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Studie: Nutzfahrzeug aus Leichtbaumaterialien entwickelt

von , am
19.08.2014

Chemnitz - Einen "Lastesel für die Landwirtschaft" auf Basis von Leichtbaumaterialien hat das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in einem Forschungsverbund entwickelt.

Das elektrisch betriebene Leichtbaufahrzeug KULAN wiegt nur etwa 300 kg, trägt aber Lasten von bis zu einer Tonne. © Jürgen Jeibmann/Fraunhofer IWU
Bei dem Nutzfahrzeug "Kulan", welches das IWU gemeinsam mit zahlreichen sächsischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen entwickelt hat, handelt es sich um eine Technologiedemonstration, mit der die heutigen Möglichkeiten bei der Herstellung und Nutzung von Leichtbaufahrzeugen aufgezeigt werden sollen. Wie das Chemnitzer Institut vergangene Woche mitteilte, wiegt das Konzeptfahrzeug aufgrund der verbauten Leichtbaumaterialien nur 300 kg, kann aber Lasten von bis zu einer Tonne transportieren.
 
Der Akku des Elektrofahrzeugs reiche je nach Traglast, Streckenprofil und Temperatur für bis zu sechs Stunden oder für eine Strecke von bis zu 300 km. Eingesetzt werden könne das Fahrzeug überall da, wo ohne Abgase und Geräusche gearbeitet werden müsse, zum Beispiel in der Landwirtschaft, im Messebau oder in der Park- und Grünanlagenpflege. Das Elektromobil ist laut IWU frischgebackener Preisträger im bundesweiten Wettbewerb "Deutschland Land der Ideen 2014/15" und kann vom 25. September bis zum 2. Oktober in Hannover auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) am Gemeinschaftsstand des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) besichtigt werden.

Leichte Materalien

Die Ladefläche besteht aus einer Sandwichstruktur mit einem am Fraunhofer IWU entwickelten Aluminiumschaumkern und Decklagen aus glasfaserverstärktem Polyurethan. Der Werkstoff ist laut IWU besonders leicht, biegesteif, belastbar und feuerfest. Derzeit werden am Fraunhofer IWU gemeinsam mit dem Netzwerkmitglied Pestel PUR-Kunststofftechnik GmbH neue Fertigungstechniken entwickelt, um die Materialkombination in die Serienentwicklung zu überführen.
 
Der Sitz entstand gemeinsam mit der Firma Lakowa und besteht aus einem sehr leichten, durch Thermoformen tiefgezogenen, Sandwichmaterial aus Kunststoff-Schaum und ABS-Decklagen. Die Lagermulde als Aufsatz wurde aus recyclingfähigem Altpapier gemeinsam mit den Firmen Kunz Engineering und Fasergusswerk Polenz hergestellt. 
Der Vorteil: Die Mulde ist komplett verrottbar, denkbar wäre ein Einsatz als Behälter für Grünabfälle.

Hydraulische Lenkung

Neben der Karosserie wurde auch an einzelnen technischen Komponenten Gewichtseinsparungen umgesetzt. So sind im KULAN keine konventionellen Schweinwerfer und Blinker verbaut, sondern leichte und zuverlässige Kunststoff-Blöcke, die mit Dioden verschiedener Farben versehen werden. Einen weiteren Gewichtsvorteil brachte die Verwendung einer hydraulischen Lenkung. Diese wurde aus dem Bootsbau adaptiert und bewirkt durch den Wegfall des schweren Lenkgestänges eine Masseeinsparung von mehreren Kilogramm. Das geringe Gewicht erhöhe zudem die Reichweite des Elektromotors.
 
"In der Entwicklung neuer Leichtbaumaterialien in Verbindung mit emissionsneutralen Elektrotechnologien für Antriebe sehen wir ein großes, bisher weitestgehend ungenutztes Potenzial für die Hersteller landwirtschaftlicher Nutzfahrzeuge", erklärt Marcus Knobloch, Netzwerkmanager von poly-lab.net und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IWU.
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