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Verkehr

Rücksicht im Straßenverkehr: 4 Streitpunkte, die sich vermeiden lassen

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Julia Eder, agrarheute
am
27.07.2016

Gerade in der Erntezeit sind viele große Landmaschinen auf den Straßen unterwegs, was zu Streit, Inakzeptanz und Unfällen führen kann. Vieles lässt sich vermeiden.

Zu unserem Artikel "Sicher auf der Straße: Diese Regeln sind bei der Ernte zu beachten" haben wir Post bekommen. Darin berichtet uns ein Leser:

"Ein Erntefahrzeug (Traktor mit beladenem Hänger) muss in seiner überschaubaren Wegstrecke angehalten werden können. Wenn ich derzeit beobachte wie teils rücksichtslos mit derartigen Gespannen gefahren wird, auch in unmittelbarer Häusernähe wo Kinder und ältere Menschen wohnen, bin ich jedoch entsetzt und bin überzeugt, dass diese Grundregel im Straßenverkehr sträflich und bewusst vernachlässigt wird!" Besonders jüngere, unerfahrene Fahrer seien sich der Gefahren häufig nicht bewusst: "Aus meiner Sicht ist es dringend erforderlich, dass Jugendliche (ab 16 Jahren), die derartige Gespanne bewegen, viel intensiver geschult und weitergebildet werden müssen, da sie die Gefahren und Risiken in keiner Weise vernünftig einschätzen können."

Unfälle zu vermeiden ist ein Anliegen aller Beteiligten: von Landwirten, Lohnunternehmern und Agrarhelfern, allen Verkehrsteilnehmer, Anwohnern und Nachbarn, sowie von der Polizei. Unabhängig voneinander haben verschiedene Stellen zusammengefasst, worauf es zu achten gilt, um Konflikte zu vermeiden.

1. Langsam im Ort

So empfiehlt der Bundesverband Lohnunternehmen (BLU): Runter vom Gas. In der Kampagne "10 Punkte für Image und Akzeptanz" heißt es: "Innerhalb von Ortschaften oder an engen Stellen wird ein hohes Tempo mit Schleppern und Anhängern als besonders belastend empfunden. Eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 km/h ist in solchen Situationen die wichtigste Maßnahme zur Verbesserung der Akzeptanz. Unfallgefahren und laute Fahrgeräusche werden vermieden, Häckselgut weht nicht vom Anhänger, Bürger und Anlieger können sich besser auf die Bedingungen mit schweren Zugmaschinen einstellen."

2. Sicher außerorts

Andererseits wollen Lohnunternehmer auf offenen Strecken nicht den Verkehr behindern: Hier wird die Geschwindigkeit von vielen Autofahrern doch wieder gern gesehen. Die Polizei Wetterau-Friedberg mahnt zur Geduld: "Trotz durchgezogener Linie, im Überholverbot, im Kurvenbereich oder ganz knapp vor dem Gegenverkehr zu überholen ist aber nicht nur verboten, sondern vor allem sehr gefährlich. Ist es die kurze Zeitersparnis wirklich wert? Vielleicht biegt der Fahrer ja gleich auf den nächsten Acker ab oder hält kurz an, um die Schlange hinter sich passieren zu lassen." Solche Unfälle lassen sich dadurch vermeiden.

3. Sauber bleiben

Wenig Verständnis haben Anwohner auch für verdreckte Straßen. Sie sind nicht nur ärgerlich, sondern auch ein Unfallrisiko. Wenn die Ernte bei schwierigen Wetterbedingungen geborgen werden muss, bleiben Straßenverschmutzungen nicht aus. Hier empfiehlt der BLU: Die Fahrer sollten dafür sorgen, "dass Gefahrenzonen gekennzeichnet und die Straßen umgehend gereinigt werden. Aufgetürmtes Erntegut auf den Fahrzeugen wird vermieden oder mit geeigneten Abdeck-Systemen gesichert. Eine Verschmutzung an den Fahrzeugen oder anhaftendes Häckselgut werden vor der Fahrt entfernt."

Auch die Friedender Polizei warnt hier: "Auf der Straße verlorene Schüttgüter wie Getreide stellen vor allem für Zweiradfahrer eine unvorhersehbare Gefahr da. Und auch wenn es schnell gehen muss und der Weg nicht weit ist - im Straßenverkehr ist die Ladung gegen Verrutschen und Herabfallen zu sichern. Das gilt auch für Heu- und Strohballen, die mit ihrem Gewicht eine erhebliche Gefahr darstellen, wenn sie sich selbständig machen. Punkte in Flensburg, mögliche Strafanzeigen und Geldstrafen stehen zudem im Raum, wenn Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert ist."

4. Auf Nacht- und Sonntagsarbeiten möglichst verzichten

Der richtige Trocknungsgrad der Feldfrüchte und die Masse an Feldern die abgeerntet werden muss, ist entscheidend dafür, zu welcher Tageszeit die landwirtschaftlichen Maschinen im Einsatz sind. Die Landwirte und Lohnunternehmer sollten dabei Rücksicht auf mögliche Anwohner nehmen. Anwohner sollten wissen: Sonntags- und Nachtarbeit ist in vielen Fällen erlaubt.

Dennoch rät der BLU, wenn möglich auf die Arbeiten in der Nacht und an Sonntagen zu verzichten oder die Aufgaben so zu planen, dass in diesen Stunden möglichst weit entfernt von Ortschaften gearbeitet wird. "Relativ ‚unkritische‘ Arbeiten wie Zuckerrüben fahren, Gülle ausbringen, Mais ernten, Dünger streuen oder vergleichbare Arbeiten werden nur noch in dringenden Fällen an Sonn-und Feiertagen erledigt."

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