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Spezielles

Tischgespräch mit Cathrina Claas-Mühlhäuser

von , am
25.11.2011

Harsewinkel - Seit Oktober 2010 ist die Enkelin des Firmengründers August Claas Aufsichtsratsvorsitzende, gleichzeitig ist sie Ehefrau und Mutter des einjährigen Max August.

Cathrina Claas
Sicherlich fragen sich viele, wie sie dies alles nur in die Reihe bekommt? Und dabei hat Cathrina Claas-Mühlhäuser – den Doppelnamen führt sie seit ihrer Hochzeit im Sommer 2009 – in den letzten zehn Jahren unseres beruflichen Kennens nie einen gehetzten Eindruck hinterlassen. Egal ob auf großen Messen wie der Agritechnica in Hannover oder der Sima in Paris, auf den Claas-World-Days oder einer Pressekonferenz, man begegnet immer einer jungen, extrovertierten Frau, die nie überkandidelt gekleidet daher kommt. Trotz ihrer 1,65 Meter wirkt sie nicht zerbrechlich, sondern immer energiegeladen.
 
Sport hat hohen Stellenwert
 
Natürlich ist sie – seit sie 2001 offiziell in den Gesellschafterausschuss gewählt wurde, und von da an bei vielen offiziellen Anlässen zugegen war – in diesem Zeitraum gereift. Nur die Frisur mit den langen, brünetten oft zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen Haaren scheint die gleiche geblieben zu sein. Dass man sie meist sportlich gekleidet antrifft, hat sicherlich mit ihrer grundsätzlichen Lebenseinstellung zu tun: "Ich brauche den Sport einfach für meine persönliche Balance. Wenn ich nicht mindestens dreimal die Woche Laufen, Schwimmen oder Yoga machen kann, fehlt mir etwas – und seit meinem langjährigen Schweiz-Aufenthalt ist es im Winter sicherlich das Skifahren." Sport, sich selbst bewegen, mache einfach gute Laune, betont die, in mit bunten Nähten verzierten Jeans, zum Gespräch erschienene mittlerweile 36-Jährige.
 
Gleiches gelte im Übrigen für etwas Positives präsentieren zu können, für kürzere Trips ins Ausland und vor allem Zeit für die Familie zu haben und generell für Menschen "... ich interessiere mich einfach für Menschen und andere Kulturen. Tolle Geschichten haben beispielsweise Taxifahrer zu erzählen." Was sie dagegen verdrießt, ist im Stau stehen oder ganz allgemein, Zeitvergeudung. Deshalb mag sie auch keine zu langatmigen, langweiligen Reden. Wenn es nach ihr geht, sollten Reden nie länger als 20 Minuten dauern, da könnte man doch, bis auf ganz wenige Ausnahmen, alles an den Mann bringen. Und was Cathrina Claas-Mühlhäuser sicherlich mit den meisten Menschen gemein hat ist, dass sie ungern die Überbringerin schlechter Nachrichten ist. Ein Greuel seien ihr außerdem Mitarbeiter die sich hinter den Strukturen verstecken, phlegmatische Menschen. "Gott sei Dank haben wir bei Claas keine davon – zumindest sind mir keine bekannt." Wer vorankommen wolle, der müsse bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, authentisch wirken.

Eltern hatten immer Zeit

Mit den eigenen Eltern als Vorbild, möchte die junge Mutter auch ihren Sohn Max August erziehen. Mit dem einen großen Unterschied, dass er nicht so wie sie selbst - mehr oder weniger auch im Unternehmen aufwächst, schließlich stand ihr Elternhaus nur gut 300 Meter vor der Firmenzentrale entfernt. "Ich kann mich noch an viele Situationen meiner Kindheit erinnern. Beispielsweise, dass ich mit meinem Vater häufig sonntags durch die Fabrik gelaufen bin – es war fast unheimlich still – oder dass ich in der Fabrik Schrauben gesammelt habe. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass meine Eltern immer Zeit für mich hatten. Wobei ich, wie jedes andere Kind auch, in den örtlichen Kindergarten und die Grundschule gegangen bin. Dass ich die Tochter von Helmut Claas bin, habe ich erst viel später wahrgenommen. Als Kind hat man solche sozialen Gedanken nicht. Schon eher, dass die Klassenkameraden gerne zum Kindergeburtstag gekommen sind, weil unsere Fabrik einfach der spannendste Spielplatz der Welt war."
 
Keine Scheu vor großen Traktoren
 
Da eine 600 Hektar große Farm in England zum Familienbesitz gehört, kam sie auch früh in den Genuss, Traktor oder Mähdrescher zu fahren. Dies ist sicherlich mit ein Grund, warum die Junior-Chefin, wie sie hinter ihrem Rücken gerne von den Claasianern genannt wird, überhaupt keine Scheu hat, selbst auf den größten Traktoren und Erntemaschinen für die Medienvertreter zu posieren.

Privat- und Berufsleben

Die Frage, wie sich denn ihr Multi-Kulti-Job mit Ehe und Mutterrolle vereinbaren lässt, bringt Cathrina Claas-Mühlhäuser überhaupt nicht in Verlegenheit: "Mein Mann hat als Rechtsanwalt, Steuer- und Wirtschaftsprüfer ein eigenes anspruchsvolles Berufsleben. Ab und zu bin ich ein paar Tage weg, obwohl ich momentan nicht so viele weite Reisen mache. Aber für die Familie ist gut gesorgt und wir verbringen soviel Zeit wie möglich miteinander. Und dadurch, dass wir ja im Rhein-Main Gebiet leben, ist eine natürliche Distanz gegeben, die uns nach dem gigantischen Wachstum des Unternehmes auch etwas schützt." So habe Claas beispielsweise vor zehn Jahren 5.500 Mitarbeiter beschäftigt, heute seien es schon über 9.000, und dies in mehr als 30 Ländern dieser Erde. All diese Länder hat sie im Übrigen in Vorbereitung der Generationenfolge besucht. "Wenn man nicht weiß, wie die Landwirte, Händler und Mitarbeiter in den einzelnen Ländern ticken, dann ist die Gefahr sehr groß, dass man die falschen Entscheidungen trifft."

Englisch, Französich und Spanisch sind kein Problem

Den teils längeren Auslandsaufenthalten ist auch zu verdanken, dass sie heute ohne groß Umzuschalten mit Englisch, Französisch, Spanisch und natürlich Deutsch mit Geschäftspartnern und Journalisten diskutieren kann. Wobei Cathrina Claas-Mühlhäuser immer wieder betont, dass sie nicht für das Tagesgeschäft zuständig sei. Dies sei Aufgabe der Geschäftsführung, die im Übrigen ihr vollstes Vertrauen genieße. Und dies zurecht, wie das gerade erst abgelaufene Geschäftsjahr zeige, in dem man wieder an die Zeit vor der Finanz- und Wirtschaftskrise mit einem Umsatz von über drei Milliarden Euro anknüpfen würde. "Ich bin Aufsichtsratsvorsitzende und Stellvertretende Vorsitzende des Gesellschafterausschusses, der bei uns die Rolle des strategischen Führungsgremiums hat und nahe dran ist am operativen Geschäft. Im Moment könnte ich die Zeit für eine operative Führung jedenfalls überhaupt nicht aufbringen. Gott sei Dank unterstützen mich meine Cousins ganz hervorragend, die ja für ihre Familienstämme den Weg in die vierte Generation gehen. "
 
Das ganze Interview mit Cathrina Claas-Mühlhäuserist in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK erschienen.
 
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