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Reisernte im "Golden State"

© Werkbild
von , am
09.05.2014

In Kalifornien erstreckt sich im Hinterland der Metropolregionen San Francisco und Los Angeles eine der intensivsten Agrarregionen Amerikas. Die Reisernte besteiten meist Mähdrescher mit Raupenlaufwerke.

Entlang des 600 Kilometer langen und 80 Kilometer breiten California Central Valley, das sich von Nord nach Süd durch weite Teile des Bundesstaats Kalifornien erstreckt, finden sich ideale Bedingungen für dutzende Obst-, Gemüse- und andere Ackerbaukulturen. Sogar Zuckerrüben sollen wieder verstärkt angebaut werden. Das mediterrane Klima mit Temperaturen von über 40 Grad im August und September und nur sehr selten Frost und Schnee im Winter bilden ideale Wachstumsbedingungen.
 
Problematisch ist die Wasserversorgung. In hunderte Kilometer langen Kanälen wird das Wasser durch das Land geleitet. Die Versalzung von Ackerflächen ist ein ernstzunehmendes Problem. Im Osten wird das Tal durch die hohen Berge der Sierra Nevada und im Westen durch die Küste begrenzt.

Mähdrescher im Reis: Raupenlaufwerke sind beliebt

"Die Claas-Mähdrescher arbeiten hier überwiegend im Reis. Die Kunden mögen die Raupenlaufwerke, denn erst drei Wochen vor der Ernte wird das Wasser aus den Parzellen gelassen. Ich schätze, dass wir in unserem Einzugsbereich, der bis an die nördlichen Stadtgrenzen von Sacramento reicht, 45 Prozent Marktanteil bei den Mähdreschern haben", so Terry Zercovich, Veräufer beim Landtechnik-Händler Holt. "Hier in Yuba City sind die meisten Ersatzeile für die Lexion direkt vorrätig. Von hier aus werden andere Holt-Filialen im nördlichen Kalifornien per Truck täglich beliefert." Claas verteilt seine Ersatzteile in Nordamerika über zwei Logistikzentren. Für Kanada kommen die Teile vom Canada Parts-Zentrallager in Regina in Saskatchewan. Holt bekommt seine Ersatzteile aus dem U.S. Parts Hub in Columbus, Indiana, 3.500 Kilometer entfernt. Die Lieferzeit für nicht vorrätige Teile beträgt in der Regel zwei Tage.
 
Reisernte in Californien
 
20 Minuten südlich von Yuba City sind die Mähdrescher bereits im Reisfeld. Zehn Tonnen werden hier in etwa vom Hektar gedroschen. Der Farmer hat seine Flächen im Umkreis von 40 Meilen, etwa 65 Kilometer um die Betriebsstätte. Wo es geht, sind die Felder in den Nord­amerika typischen square mile sections angelegt - sprich eine Meile lang wie breit. Das macht 260 Hektar, die in der Regel in vier gleichförmige Einzelparzellen zu je 65 Hektar aufgeteilt sind. Rund herum sind Farmwege angelegt, auf denen es sich gut und zügig fahren lässt. Sechs Mähdrescher ernten auf den 3.500 Hektar dieser Farm. Der Landwirt schätzt die 9,14 Meter MacDon-Schneidtische, die mit den großen Strohmengen im Reis, durch das Zuführband mit Schnecke, besonders gut zurechtkommen.
 
Bewirtschaftung per Flugzeug

Der Reis wird im Frühjahr auf den Flächen in dieser Region mit dem Flugzeug gesät. Anschließend werden die Felder geflutet. Dies bedarf jeder Menge Wasser, welches über Kanäle und Pumpstationen beschafft wird. In der Regel werden die Reisflächen mit zirka 15 Zentimeter Wasser bis kurz vor Erntebeginn überstaut. Neben der Pflanzenernährung dient die Überstauung der Unkrautunterdrückung. Die Dünger- und Pflanzenschutzausbringung während der Wachstumsphase erfolgt per Flugzeug.
 

Betriebsgrößen bei 126 Hektar

Zweieinhalb Stunden nordwestlich von Los Angeles durchfährt man Tulare County. Knapp 40 Prozent der Einwohner sind Latinos, vornehmlich aus Mexiko. Ohne die freundlichen und motivierten Arbeitskräfte wären die Farmer in dieser sehr intensiv genutzten Agrarregion wohl aufgeschmissen. Auch hier finden sich zahlreiche Obstplantagen, der Schwerpunkt liegt aber ganz klar in der Milchproduktion und im Futteranbau. Die Betriebsgrößen in Kalifornien liegen mit durchschnittlich 126 Hektar zwar rund 40 Hektar unter dem amerikanischen Durchschnitt, dafür ist die Viehhaltung aber dementsprechend intensiver. Knapp eine halbe Millionen Milchkühe stehen alleine rund um Tulare. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei 10.600 Liter. Luzerne und Mais sind die Grundfuttermittel. 
 
Nach Baumwollproduktion kam Viehhaltung

Im Stadtkern von Tulare gehört Linder Equipment Co. zum festen Inventar. Lindner Equipment ist bei Häckslern und Futtererntetechnik ausschließlich im Geschäft mit Claas.
Vor allem nachdem die Bauwollproduktion zurückging, haben sich viele Landwirte zur Viehhaltung umorientiert. Der Jaguar 800 kam Ende der 90er Jahre hierfür zur richtigen Zeit. Wir konnten damit viele Lohnunternehmer mit zehn Maschinen  und mehr für uns gewinnen und hier anschließend auch weitere Futtererntetechnik und Trucks platzieren“, beschreibt Jim Dokken den Erfolg des Jaguar in seinem Vertriebsgebiet.
 
Lohnbetrieb: 27 Häckselketten, 145 Lastwägen, 135 Mitarbeiter

Ein Beispiel für einen solch gigantischen Lohnbetrieb ist das Unternehmen Danell Custom Harvesting in der Nähe von Hanford. 1970 gegründet, ist der Betrieb parallel zur florierenden Milchproduktion auf heute 27 Häckselketten angewachsen. Unvorstellbare 1,8 Millionen Tonnen werden hauptsächlich in der Luzerne und im Mais jährlich gehäckselt. 145 Lastwägen, davon 50 eigene, sind in der von Juli bis November andauernden Häckselkampagne zu disponieren. Diverse Bulldozer und Knicklenker stehen zum Verdichten bereit. Mehr als ein Duzend sogenannte Self-Propelled Windrower, selbstfahrende Mähwerke, mähen Luzerne. Die Kunden befinden sich im 50 Meilen-Radius rund um den Betriebsstandort.
 
"135 Personen beschäftigen wir in der Saison. Die meisten davon sind Mexikaner, die als Lohnarbeiter über die Grenze kommen. Wichtig ist, dass die Häcksler einfach zu bedienen und auch zu reparieren sind. In einem regelmäßigen Turnus werden die Jaguar regelmäßig nachts zur Wartung in die eigene Werkstatt gefahren. Die Häcksler laufen bei uns bis zu 14.000 Betriebsstunden, bis sie umgesetzt werden", erzählt Justin Danell, mittlerweile Firmeninhaber in der zweiten Generation.

Über Omaha nach Nordamerika

Bereits seit den 80er Jahren ist Claas in Nordamerika aktiv. Ende der 90er Jahre entstand das Mähdrescherwerk in Omaha, Nebraska. 2003, nach dem Ausstieg von Caterpillar aus dem Joint Venture, hat Claas das Werk übernommen und die Produktion der „gelben Mähdrescher“ fortgeführt. Diese Maschinen werden im Wesentlichen exklusiv über Cat-Händler in Nordamerika verkauft. Die gelbe Farbe ist geblieben, aber das „Engineering Made in Germany“ ist durch das Claas-Logo am Mähdrescher heute klar zu erkennen. In den Werkshallen auf dem 60 Hektar großen Gelände werden nach dem Harsewinkler Vorbild Lexion-Mähdrescher zusammengebaut. Kernelemente wie Dreschwerk und Kabine kommen fertig montiert aus dem 7.500 Kilometer entfernten Westfalen.  

Kommentar

Was mich auf der kurzen Rundreise durch Kalifornien besonders beeindruckt hat, ist die Vielfalt an unterschiedlichen Anbaukulturen. Stellenweise liegen mitunter nur wenige Kilometer zwischen Obstplantagen und weitläufigen Luzerneflächen. Nicht zuletzt die rekordverdächtigen Maiserträge und der Reisanbau benötigen aber unvorstellbare Mengen Wasser, die in Kanälen von Nord nach Süd durch das California Central Valley geleitet werden. Als Redakteur der AGRARTECHNIK haben mich aber besonders die Einblicke in die Filialen und Werkstätten der Händler  interessiert. Aufgefallen ist, dass fast alle Händler auf unserer Rundtour neben der Agrarschiene zusätzlich Trucks, Baumaschinen oder gar Autos handeln. Gerade bei den Unmengen an moderner Technik, die verkauft und im Service betreut wird, hat es mich gewundert, dass standartisierte Ausbilungsprogramme im Landmaschinenbereich fehlen. (tg)

Maisernte auf kalifornisch

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