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Traktoren

Traktoren wieder sparsamer

von , am
31.12.2010

München - Durch Einführung der SCR-Abgasnachbehandlung in vielen Traktorbaureihen der höheren und mittleren Leistungsklasse werden die Schlepper dort erstmals seit vielen Jahren wieder sparsamer.

Case IH Quadtrac 600

Der Grund: Durch Verzicht auf externe gekühlte Abgasrückführung sinkt der Kühlbedarf der Abgase. Außerdem können die Motoren im verbrauchsgünstigeren hohen Temperaturbereich gefahren werden, was die Elastizität im Praxiseinsatz erhöht. Erste neutrale Untersuchungen belegen, dass diese Technologie ca. 10 bis 15 Prozent Kraftstoff einspart. Dafür fallen auf 10 l Diesel aber etwa 0,7 l Harnstofflösung an. Bei jedem zweiten bis dritten Tankstopp muss neben Diesel auch die Ad-Blue-Lösung nachgefüllt werden. Der Wartungsaufwand erhöht sich also. Davon abgesehen macht die Integration dieser Technik Traktoren um fünf bis zehn Prozent teurer. Diskussionsbedarf gibt es auch noch um die Frostbeständigkeit der Harnstofflösung.

Einen anderen Weg geht John Deere. Der weltweit größte Landtechnikhersteller setzt vorerst auf externe gekühlte Abgasrückführung mit Rußpartikelfilter. Diese verbrauchen etwas mehr als Traktoren mit SCR-Technologie, benötigen dafür aber keine Harnstofflösung. Und dank Reihenturbolader und leistungsabhängigem Lüfterantrieb soll der Kraftstoffverbrauch trotz EGR im Rahmen bleiben. Welche Technik bei den Landwirten und Lohnunternehmern beliebter sein wird, zeigt uns das nächste Jahr.

400 PS-Schallmauer durchbrochen

Erstmals erreichen allradgetriebene Standardtraktoren Maximalleistungen von mehr als 400 PS. John Deere produziert mit dem neuen 8360R den derzeit stärksten Standardtraktor der Welt, gefolgt vom Terrion 7400 mit 400 PS. Um diese Leistungen auf den Boden zu bringen, werden ausgeklügelte Ballastierungskonzepte und neue Reifengrößen erforderlich. Beim derzeit größten verfügbaren Außendurchmesser 2,15 m wird es über kurz oder lang nicht bleiben. Bis zu 2,25 m sollen bald möglich sein.

Der Claas Xerion 450/500 soll seine Motorleistung von 450/500 PS sogar mit Einfachbereifung auf den Boden bringen. Dafür wird die größtmögliche Schlepperbereifung 900/60 R 42 und ein Ballastierungskonzept im Frontanbau- und Heckaufbauraum verwendet. Derzeit werden die Schlepper im Vorserienstadium erprobt und bei potenziellen Kunden vorgeführt.

Bei Großtraktoren helfen Bandlaufwerke, die mittlerweile fast 700 PS auf den Boden zu bringen. Case IH baut mit dem Quadtrac 600 den aktuell stärksten Serienschlepper der Welt - und teilt sich diesen Ruhm mit dem Modell T 9.670 von New Holland. Satte 669 PS saugen die zwei Boliden aus 13 Litern Hubraum.

Dokumentation integriert

Mit den deutlichen Fortschritten bei der herstellerübergreifenden Kommunikation per Isobus finden zunehmend Dokumentationsprogramme ihren Weg auf moderne Traktoren. Diese sollen dem Landwirt die Einhaltung der Cross-Compliance-Vorgaben erleichtern. Dem Lohnunternehmer helfen Sie bei der genauen Abrechnung seiner Dienstleistungen beim Kunden. Die Datenübertragung per Funk (Telematics) spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie fungiert zudem als Diebstahlschutz. Zusätzlich kann eine integrierte Navigationssoftware dafür sorgen, dass auch wirklich das gewünschte Feld bearbeitet wird – und nicht das des Nachbarn. Gerade bei Lohnunternehmen werden so teure Fehlentscheidungen von Fahrern wirksam verhindert.

Die während der Arbeit aufgezeichneten Daten sollen sich problemlos in gängige Schlagdateien einfügen lassen. Umgekehrt können auch am Büro-PC erstellte Aufträge auf Traktoren und Arbeitsmaschinen überspielt werden. Der Fahrer übernimmt dann quasi nur noch eine Kontrollfunktion, und muss die gewünschten Aufwandmengen nicht mehr selbst eingeben und abdrehen.

Sicherheit fährt mit

ABS-Bremssysteme werden sich in Traktoren oberhalb der 40 km/h Endgeschwindigkeit durchsetzen. Aktuell haben Fendt und CNH Lösungen parat. Egal ob per Hydraulik oder Druckluft unterstützt, bieten diese Systeme ein weit höheres Maß an Fahrsicherheit vor allem bei der Fahrt mit Anhängern und auf regennassen oder glatten Straßen. Zusätzliche Sicherheit bringen aktive Stabilitätskontrollen an der Vorderachse wie bei Fendt oder aktive Lenkassistenten wie das John Deere ActiveCommand Steering. (mm)

 

{BILD:139424:jpg}Matthias Mumme
Technik-Redakteur dlz-agrarmagazin

 

 

 

 

 

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