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Traktoren

Neuer Blickwinkel

von , am
29.06.2013

Der dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag prämiert wegweisende Entwicklungsschritte in der Mechanisierungstechnologie mit der Auszeichnung Meilenstein. Dazu zählt auch der Systemschlepper Intrac von Deutz-Fahr.

Wie kein anderer legt Deutz-Fahr Wert auf ein freies Sichtfeld vor dem Traktor. Konsequent umgesetzt wird dies seit der Einführung des Systemschleppers Intrac. Bis heute erlauben die Traktoren von Deutz-Fahr einen Blickwinkel, von dem manche Wettbewerber nur träumen.
 
Betrachtet man die Traktorengeschichte von Deutz genauer, so finden sich erste Lösungen für eine freie Sicht auf die Anbaugeräte schon in den frühen 1950er Jahre. Der von 1952 bis 1958 gebaute, elf PS starke Tragschlepper F1L 612 hatte zwischen Kupplung und Getriebe ein langes Zwischenstück. An diesem ließen sich Zwischenachsgeräte anbauen und so bei der Arbeit perfekt einsehen. Außerdem konnte der Fahrersitz gedreht und der Traktor in Schubfahrt eingesetzt werden, ein perfekter Blickwinkel auf die Arbeitsgeräte. Ein nächster Schritt in Richtung Freisichttraktor stand 1967 an. Der von Eicher gefertigte Geräteträger Unisuper kam mit Deutz-Motor ins Verkaufsprogramm. Allerdings blieben die Absatzzahlen sehr bescheiden.

Das System Intrac

Ein voller Erfolg war hingegen die viel beachtete Vorstellung des Intrac-System 2000 auf der DLG-Ausstellung 1972. Bei diesen Schleppern befand sich der Fahrersitz nicht wie bei Standardtraktoren über der Hinterachse sondern vorne. Der Motor war unter der Kabine eingebaut, so dass der Fahrer keine störende Motorhaube im Blickfeld hatte. Besonders bei der Pflege von Hackfrüchten oder beim Grünfutterbergen mit Frontmähwerk aber auch bei Frontladerarbeiten war dies von entscheidendem Vorteil.
 
Neben einer geringen Stückzahl mit Hinterradantrieb gab es die Intracs vor allem mit Allradgetrieben. Vom Typ 2002 (51 PS) wurden von 1972 bis 1974 insgesamt 1.160 Fahrzeuge gebaut. Dann folgten die Intracs 2003 mit 60 PS (1974 - 1980, 2.179 Stück) und 2004 mit 70 PS (1974 - 1987, 1.614 Stück). Nicht in die Serienproduktion schafften es die Intrac 2005 und 2006 mit 80 beziehungsweise 115 PS (1973 - 1975). Mit hydrostatischem Fahrantrieb, 40 Kilometer pro Stunde, geräumiger Kabine, gleich großen Rädern sowie serienmäßigem Fronthubwerk und -Zapfwelle waren sie gegenüber Standardschleppern einfach zu teuer.
 
Größter Intrac war der von 1988 bis 1990 gefertigte 6.60 mit 150 PS. Er war gleichzeitig der Meistverkaufte unter den großen Typen 6.05, 6.30 und 6.30turbo (zusammen 176 Stück). Auch der Zusammenschluss mit Mercedes- Benz zur Trac-Technik-Entwicklungs-, beziehungsweise -Vertriebsgesellschaft konnte die Verkaufszahlen nicht so weit erhöhen, dass eine Produktion weiterhin wirtschaftlich war.

Garant für gute Sicht

Nach der langen Ära der luftgekühlten Motoren kommen die ersten wassergekühlten Aggregate 1995 in der neuen Baureihe Agrotron zum Einsatz. Deutz-Fahr gehört zu dieser Zeit bereits zum italienischen Same-Konzern. Trotz der für die Wasserkühlung notwendigen Bauteile und des erhöhten Kühlluftbedarfs gelingt es den Ingenieuren, das Freisichtkonzept mit der abfallenden Motorhaube beizubehalten. Außerdem wird die Sitzposition erhöht, was sich ebenfalls günstig auf die Rundumsicht auswirkt. Die neue Agrotron-Baureihe reicht von 70 bis 145 PS und deckt damit den zu dieser Zeit wichtigsten Leistungsbereich ab.
 
Strengere Abgasvorschriften fordern immer mehr zusätzliche Bauteile unter der Motorhaube. Trotzdem weist auch der 2005 vorgestellte Agrotron K die typischen Freisichtvorteile auf. Da der Traktor für niedrige Stalleinfahrten in der Höhe begrenzt ist, liegt auch der Fahrersitz niedriger. Die gute Rundumsicht bleibt dennoch erhalten.
 
Dass große Traktoren nicht zwangsläufig unübersichtlich sein müssen, beweißt die 2012 vorgestellte Serie 7 mit bis zu 263 PS Maximalleistung. Die durchgehende Frontscheibe und große Glasflächen der MaxiVision Kabine sind wiederum ein Garant für gute Sicht. Hinzu kommt die Motorhaube, bei der sich die Entwickler und Designer einen neuen Trick haben einfallen lassen: Während sie außen hoch gezogen ist und damit der Traktor bulliger wirkt, ist sie innen wieder etwas abgesenkt, um den Blick auf den Frontanbauraum früher freizugeben. Denn oftmals können schon wenige Zentimeter zu einem neuen Blickwinkel führen.
 
 
 

Video zum Meilenstein

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