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Precision Farming

Praktiker-Tagebuch zu Farming 4.0: Digital ackern

Oliver Martin Landwirt
Thomas Göggerle, dlz agrarmagazin
am
27.02.2018

Oliver Martin bewirtschaftet seinen Betrieb mehr und mehr digital. Lesen Sie hier von seinen Erfahrungen mit digitalen Boden­karten und wie er die Daten nutzt.

Landwirt Oliver Martin berichtete im dlz agrarmagazin regelmäßig von seinen Erfahrungen mit "Farming 4.0" auf seinem Betrieb. Hier seine Erfahrungen im Tagebuch Teil 1:

"Warum ich mich mit Precision Farming beschäftige? Die schlechten Marktpreise, der gesellschaftliche Druck und die Auflagen zu Pflanzenschutzmitteln und Düngemengen verlangen von mir als Anwender ein hohes Maß an Genauigkeit und Überwachung. Ich merke, wie sich die Fenster für die anstehenden Maßnahmen verengen. Als Betriebsleiter auf dem Neuwiesenhof bin ich durch diese Randbedingungen immer mehr gezwungen, Betriebsmittel und Maschinen so effizient wie möglich einzusetzen. Um diesen Ansprüchen heute und in Zukunft besser gerecht zu werden, haben wir uns das Ziel gesetzt, diese Punkte mit Precision Farming in Angriff zu nehmen.

Der gesamte Betrieb in der Schlagkartei

Bodenkarte

Der zentrale Dreh- und Angelpunkt auf unserem Betrieb ist die Schlagkartei. Hier werden alle Betriebsmittel, Ernteprodukte, Karten, Maschinen und die Pacht verwaltet. Sobald Pflanzenschutz- oder Düngemittel auf den Hof kommen, buche ich sie in den Lagerbestand. So habe ich den Überblick, was auf dem Betrieb an Mitteln zur Verfügung steht. Zusätzlich erleichtert die Schlagkartei die Auswahl der Pflanzenschutzmittel und hilft, Fehler zu vermeiden. Beispielsweise kann ich kein Maisherbizid auf eine Behandlung für Winterweizen buchen.

Ebenso er­möglicht die genaue Datenerfassung, dass ich für Ersatzbeschaffungen eine genaue Maschinenauslastung berechnen kann. Nach der Ernte und der Vermarktung kann ich schlagspezifisch alle Vollkosten berechnen. Auf diese Daten zugreifen kann ich entweder vom Hof-PC aus oder in „abgespeckter“ Variante auf ­meinem Smartphone. Mit einer App buche ich vor Ort noch kleinere Maßnahmen wie Bonituren nach.

Precision Farming: Verdichtungen im Boden aufspüren

Bodenbeprobungsgerät von Fritzmeier

Als „Bohrertrag“ liegen uns bei der genannten Einstichzahl rund 300 bis 400 g Boden vor. Wir proben mit unserem betriebseigenen Bodenprobenbohrer der Firma Fritzmeier. Er hat den Vorteil, dass er nicht nur die Bodenprobe als solche zieht, sondern auch den Penetrationswiderstand und die tatsächlich erreichte Tiefe dokumentiert. Dies ermöglicht es uns, Zusammenhänge zwischen Verdichtungszonen und Ertrag zu erkennen und anschließend eine georeferenzierte Tiefenlockerung im Lauf der Fruchtfolge einzuplanen.

Zusätzlich ermöglicht uns dieser Bohrer, die Proben automatisch in verschiedene Auffangschalen zu trennen (zum Beispiel 30 cm, 60 cm, 90 cm). Dadurch müssen wir nicht ständig vom Schlepper absteigen und sind so auch schlagkräftiger. Mit den gewonnenen zentimetergenauen Daten kann ich später Versorgungskarten des Schlags erstellen. Außerdem kann ich durch eigens dafür erstellte Applikationskarten gezielt auf ­verschieden stark ausgeprägte Missstände im Schlag mit der Pflanzenschutzspritze (Blattspritzung) oder dem Düngerstreuer eingehen."

Oliver Martin berät Landwirte außerdem mit seiner Firma Farmblick beim Einstieg in Precision-Farming.

XXL-Traktoren: 500 PS und mehr

Case IH: Quadtrac 620
John Deere: 9620 R
Fendt: 1050 Vario
Claas: Xerion 5000
Challenger: MT 875E
New Holland: T9.565
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