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Traktorentechnik

Fährt mein Traktor auch ohne AdBlue?

Traktor mit Sämaschine auf einem Acker.
am Dienstag, 27.09.2022 - 06:20 (Jetzt kommentieren)

In modernen Traktoren, Mähdreschern oder Feldhäckslern ist AdBlue genauso wichtig wie Diesel. Um es herzustellen, ist viel Gas notwendig. AdBlue ist teurer und knapp. Gibt es Alternativen für Traktoren, oder kommen die auch ohne AdBlue aus? Wir haben bei Herstellern nachgefragt.

Moderne Motoren in Traktoren und Erntemaschinen benötigen neben Diesel-Kraftstoff den Zusatz AdBlue. Die wässrige Harnstofflösung wandelt zur Abgasnachbehandlung im SCR-Katalysator (Selective Catalytic Reduction) schädliche Stickoxide (NOx) in Wasser und Stickstoff um. Dort wo Stickstoff rauskommt, muss auch Stickstoff reingehen, und hier liegt das Problem.

Warum wird AdBlue so teuer?

AdBlue, oder auch DEF (Diesel exhaust fluid) genannt, besteht zu rund einem Drittel aus Harnstoff. Um den herzustellen ist Ammoniak notwendig, das wiederum über das Haber-Bosch-Verfahren synthetisiert wird. Für die energieaufwendige Produktion ist Erdgas notwendig. Der Gaspreis hat sich am Spotmarkt innerhalb eines Jahres verdreifacht und damit auch den Preis für AdBlue.

Ist AdBlue für Traktoren knapp?

Bei AdBlue kommt es teilweise zu längeren Lieferzeiten. Vor allem die Logistikbranche jammert über eine schlechte Verfügbarkeit. Aber über die Verfügbarkeit gibt es auch unterschiedliche Aussagen. Die Deutz AG teilte uns mit, dass man über Deutz-Händler aktuell problemlos AdBlue kaufen kann. Man habe noch keine Lieferprobleme. Auch Fendt urteilt ähnlich. AdBlue sei nach wie vor verfügbar. Die Preise haben in den letzten Wochen eine deutliche Veränderung nach oben erfahren und es können Lieferzeiten von 5 bis 40 Tagen dazukommen.

Fahren Traktoren und Erntemaschinen auch ohne AdBlue?

Wie auch Lkw-Fahrer sind Landwirte für ihre Arbeit von der Verfügbarkeit von AdBlue abhängig. Wer Traktoren oder Erntemaschinen im Einsatz hat, die AdBlue tanken, kann darauf nicht verzichten. Das bestätigen auch Traktor- und Motorenhersteller. Wir fassen zusammen, was uns Fendt, John Deere und die Deutz AG auf unsere Fragen zum AdBlue-Mangel geantwortet haben.

Was passiert, wenn an meinem Traktor der AdBlue-Tank leer wird?

Bevor der AdBlue-Tank am Traktor oder an der Erntemaschine leer ist, informiert das Fahrzeug den Fahrer. Sinkt der Füllstand unter einen festgelegten Wert, bekommt der Fahrer einen Warnhinweis und wird zum AdBlue-Tanken aufgefordert. Fällt der Füllstand weiter, wird der Traktor in seiner Leistung gedrosselt. Abhängig vom Füllstand werden Drehmoment und Motordrehzahl reduziert. Die Motorenhersteller nennen das auch „Inducements“. Nur wer wieder AdBlue nachfüllt, bekommt wieder die volle Motorleistung und -drehzahl.

Können Landwirte den AdBlue-Verbrauch von Traktoren oder Erntemaschinen beeinflussen?

Wie viel AdBlue Traktoren oder Erntemaschinen verbrauchen ist unterschiedlich und vom verbauten System zur Abgasnachbehandlung abhängig. Erfahrungsgemäß liegen die AdBlue-Verbräuche bei rund 6 bis 8 Prozent der verbrauchten Dieselmenge oder circa 2 l/h. Der AdBlue-Verbrauch lässt sich daher nur über die Nutzung steuert. Von den Herstellern kommen daher die Tipps den Motor nicht unnötig im Standgas laufen lassen und einen sehr wechselhaften Betrieb der Motoren durch beispielsweise unnötige „Kick-Downs“ zu vermeiden.

Was passiert, wenn man statt AdBlue andere Flüssigkeiten wie beispielsweise destilliertes Wasser in den Harnstofftank füllt?

In die Harnstofftanks mit den blauen Tankdeckeln an Traktoren und Erntemaschine darf nur AdBlue rein und sonst nichts. Mit anderen Flüssigkeiten zu tricksen bringt hier nichts. Fendt schreibt, dass das System einen inkorrekten Harnstoffgehalt erkennt und das Fahrzeug in den Zustand der Leistungsdrosselung versetzt. Auch bei John Deere ist die Aussage eindeutig: „Konsequenz bei anderen Flüssigkeiten ist eine Leistungsreduktion, um vor Komponentenausfall zu schützen und den gesetzlichen Vorgaben zum ordnungsgemäßen Betrieb gerecht zu werden.“ Auch der Motorenhersteller Deutz AG bestätigt, dass die erforderliche Reagensqualität durch eine Diagnosefunktion überwacht wird. Bei Unterschreitung einer bestimmten Reagenskonzentration wird das Warn- und Aufforderungssystems laufzeitabhängig aktiviert.

Hände weg von Schummel-Steuerung für AdBlue!

Vor allem von Lkws sind illegale Schummel-Steuerungen bekannt, die auch AdBlue-Emulatoren genannt werden. Sie greifen in die Motorsteuerung ein und gaukeln einen falschen AdBlue-Einsatz vor. Doch davon sollten man auf jeden Fall die Hände lassen! Die Hersteller sind sich einig: Eine Manipulation des Systems jeglicher Art führt zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Das Fahrzeug würde nicht mehr der Typgenehmigung entsprechen und Manipulationen können weitreichende Konsequenzen haben.

Können Landwirte AdBlue selbst herstellen?

Harnstoff spielt in der Landwirtschaft als Dünger oder Futtermittel eine wichtige Rolle. Es gibt beispielsweise granulierten Harnstoff oder auch AHL als flüssigen Stickstoffdünger. Trotzdem ist Harnstoff nicht gleich AdBlue. Fendt schreibt dazu: „Eine Herstellung mit angeblichen Ersatzstoffen wie beispielsweise Düngerharnstoff darf nicht erfolgen. Die technische Reinheit, Zusammensetzung und die nötigen Spezifikationen können hier nicht erfüllt werden.“

Mit Material von Deutz AG, Fendt, John Deere

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