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Traktoren

Zeitreise: Technik anno dazumal

von , am
14.11.2013

Auf der Agritechnica gibt es nicht nur die modernsten und größten Maschinen zu sehen. In Pavillon 32 bleibt im Rahmen einer Sonderausstellung auch Platz für ein wenig Nostalgie.

Eine Sonderschau zeigt glänzend herausgeputzte Oldtimer. © Eva Eckinger/agrarheute.com
Unter dem Titel "100 Jahre Effizienz - Rudolf Diesel und die Landtechnik" gibt es in Pavillon 32 eine Sonderschau, die sich den Anfängen der Motorisierung in der Landwirtschaft und Rudolf Diesel, dem großen deutschen Erfinder, widmet.
 
Das Kontrastprogramm mit seinen liebevoll restaurierten und glänzend polierten Oldtimern ist eine sehenswerte Abwechslung zu den PS-Giganten in den anderen Hallen auf dem Gelände der Agritechnica.

Fordson Modell F

Der Fordson Modell F von 1924. © Eva Eckinger/agrarheute.com
Henry Ford, Gründer der Ford Motor Company, war selbst Landwirtssohn und wollte aus diesem Antrieb heraus auch Landwirte motorisieren. Zehn Jahre plante und konstruierte er, entwickelte Prototypen und führte Tests durch, bis er 1917 schließlich mit einer robusten und kostengünstigen Entwicklung zufrieden war. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs war die Nachfrage nach amerikanischen Traktoren zudem immens hoch. Eine Chance, die Henry Ford nutzte. Noch im selben Jahr ging das Gefährt in Serie und wurde zu einem der Meilensteine in der Technikgeschichte.
 
Der Fordson war der Anfang der Massenfertigung eines preisgünstigen, leichten, kleinen Schleppers, den sich nun auch erstmals kleinere landwirtschaftliche Betriebe leisten konnten. Er wurde der am meisten produzierte Traktor der Welt. 750.000 Exemplare wurden im Laufe seiner Fertigung gebaut, alleine im Jahr 1925 lief er 104.168 Mal vom Band. Ein US-Marktanteil von 75 Prozent (%) und ein weltweiter von nahezu 50 % sind Zahlen, die bis heute Rekord für ein einziges Modell sind.
 
Der Fordson F wurde in Dearborn in den USA und in Cork in Irland gefertigt. Er hat einen 4,3 Liter Vierzylinder Reihen-Benzinmotor mit 22 PS, ein Dreigang-Getriebe, ein Traktorgewicht von circa 1.300 Kilogramm und verfügt über keine Bremsen. Zudem ist ein Petroleum-Mischbetrieb möglich. Er war auch als Stationärmotor zum Antrieb von Maschinen verwendbar und diente ebenso als Zugmaschine für Geräte und Ackerwagen.

Hanomag WD-Schlepper

Der Hanomag WD-Schlepper von 1928. © Eva Eckinger/agrarheute.com
Hanomag, die Hannoversche Maschinenbau AG, wurde 1835 gegründet und war einer der bedeutendsten Hersteller von Dampfmaschinen und Lokomotiven. Das Unternehmen stellte im Laufe der Jahre auch Lastkraftwagen, Personenwagen, Baumaschinen und Ackerschlepper her. Als erster Radschlepper lief 1924 der WD 26 vom Band. Anfang der 50er Jahre war Hanomag gar Marktführer in Deutschland und im Jahre 1954 wurde der 100.000ste Traktor des Unternehmens ausgeliefert.
 
Der WD R 28/32 wurde ab 1926 hergestellt, gehört zu den mittelstarken Traktoren und ist in rahmenloser Blockbauweise gefertigt. Der WD-Schlepper hat ein Gewicht von circa 2.800 Kilo, 4,25 Liter Hubraum, ein 3-Gang-Getriebe und einen Vierzylinder-Mehrstoff-Ottomotor. Seine PS-Zahl schwankt je nach Kraftstoffverwendung zwischen 28 und 35 PS, die Höchstgeschwindigkeit beträgt bei Ackerarbeiten vorwärts maximal 8 km/h, auf der Straße erreicht er bis zu 15 km/h.
 
Der WD R 28/32 kann auch als Stationär-Motor verwendet werden. Er erhielt dank seiner bewährten Konstruktion und seiner vorzüglichen Leistung nach einer 638-stündigen Dauerprüfung die "Silberne Preismünze 1929 der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft".

Mercedes Benz OE

Der Mercedes Benz OE wurde im Jahr 1928 der Öffentlichkeit präsentiert. © Eva Eckinger/agrarheute.com
Als die Weltwirtschaftskrise Europa fest im Griff hatte, verminderte sich die Kaufkraft der Kunden. Daimler-Benz ermöglichte mit seinem Dieselmotor niedrige Betriebskosten und entwickelte einen Schlepper, der daher gegen die bisherigen, einheimischen Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen einen entscheidenden Vorteil hatte.
 
1928 wurde der Mercedes Benz OE auf der Internationalen Automobil-Ausstellung, der IAMA, präsentiert. Der Traktor wurde noch im selben Jahr auf den Markt gebracht. Bei einem Gewicht von circa 2.800 Kilo hatte er eine Leistung von 24-26 PS. Der Raddurchmesser betrug 1,30 Meter, wobei der Kurvenradius bei nur vier Metern lag. Das Anwerfen des Dieselmotors wurde durch eine Dekompressionseinrichtung erleichtert. Der Mercedes Benz OE schaffte im ersten Gang 3,2 km/h, im zweiten 4,5 und im dritten 6,2 km/h.
 
Die Straßenschlepper-Version hingegen erreichte bis zu 15 Kilometer pro Stunde. Bei ihr waren Ganzmetallräder mit Vollgummi- oder Luftreifen statt der Greiferräder angebracht. Zudem waren gegen Aufpreis ein Verdeck mit Wetterschutz, eine Seilwinde im Heck und Lampen erhältlich.

MWM Motorpferd

Das Motorpferd wurde ab 1924 bis 1931 serienmäßig produziert. © Eva Eckinger/agrarheute.com
Die Motoren-Werke-Mannheim AG (MWM) erarbeiteten sich mit ihren Motoren einen sehr guten Ruf und produzierten ab 1924 bis 1931 serienmäßig das Motorpferd, ihren einzigen Straßenschlepper. Das Motorpferd gilt als eines der ersten Traktoren mit Dieselmotor weltweit. Eingesetzt wurde es vor allem als Straßenzugmaschine, nicht zuletzt wegen seiner profillosen Vollgummireifen.
 
Es handelt sich um eine einfache, für die Straße gebaute Zugmaschine ohne Zubehör wie Steuergeräte, Elektrik, Zapfwelle oder Kraftheber. Das Motorpferd fand auch wegen seines Getriebes keine besonders große Zustimmung bei den Kunden, da nur zwei Vorwärtsgänge und ein Rückwärtsgang zur Verfügung standen. Es ist in Rahmenbauweise produziert und hat eine Leistung von 18 PS. Zwar wurde eine verbesserte Version von MWM entwickelte, diese ging allerdings nie in Serie. Bereits 1923 zog das Motorenpferd zu Demonstrationszwecken einen fünf Tonnen schweren Anhänger auf den Königstuhl bei Heidelberg.
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