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Reportage

Smart Farming in der Praxis: Ein Lohnunternehmer berichtet

Bernd Strotmann vor dem Computer
am Freitag, 26.11.2021 - 09:00 (1 Kommentar)

Die Digitalisierung und Smart Farming sind in der Landwirtschaft und vor allem bei Lohnunternehmen mittlerweile Alltag. Wir haben mit Bernd Strotmann, Geschäftsführer der Maschinengemeinschaft Freckenhorst, über seine Erfahrung mit dem Einsatz einer Agrarsoftware gesprochen.

Die Mitarbeiter vor einer landwirtschaftlichen Maschine

Es ist Anfang Oktober und Hochbetrieb bei der Maschinengemeinschaft Freckenhorst GmbH im nordrhein-westfälischen Warendorf. Die letzten Arbeiten auf dem Feld stehen nun an und Geschäftsführer Bernd Strotmann ist am Telefonieren und Organisieren, damit alles rund läuft. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wo ich in einer Stunde bin. Ich fahre dorthin, wo gerade Not am Mann ist oder es Komplikationen im Ablauf gibt“, erklärt er. Seit 2010 arbeitet der 42-Jährige als Geschäftsführer für die Maschinengemeinschaft, die es bereits seit 1953 gibt. Die Maschinengemeinschaft Freckenhorst GmbH erledigt landwirtschaftliche Lohnarbeiten, angefangen bei der Bestellung von Mais oder Getreide über sämtliche Ackerarbeiten bis hin zur Ernte von Mähdruschfrüchten. „Wir machen alles von der Aussaat bis zur Ernte“, betont Strotmann. Für die Maschinengemeinschaft Freckenhorst arbeiten mittlerweile 14 fest angestellte Mitarbeiter. Saisonbedingt springen bis zu 30 Aushilfsfahrer ein.
 

Datenmanagement mit Next Farming

Ein Quad in einer Halle

Die Digitalisierung, die in der Landwirtschaft viele Arbeitsschritte erleichtert und neue Arbeitsmethoden einführt, ist bei Lohnunternehmen längst normal. „Die Digitalisierung prägt den Alltag. Vieles wäre ohne sie nicht mehr möglich“, stellt Strotmann fest, der schon seit dem Jahr 2010 mit einem Farm-Management-Informationssystem (FMIS) in seinem Lohnunternehmen arbeitet. „Als junger Geschäftsführer war das einfach ein interessanter Entwicklungsschritt, den ich gehen wollte“, beschreibt er seine damalige Motivation. Natürlich hat er sich dann erst mal verschiedene Anbieter angeschaut beziehungsweise ausprobiert. Schließlich hat er sich für die Software von Next Farming entschieden, weil ihn das System überzeugt hat. „Wir arbeiten mit dem Programm Next Farming von der FarmFacts GmbH, weil hier die Ackerschlagkartei und die Dokumentation einfach gut funktionieren“, betont Strotmann.

Er hat die Erfahrung gemacht, dass man bei der Agrarsoftware eines großen Unternehmens mehr geboten bekommt als bei einem kleinen Anbieter. Beispielsweise seien in deren Tools alle Pflanzenschutzmittel mit ihren Wirkstoffen und Warte­zeiten hinterlegt und man spare es sich, diese für den Kunden separat zusammenzustellen. Direkte Berührungspunkte zur Software haben in der Maschinengemeinschaft Freckenhorst aber nur zwei Mitarbeiter. Die meisten erledigen die Arbeiten auf dem Feld beziehungsweise auf der Maschine. Schulungen im System seien daher nicht für alle erforderlich. Die zahlreichen Online-Schulungen jetzt in der Corona-Zeit seien aber sehr hilfreich gewesen. Zuvor stand eher die Devise learning by doing im Vordergrund. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wäre es problematisch, wenn alle Angestellten Zugriff auf das System hätten. Alles Wichtige zum Auftrag erhalten daher die Mitarbeiter über den digitalen Kalender auf das Handy. „Jetzt weiß jeder Mitarbeiter, wer wo und wann was zu tun hat und was morgen ansteht“, beschreibt der Geschäftsführer.

Wo die Reise hingeht

Mann im Traktor

Für Strotmann erleichtert die Digitalisierung den Arbeitsalltag. Sie hat aber auch ihre Grenzen. Man könne nicht alles aus dem Büro heraus managen. „Dass auf dem Feld beispielsweise ein akuter Kamillebefall herrscht, kann man vom Büro aus nicht sehen. Das Zepter in der Hand hat daher derjenige, der auf der Maschine sitzt“, erklärt Strotmann. 
Eine Herausforderung sei mitunter die Kompatibilität unterschiedlicher Technik. Das Lohnunternehmen nutzt aber seit zwei Jahren die Next TF Basiskarten. Mithilfe dieser satellitengestützten Karten erstellt Strotmann Managementzonen, in denen er mit seinem firmeneigenen Quad Bodenproben teilflächenspezifisch zieht. Dasselbe Material verwendet er auch zur Erstellung von Maisaussaatkarten. 
 

In der Maschinengemeinschaft kommen unterschiedliche Bordcomputer zum Einsatz, die alle auf diese Daten zugreifen 
müssen. Hier ist Strotmann froh, dass Next Farming eine herstellerübergreifende 
Softwarelösung ist. Die Karten nutzt der Lohnunternehmer auch in der teilflächenspezifischen Ausbringung von organischem Dünger. Er blickt dabei mittler­weile auf zwei Jahre Erfahrung zurück. Dass herstellerübergreifende Lösungen noch nicht überall Standard sind und welche Folgen das haben kann, erläutert Strotmann an einem weiteren Beispiel: Die Maschinengemeinschaft arbeite bei verschiedenen Feldarbeiten mit anderen Lohnunternehmern zusammen. Weil einer davon das John Deere-Lenksystem habe, musste die Maschinengemeinschaft es ebenfalls erwerben, um die Daten überspielen zu können. Software und Landtechnik müssten zusammenpassen, damit das System funktioniert. Manchmal seien daher teure Investitionen in Software oder Technik erforderlich.

Auch beim Datenmanagement sei es wichtig, dass Anwendungen gut zu den aktuellen Bedürfnissen passten. „Manchmal müssen wir manuell genau überprüfen, welche Kosten entstanden sind und welcher Mitarbeiter den Auftrag erledigt hat“, sagt der Lohnunternehmer. So arbeite die Maschinengemeinschaft stellenweise beim Gülleausbringen mit 
20 Lkws – nur zwei davon gehören ihr selbst. „Die dann miteinzurechnen – das geht gar nicht“, meint Strotmann. Die Maschinengemeinschaft schlägt hier einen praktikablen Weg ein und erfasst die Daten durch eigens geschulte Mitarbeiter digital erst im Büro. Strotmann räumt ein, dass es auch hierfür Softwarelösungen gebe.

So läuft der Auftrag durchs System

Die Maschinengemeinschaft bietet Landwirten ein „Rundum-sorglos-Paket“ an, das die Möglichkeiten der Digitalisierung nutze und auch am meisten gebucht werde. Kunden können aber auch nur einzelne Tools erhalten – je nach Anspruch. Im Prinzip läuft ein Auftrag so durchs System: 

  • Nach dem Kundenanruf wird der Auftrag im Next-Farming-Tool angelegt. 
  • Gemeinsam mit dem Landwirt wird anschließend die Anbauplanung gemacht. Hier ist der Landwirt mit seiner Erfahrung gefragt. Um spätere Beanstandungen zu vermeiden, wird die Anbauplanung immer gemeinsam mit dem Kunden erstellt. 
  • Später erfolgt der Datentransfer an die Maschine. Das funktioniere meist reibungslos, so Strotmann. Allerdings dauere es mitunter lange, weil die Internetverbindung in ländlichen Regionen oft noch immer nicht gut genug sei.
  • Wenn der Auftrag fertig ist, werden die Daten zurück an das System im Büro übertragen, ausgewertet und die Dokumentation für den Kunden erstellt. 
  • Abschließend wird die Kalkulation geprüft und die Rechnung erstellt.

 

Pflanzenschutz als Sorgenkind

Als besonderen Service erhalten die Kunden im Herbst die Dateien aus dem Next-Farming-Programm entweder als Ausdruck oder digital zur Verfügung gestellt. Der Kunde bekommt das recht günstig, meint Strotmann: „Ich verstehe das auch als Maßnahme der Kundenbindung“. Diese Dienstleistung werde häufig nachgefragt. Strotmann sieht seine Landwirte mit der Agrarsoftware der Firma FarmFacts gut betreut. Die Landwirte könnten dadurch viel mehr aus ihren Betrieben herausholen und sie optimal managen. Bauchschmerzen bereitet ihm aber der Pflanzenschutz. In Naturschutzgebieten dürfen keine Herbizide verwendet werden beziehungsweise gelten strenge Abstandsauflagen. 

Strotmann erklärt: „Dies alles im Blick zu haben, ist eine große Herausforderung. Es wäre großartig, wenn die Maschinen alle Vorgaben automatisch einhalten würden. Technisch geht das auch, doch oft scheitert es daran, dass kein aktuelles Kartenmaterial verfügbar ist.“ Kaum hat der Lohnunternehmer das gesagt, läutet wieder sein Handy und der nächste Einsatz ruft.

Lohnunternehmer-Heft von agrarheute

Dieser Beitrag stammt aus dem Lohnunternehmer-Heft 2022 von agrarheute. Das gedruckte Sonderheft hat 52 Seiten und beschreibt anhand von Reportagen und Fachbeiträgen, wie Lohnunternehmen die Herausforderungen des digitalen Wandels unter anderem im Bereich Smart Farming meistern. Bestellt werden kann das Heft für 10,50 € zzgl. Versandkosten im dlv-shop.

Mit Material von Next Farming

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