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Moderne Traktorentechnik

Fendt 700 Vario Gen7: Die unbekannten Funktionen im Super-Vario

Traktor Fendt 700 Vario Gen7 mit Anhänger
am Sonntag, 25.09.2022 - 06:20 (Jetzt kommentieren)

Fendt stellte seinen neuen 700 Vario Gen7 mit vielen Neuheiten vor. Die Highlights wie der Motor oder der Antrieb sind bekannt. Doch im neuen 700er steckt mehr neue Funktionen und Techniken, die bisher nur wenige kennen. Wir erklären, welche das sind.

Fendt stellte im August seinen neuen Vario 700 der siebten Generation vor und damit die in diesem Jahr wichtigste Landtechnik-Neuheit. Wer die noch nicht mitbekommen hat, für den fassen wir das Wichtigste zusammen: Neuer Motor von AGCO Power, permanent variabler Allradantrieb VarioDrive und ein neues Getriebe sind die Highlights. Von den großen Fendt 700 Vario Gen7 werden fünf unterschiedliche Modelle gebaut. Die leisten mit AGCO-Triebwerke 200 bis 280 PS Nennleistung. Abseits von den Schlagzeilen zum Mega-Traktor, stecken im Fendt 700 Vario Gen7 Neuheiten, die noch wenige kennen. Wir erklären die Neuerungen, die noch nicht viele kennen und die Fendt zum ersten Mal für seine Traktoren zeigt.

Hier ausführlicher Fahrbericht Fendt 700 Vario Gen7 im agrarheute-digitalmagazin lesen.

Überblick: Das sind eher unbekannte Neuheiten am Fendt 700 Vario Gen7

  • Spurweite 60 Zoll
  • LED-Blinkleuchten mit Wisch-Effekt
  • elektrische Steuerleitung Hydraulikpumpe
  • Oberlenker: Hebehilfe für Kuppeln und Lochraster-Wechsel
  • Pflanzenschutzmittel-Filter für Kabine
  • getrennte Ölkreisläufen für Frontlader und Heckhydraulik
  • Kraftstoff-Vorwärm-System
  • Entlastende Regelung Heckhubwerk
  • Kabinenvarianten - lässt sich die Frontscheibe öffnen?
  • Sicherheits-Assistenzsysteme – Fendt Stability Control (FSC)
  • Anhänger-Bremsassistent

Warum der Fendt 700 Vario Gen7 auch für Amerika entwickelt wurde

Um im amerikanischen Traktor-Markt erfolgreich sein zu können, muss der Fendt 700 Vario Gen7 die 60-Inch-Spur können. Die ist für Reihenkulturen, den sogenannten Row-Crops wichtig.

Fendt erreicht mit seinen Vario-Traktoren in Europa hohe Marktanteile in der Traktor-Zulassungsstatistik. In Deutschland rangelt sich die Agco-Marke mit John Deere jährlich um die Marktführerschaft. Vor allem in Nordamerika sieht es aber anders aus. Hier dominieren die Marken John Deere und Case IH. Auch die Schwestermarke Massey Ferguson ist dort weiterverbreitet. Daher stellte der Agco-Konzern bereits in den vergangenen Jahren die Weichen für eine Expansion in den USA. Und dafür sind Traktoren notwendig, die eine Besonderheit haben.

Wer auf dem Nordamerikanischen Traktormarkt erfolgreich sein möchte, muss technisch eines draufhaben: eine Spurweite von 60 Zoll oder umgerechnet 1,52 m. Die sind für Reihenkulturen notwendig, um durch die Bestände fahren zu können. Bisher war das mit den Gen6-700-Varios nur bedingt möglich. Der neue 700 Vario bietet eine 60-Zoll-Variante und eine Stummel-Hinterachse mit 3 m Spurweite. Außerdem gibt es die Reifendruckregelanlage VarioGrip für Doppel-Row-Crop-Reifen.

Fendt-Frontlader Cargo: Neben der neuen Wiegefunktion gibt es weiter Änderungen

An den Cargo-Frontlader für den 700 Vario ist nicht nur die Wiegefunktion neu. Jetzt lassen sich die Werkzeuge in jeder Position entriegeln. Das geht bei den alten Cargo-Ladern nicht.

Für den neuen 700er Vario bringt Fendt eine neue Frontlader-Generation. Was bekannt ist: Der CargoProfi 6.100 hebt 4 t und hat eine Wiegefunktion im Terminal. Eher unbekannt ist, dass es für die Cargo Lader auch eine neue Universalschaufel mit 2,55 m Breite gibt und Fendt einen neuen Multikuppler verbaut. Außerdem zeigt das Traktorterminal jetzt die Schmierzyklen für den Lader an und auf der Schwinge sind Arbeitsscheinwerfer verbaut. Kleines, aber wichtiges Detail: Die Werkzeuge am Lader lassen sich jetzt in jeder Position entriegeln. Das war vorher nicht möglich und die Schaufel oder Gabel musste vollständig eingezogen werden, um die Sicherungsbolzen zu entriegeln.

LED-Blinkleuchten mit Wisch-Effekt

Der Fendt 700 Vario Gen7 kommt mit dem schicken Tagfahrlicht in der Motorhaube. Aber es gibt von außen noch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen dem 700er Gen6 und dem 700er Gen7. Der Gen7 bekommt geschwungene LED-Rücklichter, die auch CAN-BUS-fähig sind. Wie mittlerweile bei Autos oft verbaut, leuchten die einzelnen LEDs des Blinkers nicht auf einmal auf, sondern wie eine Lichterkette. Fendt nennt das einen dynamisch, wischenden Blinker. Außerdem gibt es ein Coming-Home-Licht. Steigt der Fahrer vom Traktor, leuchtet ihm der Vario noch einen Moment den Weg aus der Maschinenhalle. Die Funktion wurde bereits für die 900er Varios vorgestellt.

Für die Hydraulik von morgen: elektrische Steuerleitung für Axialkolbenpumpe

In Sachen Hydraulik denkt Fendt bereits einen Schritt weiter und verbaut in den 700 Vario Gen7 ein „elektrisches Load Sensing“. Das bedeutet, dass der Steuerblock der Load-Sensing-Einheit einen elektronischen Eingang bekommt. Dadurch kann die LS-Einheit Steuerbefehle elektronisch und genauer erhalten. Das soll die Basis für zukünftige Anwendungen sein. Welche das sind, darüber macht Fendt keine Aussage.

Mehr Sicherheit: Fendt 700 Vario sperrt Lenkachse selbständig

Der neue 700 Gen7 ist mit seinem geringen Leergewicht für Transportarbeiten gut geeignet. Um während der Straßenfahrt mit einem Tandem- oder Tridem-Anhänger den Fahrer zu entlasten, sperrt der Traktor die Lenkachse automatisch und öffnet sie wieder – je nach eingestellter Geschwindigkeit. Bei Rückwärtsfahrt wird die Lenkachse immer gesperrt und der Fahrer kann die Automatik immer manuelle übersteuern. Die Funktion ist keine Neuheit. Fendt stellte das System bereits 2007 vor! Trotzdem ist es bisher nicht sehr bekannt, obwohl andere Traktormarken sich schwertun eine vergleichbare Funktion für eine automatisch sperrende Lenkachse anzubieten.

Warum Oberlenker-Kuppeln am 700 Vario einfacher wird

Die Hebehilfe nimmt über Seilzüge ein Teil des Oberlenker-Gewichts ab. Dreipunktgeräte anbauen soll so einfacher und sicherer werden. Außerdem hilft die Entlastung, wenn der Oberlenker in der Lochkulisse umgesteckt werden muss.

Hydraulische Oberlenker sind mittlerweile in der 700-Vario-Liga Standard. Das Problem: Die massigen Oberlenker sind sehr schwer. Sie an- oder abzubauen geht nur sehr mühsam und das Kuppeln des schweren Zylinders mit dem Anbaugerät birgt Gefahren. Fendt bietet als Option für seine neuen 700 Varios ein für hydraulischen Oberlenker eine Hebehilfe an. Ein Gasdruckdämpfer unterstützt den Fahrer über einen Seilzugmechanismus beim An- und Abkuppeln eines Anbaugerätes. Seilzug nimmt einen Teil des Oberlenkergewichtes auf. Außerdem kann der neue Oberlenker noch mehr. Er hilft, wenn er in einem anders Lochbild fixiert werden muss. Dazu hält das Gestänge mit Kugel den Oberlenker in Parkposition, wenn kein Anbaugerät montiert ist. Gasdruckdämpfer am Metallgestänge übernehmen einen Teil der Gewichtskraft des Oberlenkers.

Spezieller Pflanzenschutzmittel-Filter für Traktor-Kabine

Der Fendt 700 Vario Gen7 kommt mit einer KAT-4-Kabine und Filterschutzfunktion. Den Wechselfiltersystem gibt es ab Werk. Er schützt vor Staub, flüssigen Pflanzenschutzmitteln und deren Dämpfen. Hintergrund: Für das Ausbringen mancher Pflanzenschutzmittel sind Traktorkabinen der Kategorien 3 und 4 gefordert. Diese waren bislang kaum verfügbar. In einem Register des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL Kabinen-Register) sind alle Traktormodelle und selbstfahrende Feldspritzen aufgelistet. Bisher standen von Fendt nur die Schmalspurtraktoren 200 Vario und die selbstfahrende Pflanzenschutzspritze Fendt Rogator 600 im Register der Fahrzeuge mit Kabine und Filterschutzsystem. Mit dem neuen Gen7 ändert sich das. Die KAT-4-Kabine mit Filterschutzfunktion wird aber erst ab Ende 2023 verfügbar sein.

Video Fendt 700 Vario Gen7: Erster Testbericht vom 300-PS-700er

Das bringen getrennte Ölkreisläufen für Frontlader und Heckhydraulik

Für den Fendt 700 Vario der siebten Generation gibt es einen zusätzlichen Steuerblock zwischen den Achsen. Der kommt optional mit der Konsolen für die neuen Cargo-Frontlader. Die Hydraulikkreisläufe von Frontlader und Heck sind jetzt getrennt. Musste der Fahrer vorher immer entscheiden, welcher Kreislauf aktiv ist, so sind jetzt alle Hecksteuerventile nutzbar und das unabhängig vom Frontlader.

Fendt-Bekenntnis zu FlatFace: Hydraulikschläuche ohne Lecköl kuppeln ab Werk

Fendt rüstet auf Wunsch alle Hydraulikanschlüsse mit Flat-Face-Kupplungen aus. Alternativ kann auch nur eine Ventilgruppe mit den leckölfreien FFC-Kupplern ausgestattet werden.

Flachdichtende Hydraulikkupplungen sind nicht neu und daher für den Fendt 700 Vario keine Überraschung. Bei Fendt konnten die sogenannten FlatFace-Kuppler (Flat Face Coupling FFC) bereits seit einigen Jahren als Option geordert werden. Was neu und ungewöhnlich ist: Auch die Anschlüsse in der Front und für Power Beyond sind als FFC verfügbar. Die Norm für den Load-Sensing-Anschluss mit Steuer- und Druckleitung sowie drucklosem Rücklauf sieht FFC-Kuppler noch nicht vor. Fendt möchte hier einen Schritt weiter gehen und die FFC-Ventile stärker in die Praxis bringen

Für Winterdienst oder einfach nur wenn es kalt ist: AGCO-Motor soll immer anspringen

Im Winter ab Temperaturen unter minus sieben Grad Celsius flockt Paraffin im Diesel aus und verstopft Filter und Leitungen. Es fließt kein Diesel und die Rail-Anlagen und Einspritzdüsen bleiben trocken. Damit das nicht vorkommt, saugt der Fendt 700 Vario bei Kälte über einen Bypass und ein Thermostatventil warmer Diesel an. Der stammt vom Kraftstoffrücklauf und wurde bereits vorgewärmt. Während das System bereits zur Serienausstattung gehört, gibt es zusätzlich auf Wunsch ein elektrisch beheizter Kraftstoffvorfilter.

Entlastende Regelung für Heckhubwerk: damit sind diese Einsätze möglich

Bereits vor einigen Jahren stellte Fendt das entlastende Fronthubwerk vor. Damit ist es möglich das Hubwerk hydraulisch auf einen eingestellten Druck zu entlasten. Frontmähwerke benötigen beispielsweise keine Stahlfedern zur Entlastung. Mit dem 700 Vario Gen7 führt Fendt die entlastende Regelung für bodengeführte Anbaugeräte im Dreipunktanbau im Heck ein. Die Entlastung im Heckhubwerk führt beispielsweise Mulchgeräte bei Unebenheiten und auf weichem Untergrund auf gleichbleibender Arbeitshöhe - der Fahrer muss nicht mehr manuell nachsteuern. Außerdem ist es möglich vom angebauten Gerät Gewicht über die Entlastung auf den Traktor zu übertragen, damit der eine bessere Traktion erreicht.

Wirklich? Aufstellbare Frontschreibe für 300-PS-Traktor

Den Fendt 700 Vario Gen7 gibt es mit drei Kabinenvarianten. Auf Wunsch bleibt die rechte Fahrzeugseite zu (wie hier im Bild). An der Standard-Kabine öffnet die rechte Kabinentür und die Frontscheibe!

Das Thema zweite Kabinentür und offene oder geschlossene Frontscheibe hatte bei Fendt schon immer eine größere Bedeutung. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Fendt weiterhin für den 700 Vario Gen7 unterschiedliche Kabinenvarianten anbietet. Für den 700 Vario gibt es eine Kabinenvariante mit einer durchgezogenen Frontscheibe und auf Wunsch eine Tür auf der rechten Fahrzeugseite. Was überrascht ist, dass sich an der eigentlichen Standardkabine sowohl die rechte Tür als auch die Frontscheibe (!) öffnen lässt. Für einen 300-PS-Traktor mit Klimaautomatik ist das sehr außergewöhnlich.

Sicherheits-Assistenzsysteme – Fendt Stability Control (FSC)

Fendt macht den 700 Vario sicherer und verbaut neue Assistenzsystem wie beispielsweise die Wank-Stabilisierung FSC oder einen Anhänger-Bremsassistent. Der bremst automatisch Druckluftanhänger, falls die den Traktor schieben sollten.

Mit dem Gen7 bringt Fendt erstmals das Sicherheits-Assistenzsystem Fendt Stability Control (FSC) in den 700 Vario - einer Wank-Stabilisierung für den Traktor. Bisher hatte das nur der 1000 Vario und der 900 Vario verbaut. Fährt ein Traktor in einer Kurve, neigt er sich in Richtung Kurvenaußenseite. Das neue FSC-System dämpft die Seitenneigung. Dazu sperrt das System ab 20 km/h an der Vorderachsfederung den Ausgleich zwischen rechter und linker Seite. FSC soll das Lenken präziser machen, den Traktor stabilisieren und mehr Bremssicherheit bieten. Außerdem ist FSC ein automatisches System und abhängig von der Geschwindigkeit. Es muss nicht vom Fahrer aktiviert werden.

Varios schließen endlich Sicherheitslücke: Anhänger schiebt, Vario bremst

Was Fendt endlich für die Varios einführt und vom Erfinder des Stufenlosgetriebes längst überfällig war: Eine automatische Anhängerstreckbremse. Während Traktormarken wie Claas, Case IH oder New Holland bereits die intelligenten Bremsassistenten anbietet, gab es die Funktion bisher nicht für Fendt-Traktoren. Der Anhängerbremsassistent überwacht, ob der pneumatisch gebremsten Anhänger schiebt und stellt sicher, dass das Gespann gestreckt bleibt. Der Anhängerbremsassistent regelt den Bremsdruck in kritischen Situationen automatisch, ohne dass der Fahrer das Bremspedal betätigt. Das bringt mehr Sicherheit beispielsweise bei Verzögerung der Fahrgeschwindigkeit durch Zurückziehen des Fahrhebels, bei Bergabfahrten, Kurvenfahrten oder an Kreuzungen. Der optionale Anhängerbremsassistent kommt aber erst ab 2023 in die 700-Gen7-Varios.

Mit Material von Fendt

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