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Kommentar Landtechnik

Dieselverbrauch - warum die digitale Verbauchsanzeige ein Muss ist

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am Sonntag, 13.11.2022 - 07:20 (Jetzt kommentieren)

Wir wissen bei Traktoren viel über die richtige Ballastierung, Reifendrücke und spritsparendes Fahren. Das hilft aber nichts, wenn es keiner umsetzt, sagt Landtechnikredakteur Thomas Göggerle.

Der 310-PS-Traktor tut sich schwer, als er den Grubber vorbeizieht. Zusammen mit dem Betriebsleiter stand ich auf dem Acker. Wir spekulierten über den aktuellen Dieselverbrauch der Maschine. Vielleicht 25 bis 30 l/ha? Der Boden war leicht feucht und der Schlag hatte eine Steigung von rund 10 Prozent. Mit meinen geschätzten Kraftstoffverbrauch von 25 l/ha lag ich völlig daneben. Das Display in der Kabine zeigte einen Verbrauch von 40 l/ha an! Am Ende des Tages hätte ich den Verbrauch mal eben um 300 l oder bei den heutigen Dieselpreisen um rund 600 Euro unterschätzt. Wie gut, dass in neueren Traktoren die Displays den Verbrauch genau anzeigen und niemand mehr auf Schätzungen angewiesen ist. Analoge Tankuhren mit Zeigern, die während der Fahrt wie Wellen ausschlagen, sind zum Glück Vergangenheit.

Dieselverbrauch - der Unterschied zwischen Theorie und Tankanzeige

Theoretisch lässt sich der Verbrauch ohne Tankuhr an jedem noch so alten Traktor bestimmen: tanken, die Dieselmenge notieren, rückblickend die bearbeitete Fläche erfassen und den verfälschenden Straßenanteil berücksichtigen. Das funktioniert, ist aber aufwendig und die Umsetzung bleibt gerade während der Arbeitsspitzen während der Ernte und Aussaat schnell auf der Strecke – der innere Schweinehund kennt sich damit gut aus.

Gilt nicht immer, aber häufig: Wenn der Azubi fährt, verbraucht der Traktor mehr Diesel

Thomas Göggerle

Zahlen wirken besser als Appelle. Der Betriebsleiter erzählte mir, der Senior auf dem Betrieb verbrauche bei gleicher Arbeit mit der gleichen Maschine weniger Diesel als die Azubis. Verwundert hat mich das nicht. Die Fahrweise – die nicht zwingend etwas mit dem Alter zu tun hat – beeinflusst den Verbrauch sehr stark. Mit den zusätzlichen Litern pro Hektar, die der Traktor mehr verbraucht, kann ich besser argumentieren und das in Euro ausdrücken. Der Appell „fahre vorausschauend und überlegt!“ wird dagegen vermutlich ungehört verhallen oder an der Schallisolierung der Traktorkabine scheitern.

Ich muss den Dieselverbrauch jetzt wissen, nicht später

Was noch kritischer ist: Den Verbrauch sehe ich erst rückblickend, wenn die Stoppelbearbeitung durch ist oder die Flächen gepflügt sind. Das ist zu spät. Ich habe für mich festgestellt: Das theoretische Wissen um den Verbrauch reicht nicht aus, damit ich reagiere und etwas ändere. Ich muss es sehen, am besten einfach dargestellt und ohne Umwege.

Noch ein Appell an die Traktorenhersteller: Bitte neben der Dieselverbrauchsanzeige auch eine AdBlue-Anzeige verbauen. Als AdBlue vor zwei Jahren gerade mal 20 Cent/l gekostet hat, war der Verbrauch kein Problem. Heute ist die wässrige Harnstofflösung genauso teuer wie Diesel.

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