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Rohstoffknappheit

Lieferengpass bei John Deere, Horsch & Amazone? Wir haben nachgefragt

Traktor bei Produktion
am Freitag, 19.11.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Bei der Landmaschinenproduktion sind momentan viele Teile knapp. Das stellt die Hersteller vor große Herausforderungen. Wir haben drei Landmaschinenhersteller gefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

"Die Landtechnik erlebt gerade eine enorm florierende Konjunktur, um den aktuellen Lieferengpass kommt aber keiner herum", sagt Christoph Götz, Pressesprecher des VDMA e.V. Landtechnik. 

In den Anfängen der Corona-Krise sei Stahl knapp gewesen. Jetzt fehlen vor allem Container und Schiffe, die sie transportieren könnten. "Viele Schiffe können nicht fahren, weil 1,3 Mio. Beschäftigte fehlen, die während der Pandemie abgewandert sind", sagt Götz. Dazu kommt, dass sich die Kosten in der Logistik vervielfacht haben. Auch die Kostensteigerungen für Mikrochips sind problematisch: Sie seien um bis zu 500 Prozent gestiegen, so Götz. Zudem stocken die Lieferungen wichtiger Elektronikbauteilen aus USA und China. Dadurch geraten Prozesse durcheinander und die Logistik- und Teillogistik läuft nicht mehr zuverlässig ab. Den Herstellern bleibt also nichts anderes übrig, als die gegebenen Planbarkeiten zu optimieren. Das kann undankbar und kostenintensiv sein.

Horsch: „Unsere Lieferketten wurden nicht unterbrochen, haben sich allerdings deutlich verlangsamt.“

„Die Auftragsbücher sind mindestens so voll wie vor Ausbruch von Covid-19, die Auftragslage hat sich sogar etwas verbessert“, sagt Jens Fehl, Sales Support bei der Horsch Maschinen GmbH. „Unsere Lieferketten wurden nicht unterbrochen, haben sich allerdings deutlich verlangsamt. Teile und Komponenten werden teurer und Lieferketten sind teilweise unsicherer und unpünktlicher als gewohnt". Dies erfordere eine hohe Flexibilität und einen gut strukturierten Einkauf. Teilweise könne Horsch die Liefertermine nicht einhalten, weil Vorlieferanten später liefern. Bei der Produktion fehlen, so Horsch, vor allem Elektronikkomponenten wie Chips, Platinen oder Sensoren. Aber auch Hydraulikkomponenten und Reifen sind Mangelware. Auch Stahl sei teilweise knapp und nicht immer in guter Qualität verfügbar.

Horsch versucht die knappe Verfügbarkeit dringend benötigter Komponenten innerbetrieblich abzupuffern. „Wir setzen alles daran, die Produktion am Laufen zu halten. Es wird erledigt, was erledigt werden kann. Maschinen werden dann teilweise zwischengelagert und fertiggestellt, sobald alle Teile vorhanden sind. Das bedeutet deutlich mehr Aufwand, weil wir mehrmals ranmüssen“, erklärt Horsch.

In einer solchen Situation zahlen sich, so Horsch, gute Beziehungen zu Lieferanten und ein fairer Umgang mit Geschäftspartnern aus. „Für uns ist es wichtig, nicht nur zu drücken und auf Preiskämpfe zu setzen.“

Rohstoff-Knappheit bei John Deere: „Falls notwendig werden auch mal Sonderfrachten durchgeführt.“

„Wir produzieren derzeit in allen Fabriken in Mannheim ohne Einschränkungen. Alle Kundenaufträge können erfüllt werden“, sagt Ralf Lenge, Public Relations Manager bei John Deere.

Dennoch ist John Deere von der globalen Kapazitätskrise betroffen. Wie bei allen Landtechnikherstellern, fehlen Chips. Das führt Lenge darauf zurück, dass pandemiebedingt viele Investitionen und Käufe im Bereich der Elektronik nachholen, vor allem bei Laptops und Smartphones. Zusätzlich gäbe es eigentlich bei allen Materialien Engpässe, bei Elektronikbauteilen ebenso wie bei Kunststoffen. Die sehr gute Auftragslage sei ein Teil der Herausforderung: viele Aufträge bei gleichzeitigen Engpässen auf der Zulieferseite.

„Regional sind die Lieferketten aus dem asiatischen Raum am stärksten betroffen. Hier sind es vor allem Chips aus Taiwan, aber auch aus anderen asiatischen Ländern“, sagt Lenge.

Um die Krise abzufedern, versuche John Deere die Frachtkosten so niedrig wie möglich zu halten. „Ein Vorteil für uns sind die ausgeglichenen Warenströme zwischen den USA und Europa. Container werden immer beladen in beide Richtungen transportiert, sodass wenig Leerfrachten auftreten. Auch John Deere nutzt seine langjährigen Lieferantenbeziehungen, um die Produktion am Laufen zu halten. Zusätzlich haben wir Fokusteams gebildet, die sich um die besonders kritischen Komponenten wie Elektronikbauteile kümmern. Falls notwendig werden auch mal Sonderfrachten durchgeführt", so Lenge.

Landtechnik-Hersteller Amazone setzt auf Flexibilität und vorausschauende Planung

Auch bei Amazone ist die Versorgungslage aktuell angespannt, weil Zulieferer nicht immer pünktlich liefern können. „Unsere Lieferzeiten verlängern sich bei einigen Produkten, so dass wir immer wieder gezwungen sind, Auslieferungen in das Jahr 2022 platzieren zu müssen", sagt Dirk Brömstrup, Leiter der Kommunikation bei den Amazonen-Werken Dreyer SE & Co. KG. 

Aktuell sei die Verfügbarkeit bei Elektronikkomponenten sowie bei Lagern und Achsen kritisch. Amazone ist dennoch lieferfähig. „In vielen Bereichen verfügen wir über eine hohe Fertigungstiefe, worüber wir flexibel und schnell auf Veränderungen reagieren können und uns ein Stück weit unabhängig von der Fremdzulieferung machen. Fehlen Teile, versuchen wir Bauplätze zu tauschen, um keine Fertigungskapazität zu verlieren“, so Brömstrup.

Trotz der teilweise kritischen Zuliefersituation gelinge es, höhere Stückzahlen im Vergleich zum Vorjahr auszuliefern. „Abhängig vom Maschinentyp können Maschinen noch in diesem Jahr geliefert werden oder haben aktuelle Lieferzeiten von mehreren Monaten“, sagt Brömstrup. Grundsätzlich versuche Amazone alles, um die Landmaschinen termingerecht zu liefern. „In den Ausnahmefällen, in denen es nicht gelungen ist, treffen wir häufig verständnisvolle Landwirte an."

Global unterbrochene Lieferketten: Auch in der Landtechnik ist kein schnelles Ende in Sicht

Wann die Lieferkrise vorbei sein wird, lässt sich aktuell schwer vorhersehen. Die von uns befragten Landmaschinenhersteller geben eine ähnliche Prognose ab: Die Krise könnte sich noch bis Mitte des Jahres 2022 hinziehen.

Dennoch sind die Aussichten in der Landtechnik besser als in vielen anderen Branchen. "Die Landtechnik ist zwar momentan eingebremst, aber auf gutem Kurs", sagt Götz vom VDMA e. V.

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