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Tischgespräch mit Hans-Peter Fricke

von , am
07.10.2011

Heeslingen - Schon als Kind fasziniert von Technik, war der Weg in Richtung Nachfolger im Familienunternehmen vorgezeichnet. Der Start gestaltete sich zunächst allerdings nicht einfach.

Wenn Hans-Peter Fricke über seine Mercedes-Oldtimer spricht, dann gerät er regelrecht ins Schwärmen – ein Technik-Begeisterter durch und durch. © agrartechnik
Obwohl die Wilhelm Fricke GmbH im Januar 1989, also als Hans-Peter Fricke einstieg, mit rund 100 Mitarbeitern gut 34 Millionen D-Mark umsetzte, ist die damit einhergehende Erfolgsstory mehr als beeindruckend. Heute ist in Heeslingen ein europäisches Dienstleistungsunternehmen mit 880 Vollzeit-Mitarbeitern angesiedelt, das ständig aus allen Nähten zu platzen droht. Nach 326 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2010 sieht momentan alles nach einem weiteren kräftigen Wachstum aus. Dabei habe er bei den älteren Mitarbeitern anfänglich richtig mit Akzeptanz-Problemen zu kämpfen gehabt, bis er seine neuen Ideen durchsetzen konnte, erinnert sich Hans-Peter Fricke noch gut: "Im Laufe der Jahre spielten wir uns dann aufeinander ein, und die jüngeren Mitarbeitern kamen sowieso gleich mit meinem Diplom-Arbeitsthema 'Ergebnisorientierte Entlohnung bei Vertriebsmitarbeitern' gut zu Recht." Ein anderes Problem sei mit Blick auf das extreme Wachstum die bis Anfang 2003 knappe Eigenkapital-Decke gewesen. Man habe ständig die Grenze des Machbaren vor Augen gehabt.

Inneren Schweinehund überwinden

Wenn man Hans-Peter Fricke heute irgendwo in Brasilien, China, Indien oder eben auf der Agritechnica in Hannover trifft, dann begegnet man einem leicht graumelierten, immer seriös wirkenden End-Vierziger, dessen Figur darauf schließen lässt, dass er sehr regelmäßig Sport treibt. Als Nesthäkchen von vier Kindern geboren – Bruder Dirk und die beiden Schwestern wurden frühzeitig ausbezahlt – hat Hans-Peter Fricke trotz religiösem Elternhaus und straffer Erziehung alle gewährten oder sich selbst herausgenommenen Freiheiten weidlich ausgenutzt. "Wir hatten keinen Fernseher, dafür wurde konsequent gebetet. Unsere Region war und ist erzkonservativ. Selbst heute ist in Heeslingen die Kirche noch immer voll."
 
Mit Blick zurück auf diese Zeit, gesteht der Vater dreier eigener Kinder frank und frei, dass er als Jugendlicher schon gerne über die Stränge geschlagen hat. "Das Abitur habe ich geschafft, obwohl meine Fehlzeiten meinen Eltern und natürlich den Lehrern ein Dorn im Auge waren. Andererseits arbeitete ich jeden Nachmittag nach der Schule im Betrieb mit. Beispielsweise hat mich mein Vater, kaum hatte ich den Führerschein, an einem Sonntag nach Offenbach geschickt, um mit dem Transporter einen Kubota-Kompakttraktor abzuholen. Am nächsten Morgen kam ich um vier Uhr morgens nach Hause zurück. Meinen eigenen, inneren Schweinehund überwinden, konnte ich schon immer gut."

Eine Schwäche für Oldtimer

Anfänglich widmete er seine Aufmerksamkeit den für Jugendliche interessanteren fahrbaren Untersätzen, zunächst den Mofas und Mopeds, später den Autos. Schließlich ließ sich mit dem Auffrisieren und Reparieren das Taschengeld ideal aufbessern. Dabei berücksichtigte er einen wichtigen Ratschlag seines Vaters: "Ohne Geld geht gar nichts!" So kann er sich noch gut daran erinnern, dass er einen von ihm mit viel Blech-einschweißen wieder hergerichteten VW-Bus einer Jugendgruppe erst aushändigte, als deren Mitglieder zusammen genügend Euro-Schecks für die Zahlung der Reparatur ausgestellt hatten. Als Gesprächspartner merkt man spätes­tens wenn er auf seine Oldtimer zu sprechen kommt, dass ihn die Leidenschaft für Autos nie losgelassen hat. Mit glänzenden Augen erzählt der Unruhegeist – "Landmaschinen-Händler müssen Hummeln im Hintern haben" – von seinem Mercedes-Benz-Fuhrpark. Die Heckflosse 220S, Baujahr 1964 mit 50 000 Kilometer im Originalzustand scheint es ihm besonders angetan zu haben. Oder aber das 330 SC-Coupé 2-Sitzer aus dem Jahre 1956 mit Direkteinspritzung, von dem insgesamt nur 80 Exemplare gebaut wurden.
 
Die Liebe für Oldtimer gilt im Übrigen auch für Traktoren. "Ich besitze unter anderem einen selbst restaurierten Porsche Diesel Master, Baujahr 1962. Deshalb machte es mich besonders stolz, als ich den Sortimentsbereich Classic Parts bei Granit um den größten Bestand Europas an Ersatzteilen für die beliebten Porsche Traktoren erweitern konnte." Natürlich spiegelt sich das Technik-Interesse auch in den fünf Säulen der Fricke-Gruppe wider. Zum Landmaschinen-Geschäft sind im Laufe der letzten 20 Jahre die Bereiche Fricke Nutzfahrzeuge, der europaweite Ersatzteilgroßhandel Granit, Saphir Landmaschinen und der Motorgerätehandel Gartenland hinzugekommen.

Bodenständig und selbstkritisch ...

... sind zwei der Eigenschaften, mit denen er sich selbst beschreiben würde. Zum einen identifiziert er sich stark mit der Region. Hinsichtlich der Erweiterung seines Unternehmens habe er nie wirklich ernsthaft in Erwägung gezogen, von Heeslingen weg zu gehen, obwohl man sich für einen Großhandelsversand wie Granit durchaus einen geeigneteren Standort als zwischen Hamburg und Bremen vorstellen könne. Deshalb inves­tiert er erneut einen zweistelligen Millionenbetrag in die Erweiterung des Logistikzentrums. Was die Selbstkritik betrifft, so hinterfrage er sich schon regelmäßig selbst, um bei der ganzen Glücks- und Erfolgssträhne nicht überheblich zu werden. Wobei er nicht zu intensiv zurückschaue, er sei im Hier und Heute gefordert. Auf die Frage, was ihn von seinem Vater unterscheide hinsichtlich der Führungsarbeit, antwortet er spontan: "Mein Vater war ein guter Hirte, ich sehe mich selbst eher als Trainer oder Couch, als Teil eines guten Teams von Spezialisten, die ihre Dinge viel besser können als ich."
 
Dabei hält er mittlerweile Disziplin für äußerst wichtig. Teamfähigkeit gehöre für einen guten Mitarbeiter ebenfalls zu einer primären Eigenschaft. Nur dann sei die notwendige Identifikation mit dem Unternehmen gegeben. Für sich selbst sieht er noch die Kreativität als zwingend an. Nur so konnte er mit Blick auf das heute diversifizierte Unternehmen die richtigen Entscheidungen treffen und Ideen aus anderen Bereichen übertragen. Auf die abschließende Frage nach seinem Erfolgsrezept, antwortete er: "Einen guten Händler zeichnet kontinuierliche Arbeit aus. Deshalb würde ich mich auch eher als Marathonläufer bezeichnen. Man muss einfach einen langen Atem haben und weniger Fehler als die anderen machen. Was nicht heißt, dass ich nie welche gemacht habe."
 
Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen Oktober-Ausgabe des Fachmagazins Agrartechnik.
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