: Was bringt es teilflächenspezifisch zu wirtschaften und wie geht das?

 

Warum sollte man teilflächenspezifisch düngen?

Stickstoff ist der Nährstoff, den Pflanzen mengenmäßig am meisten benötigen. Und es ist der Nährstoff, der - je nach Marktlage – bis zu 30 % der variablen Kosten im Getreideanbau ausmacht. Wer hier ansetzt, hat eine große Hebelwirkung. Den Stickstoff nicht einheitlich, sondern nach Teilflächen zu düngen, kann finanzielle und ökologische Vorteile mit sich bringen. Voraussetzung ist, dass die teilflächenspezifische Düngung richtig umgesetzt wird.

Was heißt teilflächenspezifische Düngung?

Traktor-Duengerstreuer-Digital

Statt ein Feld einheitlich zu düngen, wird unterschiedlich viel Stickstoff auf einzelnen Teilflächen ausgebracht. Das hilft bei richtiger Anwendung, Stickstoffüberschüsse auf der Fläche zu reduzieren und damit das Risiko von Nitrat-Auswaschung deutlich zu mindern. Positiver Nebeneffekt: Der auf Teilflächen mit schlechten Bedingungen für die Pflanzen eingesparte Stickstoff kann, in Hochertragszonen eingesetzt, sogar den Ertrag weiter steigern.

Was ist der Nutzen von teilflächenspezifischer Bewirtschaftung?

Die Literatur sieht das ökonomische Potenzial der teilflächenspezifischen N-Düngung eher bei der N-Einsparung und vor allem bei der Verminderung des Risikos von jährlichen Qualitätsschwankungen. Das betrifft vor allem den Rohproteingehalt. Verstärkt werden diese Effekte durch die Beschränkungen in den roten Gebieten. Der Dünger kommt dorthin, wo er am meisten bringt und wird dort eingespart, wo er keinen Nutzen verspricht.

Welche Technik benötigt man für die teilflächenspezifische Düngung?

Traktoren mit GPS-gesteuerten Lenksystemen sind ebenso wie ISOBUS-Anbaugeräte immer weiter verbreitet. Neue Düngerstreuer haben meist eine Dosierautomatik integriert und ziehen beim Kauf wenig Mehrkosten nach sich, um damit teilflächenspezifisch zu düngen. Somit ist der Einstieg in die teilflächenspezifische Bewirtschaftung auch für kleine und mittlere Betriebe interessant. Hinzu kommt, dass immer mehr Informationen über das Feld kleinräumiger und in einer höheren Auflösung verfügbar sind. Möglich machen das Erdbeobachtungssatelliten.

Was für Daten und Karten liefern mir Satelliten?

Die Sentinel-Satelliten der europäischen Raumfahrtbehörde ESA erfassen beispielsweise mehrmals pro Woche den Biomasseaufwuchs. Auf Basis dieser Daten ist es möglich, den Ernährungszustand der Pflanzen mit einer räumlichen Auflösung von 10 bis 20 m abzuschätzen. Ein Vorteil: Die Satellitendaten sind kostenlos. Nachteil: Mit den Rohdaten, die die Satelliten auf die Erde funken, kann man nur wenig anfangen.

Daher bereiten Online-Plattformen diese Daten auf und stellen sie Landwirten in Form von Applikationskarten kostenpflichtig zur Verfügung. Diese Daten werden teilweise mit weiteren Daten (beispielsweise Temperaturdaten) und mit Satellitendaten aus vergangenen Jahren verrechnet. Je nach Anbieter wird auf Basis der vom Landwirt angestrebten Düngemenge pro Hektar und des eingesetzten Düngemittels die auszubringende Aufwandmenge auf die Applikationskarte angepasst.

Was können Pflanzensensoren leisten?

Sensor von Fritzmeier

Ähnlich wie die Sentinel-Satelliten können Sensoren am Traktor den Ernährungszustand der Pflanzen erfassen. Ein großer Vorteil: Statt zu warten, bis der Satellit neue Aufnahmen auf die Erde funkt, messen Sensoren die aktuellen Werte. Dadurch kann der Düngerstreuer oder die Feldspritze die auszubringende Stickstoff-Menge in Echtzeit anpassen.

Unser Tipp: Einige Bundesländer (aktuell Bayern und Baden-Württemberg) fördern diesen Sensoreinsatz bereits und machen solche Sensoren dadurch auch für kleinere Betriebe interessant.

Zum Forschungsprojekt: Was ist Diabek?

Diabek-Digitalisierung-Logo

Diabek ist eines von 14 digitalen Experimentierfeldern, welches über die kommenden drei Jahre vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert wird. Das an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf am Campus Triesdrof bearbeitete Projekt hat das Ziel, in Zusammenarbeit mit Betrieben, Unternehmen und anderen Bildungseinrichtungen die Digitalisierung in der Landwirtschaft voranzutreiben. Diabek – kurz für „Digitalisierung – anwenden, bewerten und kommunizieren“ – ermittelt, wie der Einsatz digitaler Technologien in der landwirtschaftlichen Praxis verstärkt werden kann.

Zielführend sollen digitale Technologien für die Landwirtschaft untersucht und deren Praxistauglichkeit bewertet werden. Dazu wird die teilflächenspezifische Bewirtschaftung auf 14 Praxisbetrieben im Umkreis von Triesdorf erprobt.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf https://diabek.hswt.de

Autoren: Rolf Wilmes, Bernhard Bauer, Kevin Braun, Peter Breunig, Andreas Fleischmann, Tobias Meyer, Patrick Noack

Mit Material von Diabek

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