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Traktoren

Manipulationsverdacht bei Traktorenzulassungen

von , am
01.02.2012

Wurde bei der Zulassungsstatistik für Traktoren geschummelt? Die Zahlen geben Anlass zur Vermutung, dass der ein oder andere Hersteller massiv eingegriffen hat, um sich eine bessere Position zu verschaffen.

Ackerbau sei auch ohne Direktzahlungen wettbewerbsfähig, so das Urteil des Thünen Institut. © Claas
Die veröffentlichten Zahlen für Dezember und damit das Jahr 2011 geben den Anlass zu vermuten, dass der ein oder andere Hersteller wieder einmal ziemlich massiv eingegriffen hat, um sich eine bessere Position zu verschaffen. Wenn an die erreichten Marktanteile nicht traditionell Bonusleistungen geknüpft wären, könnten diese Manipulationen im Grunde ein Sturm im Wasserglas sein - so werden jedoch viele Mitarbeiter im Handel und bei den Herstellern um den verdienten Lohn ihrer Arbeit betrogen.

Jahres-Endrallye: Kein neues Phänomen

Das Phänomen der Jahres-Endrallye bei den Traktorzulassungen war schon des öfteren Thema in der AGRARTECHNIK, letztmals im Editorial der März-Ausgabe in 2010. Seinerzeit mokierte sich die Branche darüber, dass John Deere ein Fünftel seiner Gesamtzulassungen im Dezember realisieren konnte - dies sei doch nicht mit rechten Dingen zugegangen.
 
30 Prozent der Neuzulassungen im Dezember?
 
In diesem Jahr schlagen die Wogen noch viel höher, schließlich weist die Statistik für Claas knapp 30 Prozent der im gesamten Jahr 2011 offiziell in den Zulassungsstellen registrierten Traktoren alleine im Dezember aus. Damit erklomm Claas in diesem Monat mit großem Abstand zum zweitplatzierten Fabrikat John Deere das Siegertreppchen mit 19,3 Prozent Marktanteil. Gleichzeitig führte dies dazu, dass Claas sich in der Jahresstatistik noch mit einem Vorsprung von 61 mehr zugelassenen Traktoren an Case IH/Steyr vorbei auf Rang vier bugsieren konnte.
 
Marktanteile haben weitreichende Auswirkungen
 
Der nicht ganz so in der Materie steckende Leser wird sich jetzt vielleicht denken, was soll ́s. Wie überall im Leben, wo gemessen, gewogen, gezählt oder sonst wie verglichen und abschließend rangiert wird, werde versucht sich eine bessere Position zu verschaffen - dies bringe nun einmal der Wettbewerbscharakter so mit sich. Dem könnte man sich anschließen, wenn, ja wenn ein Parameter wie der erzielte Marktanteil nicht derartige Auswirkungen hätte. Schließlich werden nicht nur die bundesweiten Marktanteile, sondern auch die vor Ort in der Region realisierten, als Basis für eine ganze Reihe Regelungen herangezogen.
 
Dies fängt bei den Boni der Vertriebspartner an, die als so genannter Kickback bezahlt werden und beispielsweise bei den großen Genossenschaften in die Millionenhöhe gehen können. Fast überall werden auch die Jahresgratifikationen der Mitarbeiter bei Handel und Hersteller vor allem im Verkauf anhand der vorher definierten Marktanteilsziele ermittelt. Und letztlich nehmen sie sogar oft auf das weitere Innenverhältnis zwischen den Parteien Einfluss - bei nicht wenigen Vertragskündigungen mussten beispielsweise die nicht erreichten Marktanteilsziele schon als Grund herhalten.

Spezialist analysiert Zahlenmaterial

Die seinerzeit im Editorial aufgestellte Forderung, dass sich die Branche ernsthaft damit beschäftigen müsse, die Auswüchse in den Griff zu bekommen, die die Manipulation mittlerweile erreicht habe, ist jedoch im Nirwana verhallt. Deshalb hier ein erneuter Versuch, um die Branche einmal für die Begleitumstände und Manipulationsmöglichkeiten zu sensibilisieren. Die Redaktion hat dafür einen mit der ganzen Materie vertrauten Spezialisten gebeten, das vorliegende Zahlenmaterial ein wenig aufzubereiten.
 
Den ganzen Artikel können Sie in der aktuellen Februarausgabe der Agrartechnik lesen. 
 

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