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Traktoren

Traktordiebstahl: Internationales Netzwerk gesprengt

von , am
04.03.2014

Europol hat einen organisierten Verbrecherring aufgedeckt, der sich in mehreren europäischen Ländern auf den Diebstahl von Traktoren und anderen Landmaschinen spezialisiert hat.

Der Umsatz bei Deere & Company kann nicht mit dem letzten Rekordjahr mithalten. © Mumme/dlz
Wie das schwedische Nachrichtenportal ATL berichtet, konnte die europaweit agierende Bande rumänischer Staatsbürger dank der engen Zusammenarbeit der spanischen, französischen, ungarischen und rumänischen Polizei gestoppt werden. Laut Europol gab es neun Festnahmen. Der Gesamtschaden liege im Bereich von circa 3,2 Millionen Euro.
 
Nach dem ersten Zugriff im Januar unternahm die Polizei intensivere Durchsuchungen privater Anwesen. Dort wurden nun weitere Maschinen und Beweismittel beschlagnahmt. Unter anderem stellte man SIM-Karten, Waffen sowie Munition, GPS-Ausrüstung, hohe Bargeldsummen und gefälschte Identitätsnachweise sicher.
 

Zwei Jahre Ermittlungen

Die Polizei hatte mit ihren Ermittlungen bereits im November 2012 begonnen, nachdem in Frankreich drei John Deere Traktoren als gestohlen gemeldet worden waren. Alleine in Frankreich soll die Bande 2013 über 40 Traktoren gestohlen haben. Es stellte sich heraus, dass der Ring von Spanien aus agierte. Die gestohlenen Maschinen wurden für den Weitertransport nach Ungarn oder Rumänien auf rumänische Lastwagen verfrachtet.

Europaweite Diebstähle

Auf ihrem Weg durch Europa erfolgten zusätzliche Diebstähle. Auch in Österreich wurden alleine im Burgenland seit Juli 2012 mindestens 20 Traktoren im Wert von über einer Million Euro entwendet. Betroffen sind auch Landwirte und Betriebe in den Niederlanden, Italien, Deutschland und Österreich. Allein im letzten Herbst verschwanden in den Niederlanden innerhalb von drei Wochen neun Landmaschinen.

Gut organisiert

Bereits im Januar diesen Jahres hatte Europol eine Warnung vor grenzüberschreitenden Banden herausgegeben, die es in den ländlichen Bereichen Europas auf den Diebstahl mit Traktoren und anderen schweren Landmaschinen abgesehen hätten. Sie seien laut Europol gut organisiert und gingen professionell mit klar verteilten Aufgabenbereichen vor.
Die Polizei empfiehlt Landwirten auch nach dem Schlag gegen den Verbrecherring etwas besser auf ihre Maschinen aufzupassen. Sie werden oftmals einfach auf dem Acker stehen gelassen oder in einer leicht zugänglichen Garage geparkt und seien so eine leichte Beute.

Diebstahl leicht gemacht

Die Maschinen werden entweder aus den Garagen gestohlen oder direkt vom Feld entwendet. Dies erfolgt vor allem nachts, doch auch tagsüber wurden schon Fälle gemeldet. Erleichtert werden die Taten der Banden durch die Tatsache, dass Traktoren des gleichen Fabrikats oft identische Schlüssel haben, mit denen sich alle Maschinen desselben Typs ganz einfach starten lassen. Manchmal passt der gleiche Schlüssel sogar in jede Maschine einer gleichen Marke, so Europol.

Verbrechen im landwirtschaftlichen Bereich steigen

Wie der französische Bauernverband (FNSEA) alarmierend feststellt, haben die Fälle von Maschinendiebstahl eine neue Dimension erreicht. Neben den Schäden für die Betriebe verbreite sich auch zunehmend Unruhe und Unsicherheit unter der Landbevölkerung. Denn nicht nur Traktoren, auch komplette Gemüseernten und Dutzende von Nutztieren verschwinden in Frankreich einfach über Nacht, so der FNSEA besorgt. Zwischen 2007 und 2012 sei diese Art von Verbrechen um 60 Prozent gestiegen.

Problembekämpfung in Frankreich

Die französische Regierung nimmt diese Zahlen ernst. Innen- sowie Landwirtschaftsminister besuchten betroffenen Gegenden und Höfe, um sich ein Bild von den Problemen zu machen. Um die Zusammenarbeit sowie Kommunikation zwischen den Landwirten und der Polizei zu verbessern, soll eine spezielle Website eingerichtet werden. Frankreich möchte im Kampf gegen das zunehmende Verbrechen auch Europol miteinbeziehen.
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