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Update: 08.05.2020, 19:00 Uhr

129 Corona-Fälle: Westfleisch schließt Werk

Schlachthof-Zerlegung
am Freitag, 08.05.2020 - 10:57 (Jetzt kommentieren)

Wegen der sich häufenden Corona-Fälle bei Westfleisch-Mitarbeitern wird das Unternehmen aus Coesfeld vorübergehend geschlossen, wie NRW-Gesundheitsminister Laumann mitteilt.

Beim Unternehmen Westfleisch erkranken immer mehr Mitarbeiter am Coronavirus SARS-Cov-2. Am Freitagnachmittag (08.05.2020) teilte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) schließlich mit, dass der Schlachtbetrieb vorübergehend geschlossen werde.Im Werk in Coesfeld arbeiten rund 1.200 Menschen.

Bis Donnerstagnachmittag (07.05.2020) wurden 129 Mitarbeiter positiv getestet. Damit stieg die Zahl der Erkrankungen unter den Mitarbeitern stark an. Einen Tag zuvor waren 64 Westfleisch-Beschäftigte als erkrankt gemeldet, wie agrarheute berichtete.

Höchste Infektionsrate in NRW: Lockerungen in Gefahr

Der Kreis Coesfeld sah eine Schließung des Werks als unausweichlich. Die Entscheidung liege aber bei Westfleisch selbst. Der Kreis sieht noch keine Notwendigkeit, aufgrund der drastisch gestiegenen Infiziertenzahlen, Maßnahmen für den gesamten Kreis zu beschließen. Es handele sich um ein lokales Ausbruchsgeschehen bei Westfleisch, erklärte der Landrat Christian Schulze-Pellengahr.

Auf Nachfrage des WDR teilte Sandra Wilde vom Kreis Coesfeld am frühen Donnerstagabend noch mit, dass man mit steigenden Zahlen rechne. Am Freitag wurde dann entschieden: In der Stadt werden die beschlossenen Lockerungen um eine Woche verschoben.

Der Kreis Coesfeld hat in Nordrhein-Westfalen derzeit die höchste Neuinfektionsrate. Allein am Donnerstag (07.05.32020) wurden im Kreis 52 neue Corona-Fälle gemeldet.

Viele Neuinfektionen bei Westfleisch-Mitarbeitern: Starke Kontrollen gefordert

Ende April stieg rund um Coesfeld die Zahl der Neuinfektionen. Das Kreis-Gesundheitsamt hatte daraufhin den Coesfelder Westfleisch-Standort näher unter die Lupe genommen. Bei den Hausärzten des Kreises waren auffallend viele Mitarbeiter des Unternehmens in Behandlung gewesen. Bei den Tests im Coesfelder Betrieb waren zahlreiche Infektionen festgestellt worden.

SPD und der Deutsche Gewerkschaftsbund im Kreis forderten am Donnerstag (07.05.2020) in einem offenen Brief an NRW-Gesundheitsminister Laumann deutlich mehr Kontrollen bei Westfleisch, etwa durch den Arbeitsschutz. Den regionalen Verwaltungen müsse es zudem möglich sein, Wohnungen zu inspizieren, in denen die Arbeiter untergebracht sind.

Das Landesarbeits- und Landwirtschaftsministerium hat derweil angekündigt, die Unterkünfte von Saisonarbeitern in Landwirtschaft und Fleischindustrie stärker im Blick haben zu wollen. Bei gravierenden Verstößen wolle man "schnell und konsequent Maßnahmen" anordnen.

Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband: Versorgung muss sichergestellt werden

Am Freitagvormittag (08.05.2020) äußerte sich der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) zu den COVID-19-Erkrankungen bei Westfleisch: "Die Eindämmung des Ausbruchs im Unternehmen und die Gesundheit der Beschäftigten sowie der Bevölkerung haben oberste Priorität", erklärte WLV-Präsident Hubertus Beringmeier. Trotzdem sei das Aufrechterhalten des Schlachtbetriebs von Westfleisch enorm wichtig für die schweinehaltenden Betriebe. Hierfür müssten weiterhin die hohen hygienischen Auflagen im Werk eingehalten werden.

"Alle Unternehmen, die Lebensmittel verarbeiten, müssen inmitten der Corona-Pandemie unter strikter Einhaltung der strengen Hygienevorgaben offen bleiben, um den Weiterbetrieb sicherzustellen. Nur so können wir die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln gewährleisten", so Hubertus Beringmeier.

Rund 1.000 Schweinemäster aus Westfalen-Lippe beliefern den Westfleisch-Standort in Coesfeld.

Mit Material von wdr.de; Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband

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