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Traktoren

Fendt-Feldtag: Vom 1.000er über die neuen 300er zum Katana 85

© Rebecca Kopf/agrarheute.com
von , am
01.09.2014

Wadenbrunn - Staubig war es nicht beim Fendt-Feldtag. Doch schlechtes Wetter war für 60.000 Besucher kein Grund, sich die Fendt-Neuheiten an Schleppern und Mähdreschern entgehen zu lassen.

Umgeben von Rauch und begleitet von rockigen Gitarrenriffs zog das neue Flaggschiff aus Marktoberdorf in die Arena ein. Für den neuen Fendt 1.000 Vario gab es vergangenen Mittwoch beim neunten Feldtag von Fendt und Saatenunion in Wadenbrunn bei Würzburg eine Extrashow.
 
Schließlich zeigte sich die neue bis zu 500 PS starke Baureihe der Standard-Großtraktoren zum ersten Mal im Einsatz vor den Augen der Öffentlichkeit. Drei weitere PS-starke Zugpferde, die Fendt vor die vollbesetzte Tribüne marschieren ließ, waren der Feldhäcksler Katana 85 und die neuen Mähdrescher der C- und L-Reihe. Zusätzlich zur Neuheiten-Show wartete die AGCO-Marke mit den neu entwickelten Fendt 300 und 700 Vario sowie mit Neuheiten in der Erntetechnik auf.
 
Insgesamt über hundert Schlepper zogen mit Grubbern, Packern, Pflügen, Muldenkippern, Spritzen, Güllewagen - also mit nahezu allen käuflich zu erwerbenden Anbaugeräten - über die 100 Hektar große Aktionsfläche. Der einzige Wermutstropfen des Events sollte das Wetter sein. Doch von den schauerartigen Regengüssen, die bis in die frühen Morgenstunden andauerten und bis zu 30 Liter pro Quadratmeter Wasser brachten, ließen sich die Besucher nicht abhalten. Mit über 60.000 Zuschauern aus 31 Ländern verbuchen die Veranstalter 2014 einen neuen Rekord.

Der 1.000 Vario zieht enge Bahnen

Der 1.000 Vario bringt 14 Tonnen auf die Waage und ist 3,60 Meter hoch. Mit 500 PS und 60 km/h ist er vielseitig einsetzbar. © Rebecca Kopf/agrarheute.com
So einen großen Schlepper wie den 1.000 Vario hat Fendt noch nie gebaut. Diese komplett neue Baureihe der Standard-Großtraktoren ist bis zu 500 PS leistungsstark und dynamisch. Auf dem Feld in Wadenbrunn zeigte das "German Meistwerk", dass es mit schwerem Grubber enge Bahnen ziehen kann.
 
Für die hohe Leistung sorgen ein MAN-Sechs-Zylinder-Motor und ein neues stufenloses Vario-Getriebe. Es arbeitet hydrostatisch-mechanisch. Die Höhe des Stahlrosses beträgt 3,60 Meter (m). Es bringt ein Leergewicht von 14 Tonnen auf die Waage. Damit soll es im Vergleich zu anderen Kandidaten der 500-PS-Klasse relativ leicht sein.
 
Der neue Hochleistungsschlepper präsentiert sich als vielseitig einsetzbar. Zum einen ist er für die schwere Feldarbeit konzipiert worden, zum anderen ist der Traktor mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde straßentauglich. Hier kommt die integrierte Reifendruckregelanlage zum Tragen. Sie sorgt für eine gesteigerte Zugkraft auf dem Acker und für weniger Reibung und damit für weniger Dieselverbrauch auf der Straße. Vario Grip, Fendt Stability Control, Einzelradfederung und Zweikreisbremse sind nur einzelne Komponenten aus dem Fahrwerks- und Sicherheitspaket. Der Vario 1.000 ist ab dem vierten Quartal 2015 im Handel erhältlich.

Kurs auf die internationalen Märkte

Mit dem "German Meisterwerk" nimmt Fendt Kurs auf die internationalen Märkte. "Das Wachstum liegt bei Fendt ganz klar auf dem Export", kommentierte Roland Schmidt in Wadenbrunn die Strategie. Der Marketing Direktor muss die Schlepper letztendlich international vertreiben. Professionelle Kommunikation sei dafür wichtig, sagte er.
 
Ein klares Signal für den internationalen Auftritt der Marke sehe er darin, dass Besucher aus 31 Ländern in Wadenbrunn waren.

700 Vario: Einen Klassiker nochmals besser gemacht

Pflügen, grubbern, packen: Bei der Bodenbearbeitung zeigten die Schlepper ihr Können. © Rebecca Kopf/agrarheute.com
Ein Modell, mit dem die AGCO-Marke im letzten Jahr sehr erfolgreich war, ist der Fendt 700 Vario. Der 724er war mit über 700 Stück der meist zugelassene Schlepper von Fendt.
 
Diese Baureihe wollte der Landtechnikhersteller nun perfektionieren. In Wadenbrunn zeigte sich das Arbeitsergebnis der Ingenieure. Zum Beispiel arbeitet der Schlepper dank einer neuen vierfach 1.000 E-Zapfwelle effizienter und Diesel sparender. Die Zapfwelle ermöglicht laut Hersteller trotz abgesenkter Motordrehzahl, eintausend Umdrehungen pro Minute an der E-Heckzapfwelle. Außerdem hat Fendt die 700er-Reihe komplett auf das Zweikreisbremssystem umgestellt. Das heißt, es gibt nur noch ein Bremspedal.
 
Analog zu den Großtraktoren 800 und 900 Vario gibt es die Abgasrückführung nun auch im 700er. Damit erfüllt die neue Baureihe der Fendt 700 Vario die europäische Abgasnorm Stufe 4/Tier 4 Final.
 
Einen weiteren Erfolg kann Fendt mit dem größeren Bruder der 700er, dem 820er Vario, verbuchen. Mit dem Modell brachte Fendt den sparsamsten Schlepper dieser Leistungsklasse von 200 bis 280 PS ins Rennen. So darf es Fendt offiziell sagen. Denn laut dem Powermix-Test der DLG (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) kommt der Schlepper auf einen Dieselverbrauch von 248 g/kWh. "Das ist Weltrekord", betonte ein Sprecher von Fendt.

Augen auf die neue Flotte der 300er

Wer sich in Gefilden um die 110 bis 138 PS besser aufgehoben fühlt, dem bietet Fendt neuen Modellvarianten der Baureihe Vario 300 an. Im Inneren der Allround-Trecker sitzt ein 4,4 Liter, Vierzylinder AGCO-Power-Motor mit Common-Rail-Hochdruckeinspritzsystem und elektrisch gesteuertem Wastegate-Turbolader. Der Motor erreicht laut Hersteller einen Drehmomentanstieg von 42 bis 45 Prozent, ohne viel Diesel zu verbrauchen.
 
Ein neues Bedienkonzept der 300er Baureihe biete alle Möglichkeiten der Schlepper- und Gerätesteuerung für das Vorgewendemanagement. Das Variocenter auf dem rechten Kotflügel fasst alle Bedienelemente zentral zusammen.

'Das Werk funktioniert gut'

Ob nun 110 PS oder 500 PS, die Produktion am Fendt-Standort im bayerischen Marktoberdorf ist für alles ausgelegt. Vor zwei Jahren wurde das Werk mit einer Investitionssumme von 300 Millionen Dollar in Betrieb genommen. Anfangs lief es nicht reibungslos, wie AGCO/Fendt-Vizepräsident und Vorsitzender der Geschäftsführung, Peter-Josef Paffen, in Wadenbrunn verriet: "Es macht Arbeit und Mühe, bis so eine große Maschinerie funktioniert."
 
Mit einer Personaldecke von 4.000 Mitarbeitern ist es gelungen, das Rad zum Laufen zu bringen. Am ersten Produktionstag wurden zwei Traktoren hergestellt, bald waren es 100 Stück, die am Ende des Tages von den Bändern gelaufen sind. Letztes Jahr hat Fendt 18.000 Trecker gebaut. Doch Paffen sieht noch viele freie Kapazitäten. Es könnten seiner Meinung nach auch 25.000 und mehr Schlepper pro Jahr sein. Die Fertigung bräuchte jedoch die Aufträge.
 
Zudem betonte der Vize-Präsident, wie flexibel das Werk aufgestellt ist. Sein theoretisches Beispiel lautete: "Es steht ein Schmalspurschlepper mit einem Gewicht von 2,5 Tonnen auf dem Band. Der nächste könnte ein Vario 1.000 sein mit einem Gewicht von elf Tonnen oder 14 Tonnen."

Fendt und die Erntetechnik: Der Katana 85

Der Katana 85 hat 850 PS unter der Haube und einen Tank für 1.500 Liter Kraftstoff. © Rebecca Kopf/agrarheute.com
Flexibel, das ist ein Stichwort für die AGCO-Marke. In Wadenbrunn zeigte Fendt sich als Fullliner. Nicht nur Traktoren, auch Mähdrescher, Maishäcksler und Pressen sind als Produkte "Made in Marktoberdorf" im Handel.
 
Mit nicht weniger Show als für das "German Meisterwerk" rollte der Katana 85 mit einem donnernden Motorensound in die Arena. Der große Bruder des Feldhäckslers Katana 65 ist 850 PS stark. Wie Fendt erklärt, ist der Katana 85 mit der größten derzeit am Markt erhältlichen Häckseltrommel ausgestattet. Ihr Durchmesser beträgt 720 Millimeter. Wie bei dem "Kleinen" hält Fendt am V-Cracker-Prinzip fest. Einzelne V-förmig ineinander greifende Scheiben laufen auf zwei gleichlaufenden Walzen, damit verdoppelt sich die Cracker-Spaltlänge. Was nicht zuletzt besseres Häckselgut und eine verbesserte Futterqualität mit sich bringt.

Mähdrescher der C- und L-Serie

Zu Fendts Produktpalette gehören auch Mähdrescher wie der 6275 L. © Rebecca Kopf/agrarheute.com
Nach dem Prinzip "Raus aus dem Schlepper - rein in den Mähdrescher" können die Landwirte nun das Bedienkonzept Variotronic nicht nur in der Mähdrescher C-Serie, sondern auch in der L-Serie finden. Wie bei den Traktoren gibt es eine klar aufgebaute Armlehne als zentrale Bedieneinheit. An ihr kann der Fahrer alle Maschineneinheiten vornehmen. Über den Multifunktionsjoystick lassen sich alle Maschineneinstellungen vornehmen.
 
Als jüngstes Kind aus der Familie der großen Mähdrescher wurde die C-Serie vorgestellt. Ebenso wie beim 700 Vario ist die Maschine an sich nicht neu, aber die Ingenieure haben Dinge gefunden, die sich verbessern ließen. Mit einem Spurführungssystem VarioGuide und einem sechsreihigen Strohhäcksler schafft die C-Serie den Aufstieg in die Premiumklasse. Die Arbeitsbreite des Schneidwerks legt übrigens nicht mehr nur 6,60 m Getreide um. Jetzt sind es 7,70 m.
 
Wie in der Praxis folgt dem Dreschen das Pressen. Auch da wartete Fendt mit etwas Neuem auf: Mit einem Behälter für Siliermittel auf der 1270 s Packenpresse sorgte die Marke am Mittwoch für Überraschung - wörtlich am Rande der Show. Denn wegen der schwierigen Bodenverhältnisse durfte das Gespann nicht in die Arena einrollen.
 
Das Siliermittel soll bis zu 30 Prozent mehr Output bringen. Gerade an Erntetagen mit schlechtem Wetter könnte es eine sinnvolle Hilfe sein, um die Qualität des Strohs zu wahren. Und ganz unerheblich ist es in Punkto Effizienz auch nicht. Mit dem Zusatz können sich ein paar Packen mehr von der Fläche holen lassen, verspricht Fendt.
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