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Mit Sprachtalent gesegnet

von , am
04.05.2012

Die meisten Landwirte sprechen nicht von einer Prismen-, sondern von einer Güttler-Walze, wenn sie über verschiedene Nachläufervarianten diskutieren. Der Familienname ist also faktisch zu einem Synonym für ein Produkt geworden.

Hans Güttler: "Mittlerweile habe ich lernen müssen, dass technische Argumente selbst in dem Investitionsgütermarkt, in dem wir uns bewegen beileibe nicht immer ausschlaggebend sind." © agrartechnik
Wobei Hans Güttler so genannte Gattungsvergleiche mit Tempo für Papiertaschentücher  in seiner ihm eigenen Bescheidenheit nicht wirklich gerne hört. Im Grunde strahlt er alles aus, was man so landläufig den Schwaben nachsagt: Eine gewisse Bescheidenheit und Sparsamkeit gepaart mit dem Fleiß und der Beharrlichkeit eines Tüftlers. Dabei reichen die Wurzeln von Hans Güttler ins bayerische, genauer gesagt auf den seinerzeit knapp 20 Hektar großen Hof seines Großvaters nach Bamberg in Oberfranken.
 
Und natürlich sei es der mittlerweile 86jährige Vater Fritz, dem die ganze Ehre gebühre, und der immer noch zu einem Viertel an der deutschen Güttler GmbH beteiligt sei. Schließlich habe der Vater schon Anfang der 60er-Jahre erkannt, dass es für eine nachhaltige Wasserversorgung der Keimlinge vor allem im Frühjahr unabdingbar ist, den Boden nur flach, auf Saattiefe zu bearbeiten. Später kam dann noch das Wissen und Verfechten der Rückverfestigung dazu. Jeweils revolutionäre Ansätze in der Entwicklung der Bodenbearbeitung, die heute zum Allgemeinwissen der praktischen und theoretischen Ausbildung des Landwirtberufs gehören.
 
Und als Innovator habe Fritz Güttler niemals geruht, bis er jeweils passende Technologien für die Lösung der einmal erkannten Probleme entwickelt und patentiert hatte. Hans Güttler: "Ein Patent wird schließlich als Gebrauchsanweisung zur Lösung eines technischen Problems definiert. Wobei grundsätzlich drei Dinge erfüllt sein müssen – es muss sich um eine Neuheit handeln, die einen technischen Fortschritt und eine gewisse Erfindungshöhe beinhaltet. Die vom Vater geprägte Philosophie, dass wir kein Stahl und Eisen, keine Maschinen, sondern Nutzen verkaufen, ist nach wie vor fest im Gedankengut unseres Unternehmens verankert. Und auch wenn sich die Lizenzgebühren in einem überschaubaren Rahmen bewegen, sie haben dem Vater in all den Jahren ein ganz gutes Auskommen gesichert."

Vater als Leitbild

Während des Besuchs vor Ort stellte sich beim Nachfragen bezüglich des Geburtsdatums für die Vita heraus, dass Hans Güttler just an diesem Tag sein 60. Wiegenfest feiern konnte. Dass er nur die ersten sieben Jahre davon in Bayern verbrachte, als sein Vater bei der BayWa angestellt war, bevor er als Verkaufsleiter Inland zur Firma Rau nach Kirchheim unter Teck wechselte, mag als Begründung dafür herhalten, warum Hans Güttler von jedem Gegenüber heute als Schwabe durch und durch empfunden wird. Allerdings nur solange, bis man ihm am Telefon mit Geschäftspartnern auf der Gegenseite in Französisch, Englisch, Italienisch oder Ungarisch sprechend verhandeln hört und dabei gestikulieren sieht. Eine der wenigen Fragen, die er nicht spontan beantworten konnte, war die, von wem er denn dieses Sprachtalent geerbt habe. "Jedenfalls nicht von meinem Vater und auch der mittlerweile 90jährigen Mutter, die beide keinesfalls damit gesegnet sind. Das Französisch habe ich mir sicherlich in der Zeit angeeignet, in der ich für die Firma Schmotzer in Frankreich im Vertrieb tätig war. Meiner ersten und genau genommen einzigen Festanstellung nach Abschluss meines Aufbaustudiums zum Wirtschaftsingenieur in Aachen. Das leidliche Ungarisch hat sich durch die vielen Aufenthalte infolge unserer Unternehmensgründung in Hódmezovásárhely im Jahr 1996 ergeben. Für mich im Übrigen ganz erfreulich ist, dass ich Sabine, unserer jüngeren Tochter, mein Sprachtalent weiter vererben konnte."
 
Mittlerweile sind in dem Werk in Süd-Ungarn 36 Mitarbeiter beschäftigt, die für gut die Hälfte des Jahresumsatzes von sieben Millionen Euro stehen, die das Unternehmen Güttler in 2011 erzielen konnte. "Seit 2004 konnten wir unsere Umsätze verdoppeln, was entsprechende Konsequenzen in der ganzen Unternehmensstruktur nach sich ziehen muss, darüber bin ich mir mit meiner Frau absolut im Klaren. Wie in vielen Familienbetrieben ist im Übrigen auch bei uns die Frau die gute Seele im Betrieb und für den ganzen kaufmännischen Bereich zuständig. Ohne der ihr eigenen Beharrlichkeit und Besonnenheit hätten wir auch die verschiedenen schwierigen Phasen nicht meistern können. Wenn ich da nur an Phase denke in 2005, wo ich wegen einer schweren Erkrankung für mehrere Monate komplett ausgefallen bin", sinniert der heute wieder vor Lebensfreude strahlende Jungsechziger entspannt zurück gelehnt im Sessel.
 
"Die überstandene Krankheit hat mich doch ganz schön verändert. Auch wenn ich in unserem Unternehmen immer für den Verkauf zuständig war, konnte ich mein Ingenieursstudium nie verleugnen. Mittlerweile habe ich lernen müssen, dass technische Argumente selbst in dem Investitionsgütermarkt, in dem wir uns bewegen beileibe nicht immer ausschlaggebend sind. Der emotionale Entscheidungsanteil ist viel höher, als die meisten Menschen wahrhaben wollen. Wie viele Käufe selbst von Maschinen sind rein rational überhaupt nicht nachvollziehbar."
 
Der komplette Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK erschienen.
 
 

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