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Traktoren

Mehr Power und Intelligenz

von , am
19.01.2010

2009 war für die Traktorenbauer wieder ein Jahr der Superlative. Doch nur mit Leistung alleine gehen heute die wenigsten Hersteller auf Kundenfang.

Der Claas Xerion 4500/5000

Zunehmend ist intelligente Landtechnik gefragt. So bietet Claas mit dem Xerion 4500/5000 zwar einen imposanten Großtraktor mit über 500 PS an. Doch adaptierbare Features wie ein Parallelfahrsystem oder telemetrische Datenaufzeichnung und -auswertung werten den Schlepper auch in anderer Hinsicht auf.

Für eine Überraschung sorgte Deutz-Fahr mit der Übernahme des Vierachs-Antriebs-Konzeptes von DTU. Ob sich diese Bauart durchsetzt, bleibt abzuwarten. Zumindest unter dem Aspekt der Bodenschonung ist die Vierfachüberrollung des Bodens bedenklich. Der zunächst unter der Bezeichnung "Agro XXL" laufende Schlepper soll zur Serienreife weiterentwickelt werden.

Die Frage, wie immer höhere Motorleistungen effizient und bodenschonend auf den Boden übertragen werden können, bewegt viele Hersteller. Schon lange wurde von den Praktikern eine integrierte, werksseitig angebotene Reifendruckregelanlage gefordert. Fendt hat als erster Traktorenhersteller reagiert, und bietet vorerst für die Baureihe 900 Vario eine Lösung an. Die Bedienung erfolgt komfortabel vom Vario-Terminal aus.

Erstmals Traktoren mit ABS

Immer schnellere Traktoren erfordern neue Überlegungen zu Sicherheitskonzepten. Das Thema ABS wurde 2009 von Fendt, Case IH und New Holland aufgegriffen. Fendt wird ein von Bosch entwickeltes druckluftunabhängiges System in die neue Baureihe Vario 800 aufnehmen. Case IH hat eine Studie des Puma CVX mit ABS durch einen Pneumatik-Hydraulik-Wandler entwickelt.

Automatische Steuerung

Als weitere Innovation im Jahr 2009 wurde von John Deere und Pöttinger ein Implement-Steer-System vorgestellt. Dabei werden Funktionen des Traktors, wie Fahrgeschwindigkeit, Zapfwelle, Hydraulik und weitere durch Signale des angebauten Gerätes gesteuert. Aktuell kann das System mit John Deere-Rundballenpressen und Pöttinger Jumbo-Ladewagen genutzt werden. Ebenfalls von John Deere gibt es erstmals einen aktiven Lenkassistenten für die Großtraktoren-Baureihe 8R, der den Geradeauslauf verbessern und ein Aufschaukeln bei Straßenfahrt verhindern soll.

Isobus wiederbelebt

Isobus ist bei den Traktoren 2009/2010 selbstverständlich auch mit "on board". Der internationale Datenbus erlebte 2009 eine fulminante Wiederbelebung, nicht zuletzt durch die Neuordnung der Zuständigkeiten und, bedeutend für den deutschen Markt, die Mittelstandsoffensive des CC-Isobus, dem allerdings ausschließlich Gerätehersteller angehören. Neue Traktoren werden ab dem mittleren Leistungssegment aufwärts zunehmend mit Isobus angeboten - teils serienmäßig, mindestens aber optional. Die Eingliederung von Parallelfahrsystemen und Software zur Dokumentation in Isobus-Bedienmuster macht deutliche Fortschritte.

Kabinen spürbar heller und leiser

In diesem Zusammenhang ist ein deutlicher Sprung beim Bedienkomfort von Traktoren zu verzeichnen. Farbige Touch-Displays erleichtern durch intuitive Bedienung das "Verstehen" komplexer Landmaschinen. Deren Leistungspotenzial wird dadurch besser ausgenutzt. Zusätzlich sind die Kabinen bei vielen Herstellern deutlich aufgewertet worden. Sie sind nun heller, freundlicher, deutlich leiser und bieten mehr Platz. Neue aktive und semi-aktive Federungskonzepte sorgen für einen zusätzlichen gewinn beim Fahrkomfort.

Stufenlos-Technologie weiter auf dem Vormarsch

Die Getriebehersteller ZF und Mali bieten mittlerweile stufenlose Getriebe bis über 500 PS Eingangsleistung an. So kommt das ZF Eccom 4.5 beispielsweise im Claas Xerion 4500/5000 zum Einsatz. Das Eccom 5.0 soll dem russischen ATM Terrion 3600/4000 zu stufenloser Kraftübertragung verhelfen. Dieser Standardtraktor, derzeit übrigens der weltweit größte, ist ein gelungenes Beispiel für eine internationale Technikpartnerschaft. So wurde der Schlepper von deutschen Ingenieuren entwickelt, und hat demnach eine ganze Menge interessanter Features zu bieten: 7,2 Liter Deutz-Motor, Vollrahmenbauweise, große Bereifung, 13,5 Tonnen Hubkraft im Heck (6 Tonnen in der Front), nur 12,5 Tonnen Leergewicht und im Feld bis zu 9,5 Tonnen Nutzlast. Ende 2010 soll die Markteinführung erfolgen.

John Deere führt als erster Hersteller stufenlose Getriebe bei Raupentraktoren ein. Zunächst wird die Baureihe 8 RT mit dem Auto Power-Getriebe ausgerüstet, welches bereits in den 8300er Traktoren verbaut war. Neuland betritt ebenfalls Kirovetz mit dem stufenlosen Knicklenker K 9400. In dem 400 PS-Schlepper soll das WSG 250 der deutsch-schweizerischen Unternehmensgruppe Mali verbaut werden.

Alternativen zum Dieselmotor

Einen anderen Weg geht Belarus mit dem Typ 3023. Dieser 220 kW-Schlepper besitzt einen diesel-elektrischen Antrieb, der eine stufenlose Regulierung der Fahrgeschwindigkeit ermöglicht. Im Stand werden bis zu 170 kW an externe Verbraucher abgeben. Derzeit dürfte der Markt für solche Technologien klein sein, da es noch keine internationalen Standards für Schnittstellen und Sicherheitsvorkehrungen gibt. Ebenso dürften die Biogas-Traktoren der Marke Steyr, die als zweite Generation auf Basis der CVT-Baureihe vorgestellt wurden, zunächst eine kleine Nachfrage bedienen. Der von der Schwestermarke vorgestellte NH2 mit Wasserstoffantrieb blickt sogar 20 Jahre und weiter in die Zukunft.

Spezialtraktoren für Profis

Auch im Segment der Spezialtraktoren wurden 2009 wegweisende Entwicklungen aufgezeigt. Fendt bietet als erster Hersteller mit der Baureihe 200 V/P/F Spezialschlepper mit stufenlosem Getriebe an. Dies bedeutet nicht nur ein Mehr an Komfort, da mühsame Schalt- und Kupplungsvorgänge entfallen. Vor allem profitiert die Sicherheit beim Arbeiten in steilen Hanglagen durch sanftes, ruckfreies Anfahren und die aktive Stillstandsregelung. Ein Abwürgen des Traktors beim Anfahren ist praktisch unmöglich.

{BILD:115228:jpg}Matthias Mumme
Redakteur dlz agrarmagazin

 

 

 

 

 

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