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Interview Digitaliserung

An Smart Farming kommt kein Landwirt vorbei!

Zwei Landwirte im Gespräch vor einem landwirtschaftlichen Feld
am Mittwoch, 06.01.2021 - 09:25 (Jetzt kommentieren)

Oliver Martin von FarmBlick berät Landwirte zu Smart Farming. Im Interview erklärt er, was es nutzt und warum kein Landwirt daran vorbeikommen wird.

Herr Martin, Sie behaupten, dass Smart Farming die Zukunft der Landwirtschaft ist, warum?

Durch die neue GAP des EU-Agrarrats für 2021 bis 2027 wird es keine Leistung mehr ohne Gegenleistung geben. Dies gilt vorrangig für Direktzahlungen, die mit einer Bindung an höhere Umwelt- und Klimaleistungen verknüpft werden. Landwirte werden quasi gezwungen, ihre Bewirtschaftung zu mindestens 20 Prozent mit Umwelt- und Klimamaßnahmen zu verbinden. Und Smart Farming ist der Weg zur nachhaltigen Landwirtschaft und der entscheidende Schlüssel zur Erfüllung des GAP-Klimaziels von 20 Prozent.

Und warum zögern dann viele Landwirte, wenn es an die Umsetzung von Smart Farming geht?

Smart Farming im eigenen Betrieb umzusetzen erfordert ein komplettes Umdenken. Befürworter der traditionellen Landwirtschaft tun sich spürbar schwer damit von alten Arbeitsweisen und Gepflogenheiten abzugehen. Und dann ist da auch die Scheu vor dem persönlichen Zeitaufwand beim Einstieg in die digitale Landwirtschaft. Außerdem hemmen großen Bedenken vor hohen Investitionen häufig vor dem ersten Schritt in die digitale Präzisionsbewirtschaftung.

Dabei können oft vorhandene Maschinen weiter eingesetzt werden und externe Dienstleister wie beispielsweise moderne Lohnunternehmen nehmen mit Smart-Farming-Leistungen die sowieso schon anfallenden Arbeiten ab.

Wie sollten Landwirte mit Smart Farming starten?

Eine gute Betriebsberatung mit einer individuellen Strategie zu Smart Farming ist die wichtigste Voraussetzung für den Einstieg. Ein gutes Smart-Farming-Konzept ist für mich ein Zusammenspiel aus digitalen Informationen, Erfahrung und Wissen, Maschinentechnik sowie den Arbeitsprozessen des Landwirtes. Dabei dreht sich alles um den Boden und einen erfolgreichen Anbau. Zentral ist die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und die Nachhaltigkeit des Bodens.

Neue digitale Möglichkeiten wie Satelliten- oder Drohnenaufnahmen, Bodenanalysen und Wettersensoren unterstützen hier Landwirte. Durch die Digitalisierung erhält der Landwirt präzise Informationen über die Bodenbeschaffenheit. Somit überlässt der Landwirt in Zukunft nichts mehr dem Zufall, da er Probleme und Veränderungen von Boden und Pflanze sofort erkennt, ohne dass er seine Anbauflächen aufsuchen muss.

Was ist dazu nötig?

Zentrales Herz von Smart Farming ist immer eine Software, die alle Informationen zum Boden analysiert und Empfehlungen ausgibt. Hier werden alle Informationen beispielsweise aus einer Bodenanalyse zum Schlag und andere wichtigen Daten verarbeitet – egal ob Infrarot- und Radarsatelliten oder Wetteraufzeichnungen.

Dem Landwirt spricht das Programm dann Empfehlungen zu Anbau, Aussaat, Dünger und Pflanzenschutz aus und liefert alle technischen Daten für eine Präzisionsbewirtschaftung mit GPS-gelenkten Systemen.

Und was ist der Nutzen für Landwirte?

Ich bin mir sicher, dass Smart Farming den Deckungsbeitrag erhöht, indem die Fruchtbarkeit der Anbauflächen gesteigert und der Einsatz von Arbeitsressourcen und Landmaschinen verbessert werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass kein Landwirt an Smart Farming vorbeikommt. Nicht nur, um in Zukunft die neuen EU-Vorgaben zu erfüllen, sondern auch um Materialeinsatz, Arbeitszeit und damit die Wirtschaftlichkeit zu optimieren. Und auch um Klimaextremen vorzubeugen.

Oliver-Martin-FarmBlick-Acker

Oliver Martin ist Gründer von FarmBlick und Experte für Smart Farming. Er berät Landwirte zu diesem Thema. In einem Wissenslexikon zu Smart Farming auf FarmBlick erklärt er Fachbegriffe aus dem Bereich Präzisionslandwirtschaft und Digitalisierung.

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