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Neuregelung ab 2018

100 Prozent Ökofütterung: Alternativen zum Kartoffeleiweiß

Schweinefütterung
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Katharina Krenn, agrarheute
am
30.03.2017

Bis zum 1. Januar 2018 müssen tierhaltende Biobetriebe auf 100 Prozent Biofütterung umstellen. Diese Alternativen haben sich bei Fütterungsversuchen bewährt.

Mit dem 1. Januar 2018 endet die Übergangsregelung, nach der fünf Prozent der Rationskomponenten aus konventioneller Erzeugung stammen dürfen. Die 100 Prozent Bio-Fütterung stellt Schweine- und Geflügelhalter vor ein Problem, denn methioninreiche Futterkomponenten sind in Bioqualität Mangelware, schreibt Bioland in seiner Verbandszeitschrift. Deshalb nutzen viele tierhaltende Biobetriebe die aktuelle Regelung dazu, besonders methioninreiche konventionelle Komponenten wie Kartoffeleiweiß und vor allem Maiskleber zuzufüttern.

Diese Futter-Alternativen gibt es

  • Körnerleguminosen wie Lupine oder Ackerbohne (geringe Methionin- und Cystein-Gehalte) aus Ökoanbau
  • Bio-Rapskuchen (begrenzte Verträglichkeit)
  • Bio-Kürbiskernkuchen (begrenzte Verfügbarkeit)
  • Bio-Sojakuchen (sehr teuer, wenig Methionin)
  • Bio-Milchpulver (zu teuer)
  • Luzernsilage aus Ökoanbau

Luzerne hat hohe Methionin-Gehalte

Im Vergleich zu Körnerleguminosen weist Luzerne relativ hohe Methionin- und Lysingehalte auf. Die Fütterung von Luzerne-Silage hat großes Potential für eine optimale Eiweißversorgung und damit für die ökologische Landwirtschaft. Zudem deckt sie den Anspruch nach einem höheren Raufutteranteil ab, der ebenfalls nach den neuen Richtlinien für Monogastrier erwünscht ist. Für stark spezialisierte Schweine- und Geflügelhalterinnen und -halter, die nicht über entsprechende Maschinen verfügen, ist die Erzeugung der Silage zurzeit allerdings noch unwirtschaftlich.

Luzerne-Fütterung bei Mastschweinen

Bei Mastschweinen stieg der Anteil der aufgenommenen Menge von 20 Prozent in der Anfangsmast kontinuierlich auf 50 Prozent in der Endmast. Die Mast- und Schlachtkörperleistungen der Schweine unterschieden sich dabei nicht von den mit Standardbiokraftfutter versorgten Tieren der Vergleichsgruppe. Durch Vorlage der Silage konnte im Schnitt 100 Kilogramm Kraftfutter eingespart werden.

Luzernefütterung bei Geflügel

Auch bei Masthähnchen erhöhte sich der Anteil der aufgenommenen Silagemenge kontinuierlich von 10 Prozent in der Aufzucht auf 30 Prozent in der Endmast. Die mit Silage gefütterten Tiere erzielten im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Alleinfuttermischung signifikant höhere Mastleistungen und bessere Schlachtkörperwerte. Auch Legehennen nahmen unter ökologischen Haltungsbedingungen bis zu 20 Prozent Silage auf und erreichten damit die gleiche Legeleistung wie die Kontrollgruppe mit Kraftfutter. Die Qualität der Ei-Inhaltsstoffe war zudem deutlich besser, da besonders hohe Gehalte der erwünschten Omega-3-Fettsäuren gemessen wurden.

Blattmasse von Luzerne und Klee

Ein anderer vielversprechender Weg könnte die Nutzung der reinen Blattmasse von Luzerne und Klee sein. Denn der relativ geringe Rohproteingehalt der Luzerne kann durch Isolierung der Blattmasse deutlich verbessert werden. So lag der Rohproteingehalt der Blattmasse von Luzerne und Weißklee bei Versuchen der Universität Kassel/Witzenhausen mit durchschnittlich 28,3 Prozent fast vier Prozentpunkte höher als bei den mit Stängel verarbeiteten Pflanzen.

In Modellrechnungen konnte der Eiweißbedarf von Küken und Hähnchen in der späteren Mastphase ab der fünften Woche über Luzerneblattanteile von 50 beziehungsweise 42 Prozent sichergestellt werden. Als Nachteil der Blattisolierung erwiesen sich jedoch große Schwankungen bei den Eiweißgehalten der Blätter, je nach Anbau- und Erntebedingungen. Eine Prüfung des Ernteguts vor der endgültigen Nutzung ist deshalb unerlässlich, was die Anbau- und Futterplanung in der Praxis schwierig macht.

Körnerleguminosen: Anteil nicht über 30 Prozent

Eine Untersuchung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zeigte zwar, dass eine thermische Behandlung von Ackerbohnen, Erbsen und Süßlupinen den Anteil verdauungshemmender Substanzen tatsächlich senkt und den Gehalt an umsetzbarer Energie (ME) leicht erhöht. Aber bei der Fütterung von Bioferkeln mit den behandelten Komponenten ergaben sich keinerlei Vorteile. Eine Studie mit aufbereiteten Wintererbsen am Kompetenzzentrum Ökolandbau in Visselhövede brachte ähnliche Ergebnisse.

Zudem zeigte die Kammerstudie, dass der Anteil an Leguminosen in einer Ration unter 30 Prozent bleiben sollte. Höhere Anteile verschlechterten bei Ferkeln Futteraufnahme und Gesundheit, bei Mastschweinen ging der Magerfleischanteil signifikant zurück. Dennoch sind Leguminosen nach Ansicht der Fachleute eine wertvolle Futterkomponente, solange ihr Anteil 30 Prozent nicht übersteigt.

Bio-Sojakuchen ist teuer

Große Hoffnungen werden in der ökologischen Tierhaltung auf Biosoja gesetzt, deren Anbau in Süd- und Osteuropa, aber auch in Bayern und Baden-Württemberg seit einigen Jahren deutlich ausgeweitet wird. Aufgrund seiner hohen Rohproteingehalte ist Soja bestens für die Fütterung von Masthähnchen, Legehennen und Mastschweine geeignet. Allerdings gibt es zwei Probleme:

  • Biosoja ist sehr teuer, egal ob selbst angebaut oder zugekauft.
  • Die Methioningehalte sind selbst in Soja nicht ausreichend, um den hohen Bedarf von Geflügel und Ferkeln zu decken.

Auch hier müssen deshalb methioninreiche Komponenten in der Ration ergänzt werden.

Bakterieneiweiß noch im Forschungsstadium

Eine solche konzentrierte Komponente könnte in Zukunft Bakterieneiweiß sein, das in großem Maßstab mit speziellen Kulturen hergestellt wird. Ein Forschungsprojekt dazu ist im Jahr 2015 angelaufen. Ziel ist es, konzentrierte Eiweißkomponenten als maßgeschneiderte Ergänzung zu den bisherigen Rationen anbieten zu können. Doch neben Herausforderungen bei der technischen Umsetzung ist auch der rechtliche Rahmen für einen möglichen Einsatz von Bakterieneiweiß im Ökolandbau noch nicht geklärt.

Mit Material von oekolandbau.de

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