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Reifendruck regeln: Anlagen zum Nachrüsten

© Werkbild
von , am
30.10.2014

Ein variabler Reifendruck hilft, Bodenverdichtungen zu vermeiden und Kraftstoff zu sparen. Vier Firmen bieten in Deutschland landwirtschaftliche Reifendruckregelanlagen zur Nachrüstung an.

Die Firma R & M Landtechniksysteme setzt auf eine 2-Leiteranlage, die per Tablet bedient werden kann. © Werkbild
Im ersten Teil des im agrarmanager erschienenen Beitrag geht es um die Angebote an Reifenregeldruckanlagen, die es auf dem deutschen Markt als Nachrüstlösung gibt. Des weiteren wird auf Anlagen ab Werk eingegangen.
Pionier ist die Firma PTG Reifendruckregelsysteme aus Neuss, die ein "2-Leitersystem" favorisiert. Bei dieser Anlage werden zwei Schläuche zum Rad geführt - eine Versorgungsleitung und eine Steuerleitung für das Radventil. Nur beim Regeln des Reifendruckes werden die Leitungen und die rotierenden Dichtungen in den Drehdurchführungen unter Druck gesetzt. Ein pneumatisch öffnendes und per Federdruck verschlossenes Radventil sitzt in der Versorgungsleitung. Die dünne Steuerleitung und die größere Versorgungsleitung addieren sich zur 2-Leiteranlage. Sie gilt als besonders sicher, denn bei einem Leck, mangelndem Vorratsdruck oder beim Ausfall einer Komponente wird die Reifendruckregelanlage automatisch abgeschaltet. Das Sicherheitskonzept entspricht einer Federspeicherbremse, die häufig als Feststellbremse im Nutzfahrzeug eingebaut wird.
 
Wie PTG setzt auch die Firma R & M Landtechniksysteme aus Ense in Westfalen auf eine 2-Leiteranlage. Besonderheiten sind
  • die einfache Bedienung per Tablet und
  • das schnelle Einstellen des Ackerdrucks sowie
  • die kurze Aufpumpzeit zum Straßendruck.

Reifendruckregelanlagen: 1-Leiteranlage und Bremsenkompressor als Druckerzeuger

Luftführung an der Hinterachse. (Schema von Fendt) © Werkbild
Daneben bietet die Firma Steuerungstechnik StG aus Hilter in Niedersachsen eine 1-Leiter-Reifendruckregelanlage an. Bei der 1-Leiteranlage steht in den Zuleitungen ständig der Reifendruck von 0,4 bis 2,5 bar an. Eingestellt wird der Reifendruck achsweise mittels elektrisch geöffneten oder verschlossenen Kugelhähnen am Traktor.
 
Ein weiterer Anbieter ist die Firma Sven Krude Fahrzeugbau aus Neuenhaus im Emsland. Im landwirtschaftlichen Einsatz kann häufig der Bremsenkompressor als Druckerzeuger genutzt werden, sofern die Druckwechselzeit vom Ackerdruck mit 0,8 bar auf Straßendruck mit zum Beispiel 1,6 bar mit zehn Minuten Aufpumpzeit während der Fahrt akzeptiert wird. Soll es schneller gehen, wird am Traktor ein Zusatzverdichter angebaut. Bewährt haben sich hydraulisch angetriebene Schraubenverdichter mit hohem Volumenstrom von 1.500 Liter je Minute. Damit wird die Aufpumpzeit auf drei Minuten verkürzt.

Reifendruckregelanlagen: Lösungen ab Werk

Die Einzige voll integrierte und mit dem Traktorterminal bedienbare Reifendruckregelanlage (RDA) für Standardtraktoren bietet Fendt optional für die 800er, 900er und 1000er-Baureihen. Schon länger kann der Trac-Schlepper Xerion ab Fabrik mit einer RDA von PTG ausgerüstet werden. Noch länger ist der Unimog ab Werk mit RDA erhältlich. Er hat auch eine integrierte Anzeige im Fahrerterminal. Beim Lexion 770 TerraTrac kann die Lenkachse mit großen Rädern und RDA ausgestattet werden. Die Feldhäcksler Claas Jaguar werden seit 2006 an der Vorderachse auf Wunsch mit RDA ab Harsewinkel ausgestattet und die Mehrzahl der Käufer in Deutschland entscheidet sich dafür.

Variabler Reifendruck: Schnellkuppler zum Testen

Zur testweisen Arbeit mit variablem Reifendruck können Sie Schnellkuppler in der Felge montieren. Die vier Schnellkuppler, das Manometer und der Füllschlauch kosten rund 200 Euro. Bei StG heißt das Einsteigersystem Traktionsbox, bei PTG Airbooster. Mit eigenen Erfahrungen bei der Arbeit mit variablen Reifendruck fällt dann die Entscheidung für eine aus der Kabine bedienbare Reifendruckregelanlage leichter.
 
Der Kauf für 3.500 bis 8.000 Euro am neuen Traktor ist häufig lohnend:
  • zehn Prozent weniger Dieselverbrauch,
  • mehr Fahrkomfort - Stichwort Rückenschonung
  • mehr Bodenschonung und
  • mehr Zugleistung bei längerer Reifenlebensdauer sind die Vorteile.
Nach Kosten- Nutzenkalkulationen des KTBL macht sich eine Reifendruckregelanlage häufig innerhalb von zwei Jahren bezahlt.
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