Login
Traktoren

Traktoren 2011: Modellpflege und Generationswechsel

von , am
31.12.2010

München - 2011 ist Agritechnica-Jahr. Demzufolge kommen auch wieder einige neue Traktorenmodelle auf den Markt. Bei Fendt ist die Ablösung der bisherigen Baureihe 700 Vario fällig.

Deutz-Fahr Agrotron TTV 7.260

Die neuen 700er sollen zur aktuellen Baureihe 800 Vario aufschließen, und damit auch die zwei immer noch beliebten "alten" 800er, den 818 Vario und den 820 Vario, in den wohlverdienten Ruhestand schicken.

Von Claas erwartet man die neue Axion-Großtraktorenbaureihe, welche bis 380 PS Motorleistung reichen soll. Genaue Details sind noch nicht bekannt, allerdings erhalten die Modelle wohl den neu gestalteten Multifunktionsgriff, welcher bereits bei den großen Xerion 4500/5000 integriert ist. Der Cebis-Monitor wandert aller Voraussicht nach von der rechten Seitenkonsole in die Armlehne. Spekuliert wird auch auf einen Generationswechsel bei den Modellen Xerion 3300 und Xerion 3800. Deutz-Fahr hat als Vorgeschmack auf das Jahr 2011 bereits den stufenlosen Agrotron TTV 7.260 vorgestellt. Erstmals verwendet der Hersteller dabei SCR-Abgasnachbehandlung zum Erreichen der Abgasnorm Tier 4 Interim.

Deutz-Fahr hat ferner angekündigt, in den nächsten Jahren verstärkt stufenlose Traktoren mit bis zu 450 PS Leistung entwickeln zu wollen. Wir erwarten bereits zur Agritechnica neue Großtraktoren aus Lauingen mit bis über 300 PS. Vom vierachsigen Knicklenker Agro-XXL von Deutz-Fahr soll 2011 eine Kleinserie aufgelegt werden. Neben dem Markt in den neuen Bundesländern und dem Ostblock steht Gerüchten zufolge wohl auch Australien im Fokus. Details wissen auch wir noch nicht, ebenso was technische Änderungen an den zwei bislang gebauten Prototypen anbelangt.

Stufenlos im unteren Leistungsbereich

Fendt und Same Deutz-Fahr bieten mittlerweile stufenlose Schlepper unter 100 PS. Hier dürften andere Hersteller nachziehen. Denn die stufenlosen Antriebe bringen nicht nur einen erheblichen Komfortgewinn mit sich. Bei Spezialtraktoren, gerade im Weinbau, ist die Sicherheit bei Anfahren und Verzögern ein zentrales Thema. Hier bieten stufenlose Getriebe mit aktiver Stillstandsregelung wesentlich mehr Sicherheit, als konventionelle Schalt- oder Lastschaltgetriebe. Denn ein Abwürgen oder Aufbäumen beim Fahren hangaufwärts ist quasi nicht möglich. Hangabwärts kann bequem über den Tempomat verzögert werden, ohne auskuppeln und bremsen zu müssen. Dazu entfällt das für den Fahrer kraftzehrende Schalten beim Ein- und Ausfahren einer Gasse.

Case IH wird zur SIMA Ende Februar erstmals eine stufenlose Zapfwelle vorstellen. Diese erlaubt es, je nach abgefordertem Drehmoment auch bei hohen Zapfwellendrehzahlen die Motordrehzahl drastisch zu reduzieren. Ob sich diese Technologie durchsetzt, bleibt abzuwarten. Denn immer mehr werden mechanische Krafttriebe durch Hydraulik oder Hochvolttechnologie ersetzt.

Zunehmend werden auch in unteren Leistungsklassen elektrische Steuergeräte für die Arbeitshydraulik verbaut. Diese erlauben eine Zeit- und Mengenregelung, die Arbeitsabläufe für den Fahrer erleichtert und potenziell in ein Vorgewendemanagement integriert werden können. Dieses fehlt noch bei den meisten Schleppern der unteren Leistungsklassen, wird hier wohl aber auch bald Einzug halten.

Sicherheit für CVT-Traktoren

Bei stufenlosen Traktoren werden aus der Praxis zunehmend intelligente Bremslösungen gefordert, damit beim Verzögern durch das Getriebe der Schlepper durch die ungebremsten Anhänger nicht geschoben wird und sich querstellt. Hier besteht noch Nachbesserungsbedarf, denn das Unfallrisiko sollte gerade bei ungeübten Fahrern nicht unterschätzt werden. Technisch dürfte die Abstimmung zwischen Getriebe und Druckluftbremssystem kein Problem sein. Ausschlaggebend sind aber auch Sicherheitsnormen, die beim Eingreifen der Technik in Bremssysteme zuverlässig eingehalten werden müssen.

Automation entlastet Fahrer

Die intelligente Verknüpfung von Traktor und Gerät per Isobus erlaubt eine Steigerung der Einsatzeffizienz von Landmaschinen und entlastet gleichzeitig den Fahrer. John Deere ist derzeit auf diesem Gebiet führend – allerdings nur in Verbindung mit eigenen Rundballenpressen, Pöttinger Ladewagen mit Schwadscanner oder dem Grimme Root Runner-Sensorsystem. Das John Deere iSteer sogt als GPS-Brücke zwischen Traktor und Bodenbearbeitungsgerät für spurgenaues Nachlaufen. Bedeutung hat dies vor allem beim Anlegen von Damm- und Reihenkulturen. Mit diesem System soll sogar die Steuerung von Variopflügen möglich sein, um stets gerade Furchen zu erhalten.

Mehr Hybridantriebe

In den nächsten Jahren werden zunehmend Hybridantriebe in Traktoren verbaut. John Deere treibt in den E-Premium-Modellen bereits Nebenaggregate per Elektromotoren an, darunter auch den Lüfter. Dies ermöglicht Boost-Leistungen bereits bei geringen Motordrehzahlen – hier wird nachweislich Kraftstoff gespart. Claas verbaut beim Xerion 4500/5000 einen hydraulisch und damit ebenfalls unabhängig von der Motordrehzahl angetriebenen Lüfter.

Belarus fertigt mit dem Typ 3023 zwar den ersten serienmäßig dieselelektrisch angetriebenen Traktor der Welt. Bis zu einem Durchbruch dieser Technologie dürfte es aber noch viele Jahre dauern. Kundendienst und Service müssen erst den höheren Sicherheitsanforderungen der Hochvolttechnologie nachkommen. Dennoch bietet dieser Antrieb Potenzial, welcher vom Belarus 3023 noch lange nicht ausgeschöpft ist. Denn im Grunde genommen handelt es sich dabei um einen normalen Standardtraktor mit konventionellen Achsen, bei dem das Getriebe lediglich durch einen Wechselstromgenerator und Elektromotoren ersetzt wurde.

Wirklich interessant wird es, wenn ein neuer Schlepper um einen dieselelektrischen Antriebsstrang herum entwickelt wird. Radnabenmotoren sowie der Wegfall von Getrieben und Gelenkwellen bieten völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten bei Design, Lenkung, Räderdimensionierung und Gestaltung von Anbauräumen bei Traktoren. Außerdem erlaubt der Einzelradantrieb eine wirklich effektive Traktionskontrolle. Erste Prototypen dürften in den nächsten Jahren, wenn auch noch nicht 2011, auf Messen zu sehen sein. Die Marktreife sollte man nicht vor dem Jahr 2020 erwarten. (mm)

 

{BILD:139424:jpg}Matthias Mumme
Technik-Redakteur dlz-agrarmagazin

 

 

 

 

 

Auch interessant