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Niedersachsen

2017: Schnabelkürzen ab sofort verboten

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Julia Eder, agrarheute
am
02.01.2017

Das Schnabelkürzen bei Legehennen ist in Niedersachsen seit dem 1. Januar 2017 verboten. Damit bleibt bei Millionen von Küken künftig der Schnabel dran.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer hatte bereits 2013 gemäß des niedersächsischen Tierschutzplans die erteilten Ausnahmegenehmigungen für das Kürzen der Schnäbel bis 2016 befristet. Nun sind auch die Ausnahmen vorbei. "Das Ende des Amputierens eines Teils des Schnabels ist ein wichtiger Meilenstein für den Tierschutz in der Nutztierhaltung, den viele nicht für möglich gehalten hatten", sagte der Minister.

Warum wurden Schnäbel gekürzt?

Bislang wurden in der konventionellen Legehennenhaltung bei fast allen Küken routinemäßig die Schnabelspitzen gekürzt, um somit gegenseitiges Federpicken zu verhindern. In Niedersachsen werden derzeit rund 18 Millionen Legehennen gehalten.

Warum wird Schnabelkürzen verboten?

Der Schnabel beim Geflügel ist ein sehr empfindliches Tastorgan. Wird dieser gekürzt, kann es zu Nervengeschwulsten kommen – oft verbunden mit starken und lang anhaltenden Schmerzen. "Dieses Tierleid müssen wir verhindern. Daher haben wir diese grausame Praxis zum Jahresende verboten", so Meyer.

Wie ist Schnabelkürzen bundesweit geregelt?

Niedersachsen hatte 2014 als Deutschlands Eier-Erzeugungsland Nr.1 neben dem rechtlichen Verbot mit dem Handel vereinbart, dass dieser bundesweit beim Ausstieg mitmacht. Die Bundesregierung hatte trotz Drängen der Länder auf eine einheitliche rechtliche Regelung im Tierschutzgesetz verzichtet. Im Juli 2015 verpflichtete sich jedoch der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einer freiwilligen Vereinbarung zum Verzicht auf das Schnabelkürzen in Deutschland. Seit gestern 2017 sollen deutschlandweit keine schnabelgekürzten Junghennen mehr eingestallt werden. Neben Niedersachsen ist das Schnabelkürzen auch in Mecklenburg-Vorpommern nun verboten.

Wie wird das Schabelkürzen-Verbot umgesetzt?

Seit 2013 schult und begleitet das Land Niedersachsen die Betriebe bei dem Verzicht den Eingriff bei kleinen Küken. Die niedersächsischen Landwirte zeigten laut Ministerium inzwischen, dass es durch eine Anpassung der Haltungsbedingungen, insbesondere mit viel Beschäftigungsmaterial im Stall, sowie durch eine gute Betreuung auch bei ganzen Schnäbeln nicht zu massenhaftem Federpicken oder Kannibalismus kommt.

Wie honorieren Verbraucher das Verbot?

Seit 2014 wurden Eier von Hühnern mit ungekürzten Schnäbeln aus einem vom Land geförderten Modellprojekt der Universität Osnabrück und der Tierärztlichen Hochschule Hannover bei REWE und EDEKA mit gutem Erfolg verkauft.

Seit Sommer 2016 hatten mehr als 90 Prozent der Legehennenhalter in Niedersachsen nur noch Hühner mit ungekürzten Schnäbeln in ihren Betrieben eingestallt, wie eine Umfrage des Ministeriums bei den Brütereien ergab. „Ich setze darauf, dass der Handel die zu erwartenden Mehrkosten von drei bis vier Cent pro Ei an die Landwirte weiterleitet und dass er wie angekündigt keine Eier von Hühnern mit gekürzten Schnäbeln etwa aus dem Ausland mehr anbietet“, so Meyer.

Mit Material von Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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