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Gastkommentar

Sind gebrauchte Landmaschinen besser als jede Aktie?

mehrere alte Traktoren von  Eicher und Porsche
am Freitag, 07.05.2021 - 05:30 (Jetzt kommentieren)

Stefan Doseth von technikboerse.com schreibt bei agrarheute über die Entwicklung des Gebrauchtmaschinenmarkts und die Nutzung von gebrauchten Landmaschinen als Kapitalanlage.

Schon erstaunlich - wir befinden uns mitten in einer globalen Pandemie und dennoch scheint es Märkte zu geben, die völlig losgelöst von Fundamental-Daten sich hervorragend entwickeln. Zum einen der Markt für Aktien, der innerhalb des Pandemie-Zeitraumes einen Sprung des DAX von 9.500 Punkte auf über 15.000 Punkte realisieren konnte. Zum anderen ist da aber auch noch ein anderer, viel unspektakulärer zu nennen – der Markt für gebrauchte Landmaschinen.

In der Welt von John Deere, Fendt, Schlüter, Eicher und vielen weiteren scheint es eine Sonderkonjunktur zu geben, bei der man aber sehr genau den wahren Wert der Technik-Assets kennen sollte, wenn man richtig ein- oder verkaufen will.

Old- und Youngtimer: Gebrauchte Schlepper als Kapitalanlage

Stefan Doseth

Ein Beispiel? – die sogenannten „Youngtimer“. Wer sich heute bei gebrauchten Traktoren umschaut, die so um die 25 oder mehr Arbeitsjahre auf dem Buckel haben, der darf sich schon beim einen oder anderen Angebot die Augen reiben. Schlüter, Eicher, IHCs der Typen 1255,1455, 1046, 1246, 600er Fendts und John Deere der 7000/7010 Baureihen sind gesucht wie nie.

Wer noch einen gebrauchten MB-Trac als Seitenschalter in gutem Zustand auf dem Hof stehen hat, sollte sich ernsthaft überlegen, ob es sich bei dem Fahrzeug in Zukunft um einen treuen Helfer bei der Arbeit oder aber um eine Kapitalanlage handeln soll – ich würde hier den Fokus auf letzteres legen.

Gebrauchte Landmaschinen: Anbaugeräte gefragt wie noch nie

Ein weiteres Beispiel? Die Anbaugeräte! Dieser Markt im Gebrauchtsegment für Landtechnik wird gerade regelrecht gemacht durch die schon getroffen oder noch zu treffenden Entscheidungen der Politik hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft.

Das anstehende Verbot von Glyphosat hat dabei den Markt für gebrauchte Flach- oder Leichtgrubber regelrecht leergeputzt. Ein Stück dieses 5- bis 7-balkigen Stahl und Eisens verliert bei angepasster Nutzung und guter Pflege viel weniger an Wert, als es jeder gute Betriebswirtschaftler über die Nutzungsdauer und -intensität akkurat berechnen könnte.

Gebrauchte Hack- und Striegeltechnik ist kaum zu finden

Noch viel heißer verhält sich der Markt für gebrauchte Hack- und Striegeltechnik, ganz gleich ob von Herstellern wie Schmotzer, Einböck, Hatzenbichler, Treffler oder anderen – es gibt schlicht keine, nicht mal qualitativ schwierige Exemplare sind auf Online-Plattformen wie technikboerse.com zu guten Preisen zu finden.

Hier hat die Politik eine ganze Branche von Neumaschinen-Anbieter in eine nicht enden wollende freudvolle Stimmung versetzt. Wer eine gute Gebrauchte findet, dem kann man nur raten zuzuschlagen, wer eine Neue kaufen will oder muss, der sollte sich sehr viele Gedanken darüber machen, was passieren wird, wenn die viele Technik, die über die „Bauernmilliarde“ gefördert gekauft wurde, in wenigen Jahren in den Aftermarkt zurückfließen wird.

Fazit: Gebrauchtmaschinen oder Aktien?

Eine letzte Erkenntnis zum Thema, „Sind gebrauchte Landmaschinen die besseren Aktien?“, möchte ich Ihnen mit den Worten von André Kostolany, einem einst sehr bekannten amerikanischen Börsenspekulant mitgeben. Er hat den Wirkmechanismus von Angebot und Nachfrage an der Börse einst so umschrieben: Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten oder mehr Idioten als Aktien“.

Als Landwirt sollten Sie vieles, nur kein solcher sein - Sie kaufen was Sie wirklich brauchen, denn schon das ist Spekulation genug.

Die Old- und Youngtimer der Hofhelden

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