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Traktoren

Traktor-Vergleichstest: Hydraulik und Kraftheber (Teil 4)

© Cord Leymann
von , am
29.10.2014

Sechs Traktor-Modelle (Deutz, Fendt und Co. in der Klasse 110 PS) haben wir einem Vergleichstest unterzogen. Die Ergebnisse liefern wir Ihnen in einer Serie. Heute Teil 4: Hydraulik und Kraftheber.

Unterschiede im Hydraulikbereich

Die anfallenden Betriebskosten sinken, je geringer der Ölvorrat eines Traktors und je seltener das Öl gewechselt werden muss. Nach den im oberen Teil der Tabelle 1 aufgelisteten technischen Daten der Hersteller weist der Deutz-Fahr einen Ölvorrat von 52 Liter auf, der alle 1.000 Stunden gewechselt werden muss. Dieser Traktor verfügt, wie drei weitere Testkandidaten, über einen gemeinsamen Ölvorrat für Hydraulik und Getriebe.
 
 
Beim Fendt und beim Steyr sind Getriebe und Hydraulik mit getrennten Ölhaushalten ausgestattet.
  • Tipp: Ein getrennter Ölhaushalt ist zwar technisch aufwendiger. Es kann aber nicht zu Ölvermischungen beim Getriebeöl kommen, wenn z.B. beim Einsatz vor einem fremden Kipper unbekanntes Öl in den Hydraulik- und damit auch in den Getriebebereich gelangt. Vermutlich auch wegen der getrennten Ölhaushalte ist die entnehmbare Hydraulikölmenge beim Fendt und beim Steyr besonders groß.

Mehr Hubkraft geht nicht

Als völlig ausreichend kann die von den Herstellern angegebene maximale Hubkraft des Heckkrafthebers angesehen werden. Mit Werten zwischen 5.000 daN und 7.680 daN (1 daN = 1 kg) heben alle Traktoren so viel, dass sie vorne hochgehen und die maximale Hinterachsbelastung weit überschritten wird. Mehr Hubkraft lässt sich somit gar nicht nutzen. Weil dem so ist, haben wir auf eigene Messungen zur Hydraulikhubkraft verzichtet.

Hydraulik-Bedienelemente sehr unterschiedlich

Bei den in der Kabine angeordneten Hebeln, Schaltern und Knöpfen zur Bedienung der Hydraulik entsprachen die Ausführungen beim Kubota nicht ganz dem hohen Niveau der anderen Traktoren. Dieser Traktor verfügt serienmäßig auch nicht über einen Kreuzschalthebel zur Bedienung der Zusatzsteuergeräte. Sobald der Traktor aber mit einem Frontlader ausgerüstet wird, erfolgt automatisch die Ausstattung mit diesem Hebel.
 
Sehr gut gefielen uns bei Kubota und Fendt die Kennzeichnungen der Steckerkupplungen. Wer Hydrauliköl einfüllen oder kontrollieren will, hat es beim Deutz Fahr etwas schwerer. Das war beim Fendt und beim Steyr deutlich besser gelöst. Im praktischen Einsatz stören allerdings schlechtere Lösungen bei der Seitenstabilisierung der Unterlenker und bei der Oberlenkerhalterung mehr. Eine Unterlenkerstabilisierung mit einfachen Teleskopstangen wurde von uns unterdurchschnittlich bewertet. Auf Wunsch ist aber bei den meisten Traktor-Herstellern die bessere Walterscheid-Klapplösung lieferbar.

Ölfördermenge variiert deutlich

Zu den im unteren Teil der Tabelle 1 aufgeführten Messergebnissen zum Hydraulikbereich gab es beim maximalen Öldruck unserer Testkandidaten kaum Unterschiede. Das war bei der Ölfördermenge schon ganz anders.
  • Tipp: Mit einer für diese PS-Klasse hohen Ölfördermenge von über 100 l/min fiel der Steyr auf. Sobald man diesen Traktor mit elektronischen Steuergeräten bestellt, erhält man diese Pumpe automatisch. Ansonsten kommt eine Pumpe zum Einsatz, die 60 l/min leistet.
  • Tipp: Eine weitere Besonderheit bei den Pumpen gab es beim Deutz-Fahr: Die maximale Ölfördermenge wird hier bereits bei nur 1.600 Motorumdrehungen erreicht.
Über den größten Hubbereich der Unterlenker des Heckkrafthebers verfügten der Kubota und der Steyr. Die gemessenen Werte um die 70 cm sind nach unserer Auffassung ausreichend, um z.B. mit einem Volldrehpflug einerseits tief pflügen und ihn andererseits am Feldrand für die problemlose Drehung hoch ausheben zu können.

Anbau von Geräten mit Schwierigkeiten

Die unterschiedlichen Abstände zwischen dem Zapfwellenstummel und den Fanghaken der Unterlenker können beim Anbau von Geräten zum Ärgernis werden. Das ist der Fall, wenn beispielsweise der Deutz Fahr und der Steyr vor der gleichen Anbaufeldspritze oder dem gleichen Anbaudüngerstreuer eingesetzt werden sollen. Man müsste dann entweder für den Steyr die Zapfwelle verlängern oder für den Deutz Fahr eine kürzere Zapfwelle verwenden. Mehr Einheitlichkeit wäre hier wünschenswert.

 

Beim Anbau von Spritze oder Düngerstreuer geht es mitunter eng zu, weil die Geräte sehr dicht am Traktor angebaut werden. Das ist vorteilhaft, um den Gewichtsschwerpunkt des Gerätes möglichst dicht an die Hinterachse des Traktors zu verlagern. Der Geräteanbau wird dadurch aber schwieriger. Ein Maß dafür, wie eng es bei den verschiedenen Traktoren zugeht, ist der Längsabstand zwischen den Reifen und den Fanghaken der Unterlenker. Hier war beispielsweise beim Fendt und beim Steyr doch etwas weniger Platz als beim New Holland.

Alle Teile des Traktorentests in der Übersicht

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