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Traktoren

Traktor-Vergleichstest: Motor-Check (Teil 2)

© Cord Leymann
von , am
24.10.2014

Modelle von Deutz, Fendt und Co. sind die Kandidaten unseres Traktor-Vergleichstests (Klasse 110 PS), dessen Ergebnisse wir in einer Serie präsentieren. Heute Teil 2: Motor-Check.

Die Motorleistung wurde teils im praktischen Einsatz und teils an der Motorbremse gemessen. © Hans-Heinrich Kowalewsky

Technische Daten der Traktoren

Die Nennleistungen aller getesteten Traktoren lagen eng beieinander, von 110 PS (New Holland T 6.140) bis 116 PS (Kubota M 110 GX).
 
Bei der maximalen Leistung wies der New Holland mit 121 PS den höchsten und der Steyr mit 114 PS den niedrigsten Wert auf. Die Überleistung (Differenz zwischen Nennleistung und maximaler Leistung) betrug beim New Holland 11 PS, während der Steyr keine Überleistung aufwies.
 
Schwierig werden die Leistungsvergleiche, weil der New Holland auch noch über eine sogenannte Boostleistung verfügte. Dieser Traktor kann zusätzlich bei bestimmten Zapfwellenarbeiten oder bei Fahrgeschwindigkeiten von über 6 km/h noch einmal 22 PS mobilisieren. Das gab es so bei den anderen Traktoren nicht.
 
Der Tankinhalt unserer Test-Traktoren reichte von 150 Liter beim Steyr bis 210 Liter beim Fendt. Das ist zwar ein beachtlicher Unterschied, im Normalfall dürften aber auch die 150 Liter des Steyr für einen Arbeitstag ausreichen, zumal dieser Traktor, wie später noch gezeigt wird, beim Dieselverbrauch besonders gut abschneidet. Wer länger ohne Nachtanken arbeiten will, kann bei fast allen Herstellern einen Zusatztank nachrüsten.
 
Die bei einem Motorölwechsel nachzufüllende Ölmenge und der Zeitraum, in dem ein solcher Wechsel durchgeführt werden sollte, beeinflussen die für den Ölwechsel entstehenden Kosten. Von unseren Testkandidaten schnitt der Steyr in diesem Punkt am besten ab.

Traktorbedienung im Motorbereich

Wie gut bei diesem Traktor-Test die für den Motorenbereich erzielten Beurteilungen ausfielen, zeigt der untere Teil der Tabelle 1. Das Öffnen der Motorhaube fanden wir beim New Holland am besten gelöst, da sich die einteilige Motorhaube fast bis in die Senkrechte aufstellen ließ. Fast so gut funktionierte das auch beim Fendt.
 
Bei letzterem und beim Kubota ließ sich auch der Luftfilter gut reinigen. Der Kubota war es dann auch, der die Bestnote für die Kühlerreinigung erhielt. Dafür haperte es bei diesem Schlepper allerdings, was das Nachtropfen beim Ölfilterwechsel und die Ablesbarkeit des Ölpeilstabes anbetrifft.
 
Betanken ließen sich alle Schlepper gut. Besonders gut haben uns hier aber die baugleichen Lösungen von Deutz Fahr und Same gefallen. Die Tanköffnung war nicht nur gut erreichbar angeordnet und groß genug, sondern auch mit einem abschließbaren Tankdeckel ausgestattet. Optimal wäre gewesen, wenn zum Abschließen des Tanks der Schlüssel für die Fahrertür geeignet gewesen wäre. Leider war ein zusätzlicher Schlüssel erforderlich.
 
Beim Handgas und beim Fußgas wurden überwiegend gute bis sehr gute Noten vergeben. Lediglich beim New Holland störte die Anordnung des Fußgashebels ein wenig. Nach Ansicht unserer Tester war ein ermüdungsfreies Arbeiten bei der schrägen Anordnung des hängenden Pedals nicht gewährleistet. Die Ausführungen von Deutz Fahr, Fendt und Same gefielen da besser. Das Pedal des New-Holland soll inzwischen aber geändert sein.

Motorleistung geprüft

Im Zeitalter der elektronischen Motorsteuerung lässt sich die Leistung eines Traktormotors ohne viel Aufwand in einem beachtlichen Bereich variieren. Wir haben deshalb die beteiligten Hersteller aufgefordert, ihre Test-Traktoren so einzustellen, wie sie an die Praxis ausgeliefert werden. Ob das tatsächlich geschehen ist, haben wir dann durch Messung der maximalen Motorleistung an der Zapfwelle getestet (s. Tab. 2). 
Bei allen Traktoren war die so gemessene Leistung geringer, als die vom Hersteller angegebene maximale Motorleistung. Das muss auch so sein, denn die Herstellerangaben beziehen sich auf einen ausgebauten Motor. Durch Lüfter und andere "Nebenaggregate" sowie durch Verluste im Zapfwellenstrang entstehen Leistungsverluste. Diese machen den Unterschied zwischen maximaler Motorleistung und maximaler Zapfwellenleistung aus.
  • Wichtig: Käufer eines Schleppers sollten kleinere Unterschiede in der angegebenen Motorleistung nicht überbewerten. Für einen praxisnahen Vergleich ist die maximale Zapfwellenleistung viel besser geeignet. Die geben Hersteller in der Regel aber nicht an, sie muss erst erfragt werden. 
Die maximale Zapfwellenleistung hat den Vorteil, dass sie in jeder besseren Landmaschinenwerkstatt kontrolliert werden kann. Unsere Test-Traktoren haben an der Zapfwelle maximal zwischen 97 PS und 117 PS geleistet. Dabei fiel der New Holland etwas aus dem Rahmen. Im Prinzip war dieser Traktor  "eine Nummer größer" als die Konkurrenten. Das ist bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen.
 
Im praktischen Einsatz interessiert aber nicht nur, wie viel Leistung bei Nenndrehzahl oder maximal abgegeben wird, sondern auch, welche Leistung bei niedrigerer Motordrehzahl verfügbar ist. Dazu haben wir Messungen durchgeführt, bei der die Motordrehzahl soweit reduziert wurde, bis mit der 1.000er Zapfwelle 800 bzw. 650 Zapfwellenumdrehungen erreicht waren. Dadurch sank die Motorleistung beim Deutz Fahr von 103 PS auf 69 PS. Beim Fendt und beim Kubota war dieser Leistungsabfall geringer, während beim New Holland, beim Same und beim Steyr ein stärkerer Leistungsrückgang bei sinkender Zapfwellen- bzw. Motordrehzahl festgestellt wurde.
 
Die Motorleistung eines Traktors kann aber nicht nur über die Zapfwelle, sondern auch über das Fahrwerk umgesetzt werden. Deshalb wurde bei diesem Test auch die maximale Zugleistung gemessen. Die höchsten Werte ergaben sich erwartungsgemäß beim New Holland.
  • Wichtig: Die maximale Zugleistung lag im Mittel 13 % unter der maximalen Zapfwellenleistung. Auf dem Weg über das Getriebe zu den Reifen geht doch mehr Motorleistung "verloren" als über den Zapfwellenstrang.
 
Erwartet wurde, dass bei den drei Traktoren mit stufenlosem Getriebe (Deutz Fahr, Fendt und New Holland) die Verluste durch das Getriebe größer sind als bei den drei Traktoren mit Schaltgetriebe. Diese Vermutung hat sich nicht bestätigt. In beiden Gruppen lag der Abstand zwischen maximaler Zapfwellen- und maximaler Zugleistung im Mittel bei 13 %.
  • Wichtig: Unterschiedliche Zugleistungen und Getriebeabstufungen haben deutliche Auswirkungen in der Praxis. Wir haben abgestoppt, wie lange es dauert, bis die Traktoren mit zwei voll beladenen Anhängern aus dem Stand bei voller Beschleunigung eine Strecke von 100 m zurückgelegen. Dabei zeigte sich, dass im Mittel die drei Traktoren mit stufenlosem Getriebe die 100 m-Marke etwa drei Sekunden schneller erreichten als die drei mit Schaltgetriebe. Drei Sekunden klingt wenig, bedeutet aber, dass beim Beschleunigen auf einer Strecke von nur 100 m der schnellere gegenüber dem langsameren Traktor einen Vorsprung von etwa 20 m herausfährt.

Dieselverbrauch überprüft

Der Dieselverbrauch eines Schleppers beeinflusst die Kosten des Traktoreinsatzes erheblich, besonders bei zunehmender Zahl an Betriebsstunden.

  • Wichtig: Beim Traktor-Kauf sollten Sie den Dieselverbrauch besonders beachten. Bei 800 Betriebsstunden erhöht ein Mehrverbrauch von nur einem Liter pro Stunde die Dieselkosten eines Jahres um etwa 1.000 ?.

Der Dieselverbrauch bei schweren Zapfwellenarbeiten im Stand schwankte bei den von uns getesteten Traktoren zwischen 21  und 27 Litern pro Stunde. Dieser Unterschied war unerwartet groß. Aber auch bei den leichteren Zapfwellenarbeiten mit der 540er und der Sparzapfwelle gab es beachtliche Unterschiede im Dieselverbrauch. Zu den Verbräuchen ist anzumerken, dass der Kubota nicht über eine Sparzapfwelle verfügte und bei Fendt und New Holland zusätzlich der in Klammern dargestellte AdBlue-Verbrauch zu berücksichtigen ist. AdBlue kostet allerdings pro Liter weniger als die Hälfte des Dieselpreises.

 

Den Dieselverbrauch bei Transporten haben wir auf einem 16 km langen Rundkurs ermittelt und dann auf 100 km umgerechnet. Diesen Rundkurs hatten die Traktoren mit zwei 18 t Anhängern nach einem fest vorgegebenen Rhythmus zu durchfahren. Die niedrigsten Verbräuche erzielten hier der Fendt und der Steyr. Der Kubota und der New Holland bildeten bei diesem Kriterium die Schlusslichter. Bei diesen absoluten Werten wurden die Unterschiede in der maximalen Motorleistung und der unterschiedliche Zeitaufwand für das Durchfahren unseres Rundkurses nicht berücksichtigt. Geschieht dies, ändert dass an der Rangfolge unserer Kandidaten wenig, die Unterschiede im Dieselverbrauch werden aber etwas geringer. Das verdeutlichen die in der untersten Zeile der Tabelle 2 dargestellten Verbrauchswerte.

  • Wichtig: Sie sollten geringfügige Differenzen der Dieselverbrauchswerte nicht überbewerten. Die gemessenen Dieselverbrauchswerte geben nur Hinweise auf die in der Praxis zu erwartenden Verbräuche. Wieviel tatsächlich verbraucht wird, hängt ab von unterschiedlichen Anteilen an schweren und leichteren Arbeiten, an Zapfwellen- und Transportarbeiten sowie von unterschiedlichen Häufigkeiten verschiedener Motordrehzahlen.

 

Alle Teile des Traktorentests in der Übersicht

Fendt zeigt Neuheiten in Wadenbrunn

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