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Umfrageergebnis

Landwirtschaft: Diese digitalen Technologien sind im Einsatz

Moderne Hacktechnik auf einem Feldtag
am Samstag, 03.10.2020 - 09:00 (Jetzt kommentieren)

Welche digitalen Technologien nutzen derzeit Landwirte und in welche planen sie innerhalb der nächsten Jahre zu investieren? Die Arbeitsgruppe Digital Farming der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat eine Online-Umfrage zum Einsatz digitaler Technologien in landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt.

"Der Einsatz digitaler Technologien kann die Erwartungen an die Landwirtschaft in mehrfacher Hinsicht erfüllen," erklären Dr. Andreas Gabriel und Dr. PD Markus Gandorfer (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft), die sich mit der Auswertung der Umfrageergebnisse beschäftigt haben. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse wie folgt zusammengefasst.  

Neben der Effizienzsteigerung in verschiedenen Betriebsprozessen dienen bestimmte Technologien auch zur

  • Arbeitserleichterung (z. B. automatische Lenksysteme)
  • Verminderung von Umweltbelastungen (z. B. Teilflächenbewirtschaftung)
  • Verbesserung des Tierwohls (z. B. Tiersensoren),
  • besseren Dokumentation und Transparenz der Produktionsvorgänge

Die genannten positiven Aspekte würden zunächst vermuten lassen, dass nicht viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müsste und die landwirtschaftliche Praxis bereits hoch digitalisiert ist. Doch die Ergebnisse der Umfrage der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zeigen, dass bei vielen Technologien noch Zurückhaltung vorherrscht beziehungsweise manche Technologien noch am Beginn ihrer Marktdurchdringung stehen.

Diese Technologien sind im landwirtschaftlichen Einsatz

Grafik zu Nutzungsanteilen von Befragten zum Einsatz digitaler Produkte auf dem landwirtschaftlichen Betrieb

27 Technologien zum Einsatz in landwirtschaftlichen Betrieben wurden in der Umfrage vorgegeben, zu denen die Teilnehmer angeben konnten, ob diese in deren Betrieben zum Einsatz kommen. Abhängig von den vorherrschenden Produktionsschwerpunkten der befragten Betriebe wurden jeweils relevante Technologien für die Außenwirtschaft, Tierhaltung oder speziell für die Milchvieh- und Rinderhaltung bewertet.

Alle Befragten konnten bewerten, ob sie Vorhersageprogramme (z. B. für Schädlingsdruck, Wetterprognose) verwenden und ob sie auf digitale Kommunikations- und Handelsplattformen zurückgreifen. Die hohen Anteile an Nutzern dieser meist kostenfreien Online-Angebote oder Smartphone-Apps von 51 Prozent und 36 Prozent zeigen, dass der einfache Zugang zu digitalen Softwarelösungen auch die Nutzungsrate erhöht.

Auf dem Acker und im Stall: Die Digitalisierung schreitet voran

In der Außenwirtschaft sind automatische Lenksysteme, GPS-gesteuerte Teilbreitenschaltung, universelle Farm-Management-Informationssysteme und digitale Satellitenkarten am häufigsten im Einsatz. Andere Technologien wie beispielsweise teilflächenspezifische Anwendungen oder Sensorsysteme werden nur von einem kleineren Teil der befragten Landwirte genutzt.

In der Tierhaltung vertrauen mehr als ein Drittel auf Farmmanagement-Informations-Systeme. Jeweils jeder fünfte Tierhaltungsbetrieb setzt bereits Stallkameras bzw. Sensoren zur Verhaltensüberwachung ein. Automatische Melksysteme nutzen 17 Prozent der befragten Milchviehbetriebe.

Wie wird der Digitalisierungsgrad der landwirtschaftlichen Praxis berechnet?

Um eine Einschätzung über den „Digitalisierungsgrad“ der landwirtschaftlichen Praxis in Deutschland geben zu können, wird der Anteil an Betrieben berechnet, die mindestens eine der bewerteten Technologien im Einsatz haben. Dieser Gradmesser ist abhängig davon, welche Technologien zur Digitalisierung herangezogen werden.

Wird die Nutzung kostenloser Wetter-Apps auf dem Smartphone mit der Anschaffung von Futterrobotern gleichgesetzt, wirkt sich dies erheblich auf die Berechnung des Digitalisierungsgrads aus. Werden alle 27 in der Umfrage aufgeführten digitalen Technologien berücksichtigt, so nutzen 84 Prozent der befragten Landwirte mindestens eine davon.

Vernachlässigt man die beiden Kategorien „Kommunikations- und Handelsplattformen“ und „Vorhersagemodelle“ und untersucht nur Technologien mit einem entsprechenden Investitionsaufwand, so liegt der Digitalisierungsgrad bei 74 Prozent und ist damit niedriger. Im Mittel werden dann drei digitale Technologien je Betrieb eingesetzt.

Je größer der landwirtschaftliche Betrieb, desto eher nutzt dieser Technologien

Der Digitalisierungsgrad und die Anzahl eingesetzter Technologien steigen mit der landwirtschaftlichen Fläche an. Dieses Ergebnis ist nicht verwunderlich, da viele aktuelle Technologien auf dem Markt auf großstrukturierte Landwirtschaft ausgerichtet sind. Ebenso spielt es für Investitionsentscheidungen eine große Rolle, ob der Betrieb im Haupt- oder Nebenerwerb geführt wird.

83 Prozent der Landwirte im Haupterwerb nutzen bereits mindestens eine der 25 abgefragten Technologien, in die auch entsprechend investiert werden muss (3,6 Technologien im Durchschnitt). Bei Nebenerwerbsbetrieben liegt die Rate mit 55 Prozent deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt (bei 1,4 Technologien im Durchschnitt).

Online-Umfrage zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft

Die LfL initiierte mit Unterstützung der AgriExpert-Gruppe des Deutschen Landwirtschaftsverlages (DLV) eine eigene Online-Umfrage unter Landwirten zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft. Dazu wurden von November 2019 bis Januar 2020 bundesweit Landwirte befragt. 

Die Stichprobe von 591 Befragten erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität, da sie sich auf die Abonnenten von Fachzeitschriften, Nutzer von verlagsseitigen Online-Portalen oder Mitglieder des Landwirte-Panels von AgriExpert beschränkt.

Dennoch erweist sich die regionale Verteilung der Stichprobe als sehr nah an der tatsächlichen Verteilung deutscher Landwirtschaftsbetriebe über die Bundesländer Deutschlands.

Mit Material von Dr. PD Markus Gandorfer, Dr. Andreas Gabriel, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
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