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Spezielles

Tischgespräch mit Markwart von Pentz

von , am
22.07.2011

Von seiner Ernennung zum Präsidenten von John Deere für Europa, CiS und Lateinamerika zeigte sich Markwart von Pentz überrascht. Agrartechnik hat mit ihm gesprochen.

Markwart von Pentz zeigt sich ganz entspannt im Tischgespräch mit dem Chefredakteur der AGRARTECHNIK, Dieter Dänzer.
Das Büro von Markwart von Pentz im obersten Stock der Europa-Zentrale von John Deere im Stadtzentrum von Mannheim, direkt neben dem Werk, lässt selbst auf den zweiten Blick im Grunde nicht erahnen, dass hier einer der wichtigsten Manager des mit Abstand weltweit größten Landtechnik-Konzerns residiert – im letzten Geschäftsjahr wurde ein Umsatz von über 26 Milliarden Dollar erzielt. Die in hellen, freundlichen Farben gehaltenen Bilder an den Wänden würden jede Kunstsammlung bereichern, das in schwarz gehaltene Mobiliar wirkt edel aber nicht pompös oder gediegen, dazu ist es schließlich auch zu modern. Bei dem Büro könnte es sich also genauso um das eines Bank- oder Autovorstandes handeln – der Blick durch die großen Fenster des Eckbüros über die Skyline von Mannheim hat jedenfalls was.
 
Nur ein kleiner in Glas gefertigter Traktor auf einem der Fensterbretter gibt einen leicht zu übersehenden Hinweis auf die Branche, in der der im Weser-Berg-Land auf einem Bauernhof aufgewachsene von Pentz agiert.

"Hierarchieebenen sind bei John Deere absolut durchlässig"

Auf die Nachfrage, warum er sich bei den drei möglichen Berufseinstiegen letztlich für den Arbeitgeber John Deere entschieden habe, antwortet der mittlerweile leicht graumelierte – fast beneidenswert sportlich schlanke – End-Vierziger: "Im Rahmen eines halbjährigen Praktikums konnte ich mich bereits davon überzeugen, dass die Leitbilder des Unternehmens nicht nur auf dem Papier stehen, sondern wirklich gelebt werden – und dass sich meine christlichen Prägung bestens damit in Einklang bringen lässt. Der Konzern ist im Vergleich zu anderen, in die ich rein schmecken konnte, sehr leistungsorientiert und wenig formal. Dies wurde mir besonders bewusst bei einem der Einstellungsgespräche nach meiner zweijährigen Bundeswehrzeit und dem Studium. Als Diplom-Kaufmann ohne Promotion ist mir in dem Gespräch sofort mein Laufbahnende in deren Hause signalisiert worden. Bei John Deere sind dagegen alle Hierarchieebenen absolut durchlässig, ich bin ja das beste Beispiel dafür."
 
Dass sich Markwart von Pentz in dem Konzern wohlfühlt und er sich zu hundertprozentig damit identifiziert, hat sich im Nachhinein bestätigt, beim Durchlesen der auf der Homepage hinterlegten Unternehmensleitbilder. Von Pentz repräsentiert beispielsweise par excellence die Integrität – und zwar nicht nur weil er immer wie aus dem "Ei gepellt" gekleidet war, wenn ich ihm in den letzten zwei Jahrzehnten begegnete. Wenn er sagt, dass man bei John Deere ein Geschäft mit 1.500 Traktoren für den Irak nicht gemacht hat, weil damit ein unmoralisches Prozedere verbunden gewesen wäre, glaubt man ihm. "Als christlich erzogener Mensch versuche ich nach den zehn Geboten zu leben, so profan dies auch klingen mag – und John Deere reflektiert viel davon. Große Egos haben keine wirklichen Karrierechancen bei uns. Meine Einstellung ist, dass Ehrlichkeit am längsten währt. Bakschisch-Geschäfte lehnen wir generell ab – und dass wir mit dieser Grundeinstellung richtig fahren, zeigen doch die spektakulären Strafverfahren der jüngsten Vergangenheit gegen Siemens oder MAN um hier nur zwei Beispiele zu nennen." 

Work-Live-Balance gegen Burn-out-Syndrom

Große Worte, die der Vielflieger – an drei von vier Wochen ist er verreist, an 150 Tagen ist er mit Kunden, Lieferanten oder Mitarbeitern zum Abendessen verabredet – ganz entspannt im Bürosessel zurück gelehnt ausspricht. Der schlichte Goldring an der rechten Hand weist ihn als verheiratet aus. Die Frage, wie sich denn sein Multi-Kulti-Job mit einer Ehe vereinbaren lässt, bringt von Pentz überhaupt nicht in Verlegenheit: "Sehnsucht hat noch keiner intakten Beziehung geschadet. Meine Frau ist Richterin und hat deshalb ein eigenes anspruchsvolles Berufsleben. Um gegenseitig am Alltag des anderen teilzunehmen, telefonieren wir täglich mindestens eine halbe Stunde. Man muss schon eine gemeinsame Basis finden und aktiv dieses Leben gestalten. Wer vergisst, dass es neben der Firma auch die Familie und einen Freundeskreis gibt, hat mit Sicherheit über kurz oder lang mit dem Burn-out-Syndrom zu kämpfen. Es ist einfach zwingend notwendig, alles im richtigen Verhältnis, in die entsprechende Balance zu bringen – Zauberwort, Work-Live-Balance."

Und obwohl er ständig auf Reisen ist, oder gerade deshalb, treibt von Pentz mindestens zwei- bis dreimal die Woche Sport (sonst würden die opulenten Abendessen schon längst ihre Spuren an seinem Körper hinterlassen haben), frönt sein Hobby Fliegen und liest das ein oder andere Buch – sein spontaner Lesetipp: "Sternstunden der Menschheit" von Stefan Zweig. Dass er jetzt wieder mehr lese, habe mit der Einführung des i-pad zu tun. Diese habe nicht nur sein ganzes Leben verändert. Man müsse keine schweren Bücher mehr auf den Reisen mitschleppen, erzählt er, klappt die Abdeckung von dem Tablett-Computer herunter und zeigt, dass er momentan neun verschiedene Bücher darauf abgespeichert hat. "Ein perfekter Tag würde bei mir mit einer Runde Joggen und einem reichhaltigen Frühstück beginnen. Der Arbeitstag hätte dann einen Austausch über interessante Projekt zum Inhalt mit Feierabend um spätestens 19 Uhr, so dass man ihn im Kreis der Familie und mit Freunden angenehm ausklingen lassen könnte." Auch die Antwort bezüglich eines alternativen Berufes kommt wie aus der Pistole geschossen: Pilot, aber auch Landwirt, schließlich sei ihm die Passion dafür allgegenwärtig.

Kulturell aufgeschlossener Netzwerker mit Zielorientierung und Diplomatie

Getreu seinem Lebensmotto, "wer glaubt jemand zu sein, hört auf jemand zu werden" von Imanuel Kant, beantwortet er die Frage nach seinem beruflichen Erfolgsrezept: In einem Weltkonzern müsse man kulturell aufgeschlossen und in der Lage sein, Netzwerke zu pflegen. Eine Art Brückenbauer bedingt durch die unterschiedlichen Kulturen, sehr zielgerichtet und ausgestattet mit einer gewissen Diplomatie. Der richtige Mix mache es, auf der einen Seite Bescheidenheit gepaart aber mit einer entsprechenden Aggressivität ohne dabei arrogant zu wirken. Gerade in einem so großen Konzern mit weltweit über 55.000 Mitarbeitern sei es besonders wichtig, das Unternehmertum wach zu halten. Die Mitarbeiter müssten ihre Entscheidungsspielräume nutzen und sich nicht hinter den Strukturen verstecken, phlegmatische Menschen sind ihm ein Greuel.
 
 
Das komplette Interview mit Markwort von Pentz ist in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK erschienen.
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