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Traktoren

Traktor-Vergleichstest: Welche Kabine punktet? (Teil 6)

© Cord Leymann
von , am
03.11.2014

Wir haben insgesamt sechs Modelle von Deutz, Fendt und Co. in der Klasse um 110 PS getestet. Im sechsten Teil des Traktor-Vergleichstests geht es um die Frage: Welche Kabine punktet?

Kotflügel, die eine Anhängerverschmutzung wirklich verhindern, und eine eindeutige Kennzeichnung der Steckkupplungen fanden wir beim Fendt. © Hans-Heinrich Kowalewsky

Traktor-Kabine: Komfort möglichst objektiv beurteilt

Die Traktor-Kabine ist der Arbeitsplatz des Traktorfahrers. Hier entscheidet sich im Wesentlichen, wie die Traktoren im Hinblick auf den Komfort zu beurteilen sind. Technische Daten und Messergebnisse ermöglichen jedoch allenfalls indirekte Aussagen zum Komfortempfinden des Fahrers. Deshalb stützen wir uns hier in erster Linie auf die Beurteilungen unserer Testpersonen.
 
Dabei waren wir uns bewusst, dass hier durchaus das subjektive Empfinden des Einzelnen eine Rolle spielt. Wir haben aber versucht, möglichst objektive Ergebnisse zu erzielen, indem wir mehrere Personen und auch Vertreter der Hersteller in die Beurteilung einbezogen haben. Trotzdem sollte man auch hier geringe Unterschiede nicht überbewerten.
 

Traktor-Türen groß genug

Als insgesamt sehr positiv empfanden wir, dass es bei keinem unserer Test-Traktoren schlechte Trittstufen gab. Schmale, hohe, steile und rutschige Ausführungen gehören offensichtlich der Vergangenheit an. Groß genug waren nach unserer Auffassung auch die Türen. Was allerdings von den kleineren Testpersonen beanstandet wurde, war die relativ hohe Anordnung des Türgriffs beim Deutz Fahr und beim Same. Bei diesen beiden Traktoren und beim Kubota ließe sich auch die Anordnung der Haltegriffe im Aufstiegsbereich verbessern.

Beste Lenkradverstellung beim Steyr

Der Weg zum Sitz hat uns beim Kubota aber sehr gut gefallen und auch der Kabinenboden war rutschfest und trotzdem gut zu reinigen. Die beste Lenkradverstellung haben wir beim Steyr gefunden. Das Ver- und das Entriegeln für die Neigungs- und Längsverstellung erfolgt per Fußhebel und das Verstellen selber ist in einem relativ großen Bereich schnell und leichtgängig durchführbar.

Fußbremsen durchweg gut

Überrascht hat uns die Größe der Kabine beim Kubota. Sie ist die größte in dieser PS-Klasse und weist dank schmaler Holme und niedrig angeordneter Kotflügel gute Sichtmöglichkeiten auf. An den Fußbremsen der von uns beurteilten Traktoren hatten wir nichts zu beanstanden, wohl aber an den Lenkbremsen. Einzig der Fendt wies hier einen vom Fahrersitz per Fuß problemlos zu bedienenden Verriegelungsmechanismus auf.
 
Die Diskussion, ob bei der Handbremse eine Ratschenbremse oder eine Parksperre besser ist, hat New Holland optimal gelöst, indem der Traktor mit beiden Ausführungen ausgestattet war. Die Drucktasten für die Parksperre sind dabei auf dem Hebel der Wendeschaltung angeordnet. Interessant auch, dass beim Deutz-Fahr und beim Same die Handbremse hydraulisch immer gleichfest angezogen wird. Das erhöht die Sicherheit.

Klimaautomatik nicht serienmäßig

Bei der Bedienung von Heizung, Lüftung und Klimaanlagen gefielen uns Lösungen besonders gut, wo die Bedienelemente für die jeweiligen Bereiche an einem gut erreichbaren Punkt in der Kabine zusammengefasst und eindeutig gekennzeichnet waren. Hier erhielt der Deutz Fahr eine besonders gute Note.
  • Tipp: Gewundert hat uns, dass all unsere Traktoren zwar serienmäßig mit einer Klimaanlage, aber nicht mit einer Klimaautomatik ausgerüstet waren. Der technische Aufwand dafür wäre vergleichsweise gering, die Einstellung aber deutlich erleichtert. Auf Wunsch ist die Klimaautomatik bei allen Fabrikaten erhältlich.
Weil die Kabinen weiter nach vorn gerückt sind, konnte die Bruchgefahr bei der Heckscheibe deutlich reduziert werden. Kritik an der Heckscheibe gab es beim Kubota aber trotzdem, weil sie nur in einer Stellung arretiert werden konnte. Positiv wurde dagegen im Heckscheibenbereich die Kabeldurchführung des Fendt bewertet. Sie ist mit dem Traktor fest verbunden, kann deshalb nicht verloren gehen und ist immer da, wo man sie braucht. An den Schaltern und Hebeln für das Licht und für den Blinker gab es wenig zu loben oder zu kritisieren. Hervorzuheben sind allerdings die Schaltungsmöglichkeiten sowie die Anordnung und die Kennzeichnung der Bedienelemente für die Arbeitsscheinwerfer beim Deutz Fahr und beim Same.
 
Weniger optimal wurden von uns die zu kleine Sonnenschutzblende des Fendt und der hängend angeordnete Scheibenwischer des New Holland beurteilt. Die Dachluke des New Holland war als Glasdach mit Sonnenschutz ausgeführt, in alle Richtungen leicht zu öffnen und ausreichend groß. Deshalb die gute Benotung. Auf Wunsch kann man ähnlich gute Dachluken aber auch bei den meisten anderen Traktor-Herstellern bekommen.

Kabinenluftfilter verbessern

Nicht so viel Gedanken wie bei der Dachluke hat man sich bei New Holland offenbar über Ablagefächer in der Kabine gemacht. Noch dringenderen Verbesserungsbedarf sehen wir in diesem Punkt allerdings beim Kubota. Verbesserungsbedarf gibt es auch bei den Kabinenluftfiltern. Das gilt für alle getesteten Traktor. Wenn man zum Reinigen oder Wechseln dieses Filters auf die Motorhaube oder auf den Kotflügel klettern muss, ist das sicherlich keine optimale Lösung.
 
Wie man einen Sicherungskasten positioniert und ausgestaltet, kann man am Beispiel des Fendt-Schleppers lernen. Lediglich das Farbkonzept könnte hier noch optimiert werden. Der Beifahrersitz dieses Traktors war dagegen nicht so gut gelungen. Kubota und New Holland boten da komfortablere Sitzgelegenheiten, die sich im umgeklappten Zustand sogar in einen Ablagetisch verwandeln ließen.

Kotflügel vorne insgesamt gut

An den vorderen Kotflügeln gefiel uns bei all den von uns getesteten Traktoren, dass sie ausreichend groß und schwenkbar waren. Kritik gab es bei den Heckkotflügeln. Nur beim Fendt waren die Heckkotflügel soweit heruntergezogen, dass Verschmutzungen von Anbaugeräten oder Anhängern deutlich reduziert werden.
 
Die Batterie eines Traktors muss zwar nicht häufig gewechselt werden. Trotzdem ist ihre gute Erreichbarkeit wichtig, um eine regelmäßige Wartung ohne großen Aufwand durchführen zu können. Gut erreichbar und ausreichend groß sollte auch der Werkzeugkasten sein. Auf der rechten Traktorseite zwischen den Trittstufen angebrachte, zu kleine, nicht im gefüllten Zustand abnehmbare und nicht abschließbare Lösungen konnten uns hier nicht überzeugen.

Vorgewendemanagement sehr unterschiedlich

Beim Vorgewendemanagement, dem letzten unserer Bewertungskriterien, gab es sehr unterschiedliche Lösungen. Die gingen von "gar nicht vorhanden" beim Kubota über die Abspeicherung von 32 Funktionen für ein Gerät beim Deutz-Fahr, bis zur Abspeicherung aller Funktionen eines Wendevorganges für maximal 32 Geräte beim New Holland. Ob man die automatische An- und Abschaltung von Differenzialsperre und Zapfwelle beim Absenken bzw. Anheben der Geräte am Feldrand schon als Vorgewendemanagement bezeichnen kann, sei dahingestellt. Diese beim Fendt und beim Steyr eingebauten Varianten bringen aber auch schon eine gewisse Arbeitserleichterung und mehr Sicherheit.

 

Alle Teile des Traktorentests in der Übersicht

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