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Trends bei der Melk- und Kühltechnik: Arbeitskomfort steigern

von , am
16.11.2012

Die Milchviehhalter investieren und stocken ihre Bestände auf. Der Trend geht zu mehr Automatisierung und Bedienkomfort.

Ein Melkkarussell ist in großen Betrieben heute Standard. © agrartechnik
Gut ausgebildete Fachkräfte zu finden wird immer schwieriger, sei es in der Außen- oder Innenwirtschaft. Deshalb wird die Automatisierung und der Einsatz von Elektronik immer weiter  zunehmen. Denn nur so lassen sich attraktive Arbeitsplätze schaffen, die junge Leute ansprechen und sie für die Arbeit im Stall und auf dem Acker begeistern.

Hubböden in fast allen neuen großen Melkständen

In der Melktechnik wird aus diesem Grund bei der Planung zunehmend auf Arbeitskomfort Wert gelegt, stellt Dr. Lutz Daßler, Sächsischer Landeskontrollverband e.V., Lichtenwalde, fest. Hubböden werden mittlerweile in fast allen neu installierten größeren Melkständen eingebaut.

Licht, Luft, Wärme werden bei der Neuplanung stärker berücksichtigt

Aber auch ausreichendes Licht (Tageslicht), Luftzirkulation und Temperatur (Sommer und Winter) werden stärker bei der Planung berücksichtigt. Ausgeklügelte Belüftungssysteme sind in der Lage, Fliegen aus dem Arbeitsbereich des Personals fern zu halten. Beliebt sind Fußbodenheizungen. Wer kann, sollte aber Luftsysteme, die Warmluft (aus entsprechenden Räumen) im Winter und Frischluft im Sommer einblasen können, einbauen.

Melkstände: Fischgrät, Karussell oder Side-by-Side

Neben den beliebten Fischgräten- und Karussellmelkständen für größere Bestände ab 500 bis 600 Tiere sind in den letzten Jahren die Side-by-Side-Melkstände hinzugekommen. Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil haben diese auf Grund der kurzen Wege, was sich natürlich auch im Preis des umbauten Raumes bemerkbar macht. Der notwendige Schnellaustrieb mit den dazugehörigen Flächen hat bei den größeren Fischgrätenmelkständen ebenfalls Einzug gehalten und kann als Kostenfaktor nicht mehr angeführt werden. Regional bedingt entscheiden sich Käufer für einen Swing-over-Melkstand, bei dem mit einem Melkzeug je zwei Kühe gemolken werden können.

Bei bis zu 24 Melkplätzen pro Arbeitskraft:

Gegenwärtig werden in Melkständen bis zu 24 Melkplätze (2x12) pro Arbeitskraft veranschlagt. Bei noch größeren Melkständen wird dann die Eintriebsdauer zum Problem und es sollte zwingend ein Side-by-Side-Melkstand eingebaut werden. Obwohl bei den Melkkarussells Innenmelker auf Grund der Übersichtlichkeit einen enormen Vorteil bieten, haben sich die "sogenannten" Außenmelker zumindest in großen Herden durchgesetzt. Hier betritt die Kuh die Plattform vorwärts und verlässt diese wieder rückwärts, was eine größere Ruhe und einen höheren Durchsatz bewirkt. Dabei ist es möglich, Anlagen mit 40 Melkplätzen mit nur einer Arbeitskraft zu betreiben.

Ab 50 Melkplätzen:

Ab etwa 50 Melkplätzen wird mit zwei Personen im Ansetzbereich gearbeitet. Eine Euternachkontrolle erfolgt nicht. Diese Unzulänglichkeit wird nach Möglichkeit durch dreimaliges Melken, zu kompensieren versucht. Die Zitzennachdesinfektion (Dippen) erfolgt entweder im Zitzenbecher oder mittels eines Roboters. Beide Varianten sind im Innen- als auch im Außenmelker möglich. Beim Innenmelker werden bis 42 Plätze installiert, was einen enormen Raumbedarf nach sich zieht. Außenmelker baut man gegenwärtig mit bis zu 80 Plätzen. Ob diese Größenordnung noch vernünftig ist, muss die Praxis zeigen.
 
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