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Traktoren

Terminals in der Traktorkabine: Klicken, touchen, steuern

von , am
22.01.2015

Das Terminal auf dem Traktor ist heute so außergewöhnlich wie das Smartphone in der Hosentasche. Die Hersteller fahren dabei mit unterschiedlichen Lösungen auf.

Maschinensteuerung, ISOBUS, automatische Lenkung, Dokumentation: Terminals sind von den modernen Traktoren (hier Claas) nicht mehr wegzudenken. © hek
Die Kommunikation zwischen Traktor und Anbaumaschine läuft heute über elektrische Signale und den mobilen Austausch der Daten. Weltweit haben sich die Landtechnik-Hersteller auf ISOBUS als "Sprache und Übertragungstechnik" für die Kommunikation zwischen Geräten und Traktoren sowie PCs geeinigt. Basis ist die internationale Norm ISO 11783. Der gemeinsame Standard hat dabei die Steuerung landwirtschaftlicher Maschinen in den letzten Jahren auf eine neue Stufe gehoben:

  • standardisiert die Kommunikation
  • stellt Kompatibilität her
  • ermöglicht die herstellerunabhängige Bedienung der Geräte und Maschinen
Über Terminals greift der Maschinenführer heute in Echtzeit die Daten auf dem Schlepper ab. Parallelspurführung, Applikation von Düngern und Pflanzenschutzmitteln oder die Leistungsdaten des Traktors - alles auf einen Klick. Dabei wird getoucht und geklickt was das Zeug hält. Fendt setzt dabei auf heute bewußt auf "Ein-Terminal-Lösungen", ansonsten ist aber oft auch noch eine zweite Anzeige auf den Schleppern zu finden. Die Besucher des ErlebnisBauernhof auf der Grünen Woche können sich die Bildschirme an den Traktoren genauer ansehen.

Nachrüstlösungen mit Software aktualisieren

Der FM 1000 von Trimble für Case IH Traktoren. © hek
"Der Trend geht heute zum Zweitterminal", zeigt sich Christian Witkowski von Müller Elektronik überzeugt. "Das erste zeigt beispielsweise die Maschinenbelegung, das zweite regelt Applikation oder Parallelspurführung." Das Unternehmen aus Salzkotten ist seit über 30 Jahren in der Agrarelektronik tätig. Die Terminals steuern heute beispielsweise Horsch Leeb Spritzen oder Rauch Düngerstreuer. Die Produktpalette reicht dabei vom Basic-Terminal mit 5,7 Zoll-Display bis hin zum Touch1200. Neben der Maschinensteuerung (ISOBUS-UT App) und der ISOBUS-Auftragsbearbeitung (ISOBUS-TC App) ist das Touch1200 laut Hersteller standardmäßig mit einem GSM-Modem ausgestattet, so dass alle Terminal- und Maschinendaten direkt zum farmpilot-Portal geschickt werden können. "Der Landwirt kann heute je nach seinen Anforderungen Software auf sein Terminal freischalten lassen", sagt Witkowiski.
Ähnlich zu Müller-Elektronik bietet CCI eine Freischaltung der firmeneigenen Software-Applikationen an. Mit Hilfe der CCI.Apps kann der Anwender zum Beispiel Software für die Wahl der richtigen Feldspur, dem Ausschalten von Teilbreiten (CCI.Command) oder einem Navigationssystem für große Betriebe (CCI.FielNav) herunterladen. An die zertifizierten ISOBUS-Terminals CCI 100/200 kann per ISOBUS-Steuerung ein zweites Bedienterminal oder eine Zusatzbedieneinheit wie ein Joystick angeschlossen werden. Neben einem USB-Anschluss bietet das CCI 200 auch Datenaustausch via Bluetooth und WLAN. Mit dem optional verfügbaren GSM-Modem ist die Mobilfunkanbindung einfach aufgebaut.

Industriestandards müssen erfüllt werden

Für CNH ist Trimble der Ausrüster ab Werk bei den Nachrüstterminals. "Für Sämaschine, Düngerstreuer und vor allem die Pflanzenspritze nehmen die Landwirte oft ein Zweitterminal", sagt Maximilian Birle von CNH Industrial Deutschland. Für die Trimble-Terminals gibt es auch Freischaltungen für weitere Funktionen. Die eigenen Terminals wie FM 750 und FM 1000 werden in Deutschland von rund 65 Prozent der Käufer bei den Case-Traktorenreihen Puma, Maxxum, Magnum, Quadtrac ab Werk nachgefragt.
 
Das neue Terminal XCN 2015 wirkt auf den ersten Blick wie ein Tablet, ist aber nicht für das Bücherlesen und Internet surfen gedacht. Auch unterscheidet es sich in Verarbeitung und Norm vom einfachen Tablet. Das Android-basierte System hat unter anderem einen speziellen Anschluss für das Netzwerkkabel. "Tablets werden wenn dann für die Dokumentation eingesetzt. Für andere Anwendungen erfüllen sie die sicherheitsrelevanten Anforderungen noch nicht", erklärt Birle. Die Terminals müssen Industriestandards erfüllen und robust gegen Staub, Nässe oder Erschütterungen sein - Standards, die normale Tablets im Moment nicht erfüllen.

"Ein-Terminal-Strategie" von Fendt

Fendt setzt auf eine "Ein-Terminal-Lösung". © hek
Fendt setzt mittlerweile auf die "Ein-Terminal-Strategie" auf seinen Schleppern. Ab der 500er Reihe sind die Varioterminals standardmäßig dabei. Ab der neuen 300er Vario-Profi-Reihe ist das Fendt Varioterminal nun auch bei den Traktoren der Klasse bis 140 PS enthalten. Neben der 7 Zoll-Variante (Bildschirmdiagonale von 17,7 cm) gibt es noch das Varioterminal 10,4 Zoll (Bildschirmdiagonale 26,3 cm):
  • bis zu vier Anwendungen auf einem Bildschirm
  • bis zu zwölf Funktionen gleichzeitig bedient werden
  • Variotronic Gerätesteuerung: ISOBUS-Geräte lassen sich im Vollbild-Modus darstellen und per Touch steuern.
  • Geräte- und Schleppereinstellung: in der Halbbildansicht werden zwei Anwendungen nebeneinander bzw. übereinander dargestellt und sind parallel bedienbar.
  • Kameraansicht: Das große Varioterminal 10.4“ bietet bis zu zwei Kamera-Anschlüsse.
Das CommandCenter von John Deere ist mittlerweile in der vierten Version angekommen. Auch bei John Deere gibt es ein 7-Zoll- (CommandCenter 4100) oder ein 10-Zoll-Touchscreen-Display (CommandCenter 4600). AMS-Anwendungen wie das automatische Lenksystem AutoTrac lassen sich direkt über das neue CommandCenter steuern.
Maschinensteuerung, ISOBUS, automatische Lenkung, Dokumentation, Kamera - Terminals sind heute in den Maschinenräumen der Landwirtschaft unabdingbar. Die Lösungen sind dabei von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Durch ISOBUS sprechen sie aber eine gemeinsame Sprache - egal ob allein oder im Duett.  
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