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Smart Farming

Maschinensteuerung mit Tablets: Das ist alles möglich

Dieser Artikel ist zuerst in der traction erschienen.

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Julia Eder/traction/bes
am
18.04.2016

Tablets sind einfach zu bedienen und vergleichsweise kostengünstig. Sie stellen eine Alternative zu Terminals dar. Welche Möglichkeiten der Maschinensteuerung es bislang gibt, erfahren Sie hier.

Apps für Tablet-PCs zur Maschinensteuerung ist eine neue Variante des Smart Farming. Einige Hersteller haben auf der Agritechnica 2015 bereits marktreife Apps vorgestellt, die die Terminals ersetzen könnten. Das Landtechnikmagazin Traction hat in seiner Ausgabe Januar/Februar 2016 einige Lösungen vorgestellt.

Schwierigkeiten haben die Hersteller in folgenden Punkten:

  • Haptik: Wenn die Kabine holpert, ist die Steuerung über Knöpfe und Taster leichter als über die glatte Oberfläche eines Touchscreens.
  • Sicherheit: Die funktionale Sicherheit ist über die ISO-Norm 25119 definiert und muss vom Hersteller bewiesen werden.
  • Stabilität: Eine stabile WLAN-Verbindung ist wichtig, damit gespeicherte Daten nicht verloren gehen.
  • Landwirtschaftliche Bedingungen: Das Tablet muss staub-, stoß- und wasserfest sein.

CLAAS: Easy on Board

  • Ab Frühjahr 2016 für Tablets mit dem Betriebssystem iOS erhältlich.
  • Neben dem mobilen PC sind für die Verwendung der Claas-App weitere Komponenten nötig: Eine spezielle Halterung mit einem WLAN-Adapter, genannt Claas Wireless Interface (CWI). Kosten circa 1.190 Euro.
  • Das CWI ist das Kernstück der Tablet-basierten Maschinensteuerung und gewährleistet als Schnittstelle zwischen dem Geräte ISOBUS und dem Tablet die Sicherheit.
  • Außen am CWI gibt es einen USB-Steckplatz zum Aufladen des Akkus sowie einen Eingang für das ISOBUS-Kabel.
  • Innen im CWI befindet sich die Elektronik, die die Signale des iPads empfängt und an das ISOBUS-Gerät weitergibt.
  • Das Tablet funktioniert wie das Display eines Universalterminals und bildet das ISOBUS-System des Anbaugeräts ab.
  • Für die Bedienung lassen sich über die App auch die Funktionstasten am Bedienhebel des Traktors belegen.
  • Easy on Board kann die ISOBUS-Daten direkt zu den Managementprogrammen senden.

Kotte: SmartControl Connect

  • Kotte will das bereits vorhandene Dokumentationsprogramm SmartControll mittels einer App für das Tablet mit der Maschinensteuerung verbinden.
  • Auch diese App läuft nur auf dem Betriebssystem iOS, soll eine Schnittstelle zu 365 Farm Net bekommen und funktioniert nur, wenn das Tablet mit einem Adapter - hier einer Dockingstation - verbunden ist.
  • Die Daten des Tablets kommen über WLAN an der Dockingstation an und werden von dort über ein Kabel an den CAN-Bus, das Datenübertragungsnetz im Traktor, übertragen

Hansenhof: farm display

  • Die Ansicht auf dem Tablet ist die gleiche, die auf dem Terminal zu sehen wäre.
  • Die Daten werden vom Tablet über WLAN oder einen CAN-Bus-Adapter zur Maschinenelektronik übertragen.
  • Die App läuft auf den Betriebssystemen Windows, Android, Linux und bald auch iOS.
  • Die Bedienoberfläche der App lässt sich frei konfigurieren, weshalb sie von verschiedenen Herstellern genutzt werden kann. Zunhammer ist beispielsweise einer der Anwender.

WTK Elektronik: fo@PC

  • Der Funktionsumfang ist ähnlich wie beim farm display.
  • Derzeit kann es über eine CD ausschließlich auf Windows-Geräten installiert werden.
  • Die Daten werden ausschließlich kabelgebunden zwischen Tablet und ISOBUS bzw. CAN-Bus ausgetauscht, um die Übertragungssicherheit zu gewährleisten. Bedötigt wird dafür nur ein USB-Anschluss.
  • fo@PC beinhaltet auch eine Feldnavigation und die Funktion Section Control, die mit allen ISOBUS-konformen Maschinen kompatibel sein soll. Damit kann eine Maschine vollständig bedient werden und bei vier weiteren kann man beobachten, welche Prozesse gerade laufen.

Reichhardt: ISO Flex Modul

  • Verfügbar ab Spätherbst 2016.
  • Maschinensteuerung über ein Tablet soll ganz ohne App möglich sein: Die Eigenschaften eines Terminals wurden dafür in zwei Bauteile aufgeteilt: Einen Rechner und einen Bildschirm.
  • Der Rechner mit den eigentlichen Funktionen eines Terminals ist ein kleines Kästchen mit dem Namen ISO Flex Modul, das an den CAN-Bus des Traktors angeschlossen wird. Hier sitzt der Microcontroller, der die sichere Verbindung zum CAN-Bus herstellt und zahlreiche zusätzliche Funktionen erfüllt.
  • Damit die Funktionen sichtbar werden, braucht man das Tablet. Dorthin sendet ISO Flex Modul die Daten drahtlos über die Chip-Übertragungstechnik Near Field Communication.
  • Die Übertragung funktioniert nur, wenn das Modul und das Endgerät sehr nahe zusammenliegen. Außerhalb der Kabine ist eine Steuerung deshalb nicht möglich.
  • Die Daten liegen im Format HTML 5 vor.
  • Als Extra kann die Service-App Servus von Reichhardt ergänzt werden. Damit kann man bei Fragen oder Problemen seinen Bildschirm mit einem Servicemechaniker oder Betriebsleiter teilen.

Trimble: FlexCommand-7

  • Ein selbst entwickeltes Tablet soll die Sicherheit gewährleisten. Die verschiedenen Tablets laufen mit dem Betriebssystem Android. Darauf lassen sich ausgewählte Apps installieren. So kann das Tablet nur für den vorgegebenen Funktionsumfang genutzt werden.
  • Das FlexCommand-7 mit der Grundfunktion eines Universalterminals kostet circa 1.800 Euro.
  • Die Geräte sind staubdicht und gegen Strahlwasser geschützt.
  • Das selbstentwickelte Tablet soll effizient die Maschinensteuerung verbessern.
  • Alle Apps für diese Geräte sind über das Onlineportal APP Central abrufbar.

Väderstad: E-service

  • E-service bietet die Möglichkeit, Maschinen ohne ISOBUS über ein ISOBUS-Terminal zu bedienen.
  • Grundlage ist das Gateway, eine gelbe Antenne auf den Väderstad-Sämaschinen. Sie wandelt die Signale von nicht-ISOBUS-fähigen Maschinen in ISOBUS-Signale um und sendet sie über Wi-Fi in die Traktorkabine.
  • In der Kabine ist ein iPad Air in einer speziellen Halterung, dem E-Keeper. Dieser empfängt die Signale und leitet sie über Bluetooth an das iPad Air weiter.
  • Der E-Keeper hat acht frei programmierbare Funktionstasten und versorgt das Tablet mit Strom.
  • Für die Abdrehprobe kann man den Rechner einfach zur Sämaschine mitnehmen.
  • Das Gateway kann GPS empfangen, wodurch Einzelreihenabschaltung und Vorgewendemanagement möglich ist.

Fazit

Tablets sind einfach zu bedienen, vergleichsweise kostengünstig und können, wenn ohnehin schon auf einem Betrieb vorhanden, ein einfacher Weg zu Smart Farming sein.

Zur Maschinensteuerung funktionieren sie, allein schon wegen der Sicherheit, nur in Verbindung mit einer Schnittstelle (zum Beispiel einem Adapter oder einer Dockingstation). Das kostet extra und hier gehen einige Hersteller wieder eigene Wege.

Dazu kommt, dass die jetzt verfügbaren Apps auf verschiedenen Betriebssystemen (iOS, Windows, Android) laufen. Das widerspricht der Idee, nur ein Tablet für alles zu nutzen. Ansätze einer universell einsetzbaren Steuerung sind heute noch rar.
 

Smart Farming: Tablets im Test

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