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Tierseuche

9 Fakten zur Vogelgrippe

Symbolbild © agrarfoto.com
von , am
25.11.2016

Was genau hat es mit der Vogelgrippe auf sich? Wie muss ich mich als Geflügelhalter verhalten? Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie hier.

1. Was ist Vogelgrippe?

Die klassische Geflügelpest ist eine besonders schwer verlaufende Form der Aviären-Influenza (Vogelgrippe). Sie wird durch ein Influenza-A-Virus verursacht, das in der klassischen Form überwiegend Hühner und Puten, aber auch Wassergeflügel wie Enten und Gänse befällt.

Auch andere Geflügelarten können befallen werden, jedoch ist bei ihnen der Verlauf der Krankheit nicht so rasant und weniger schwerwiegend. Bei Hühnern und Puten führt die Krankheit nach wenigen Tagen zum Tod.

Es gibt niedrig- und hochpathogene Varianten und verschiedene Subtypen der Vogelgrippe. Besonders aggressiv sind die Stämme des Subtyps H5 und H7. Sie verfügen über hochgradig pathogene (krankmachende) Eigenschaften. Die anderen zur Zeit bekannten Erreger (etwa 16 Subtypen) sind nicht so aggressiv und führen zu einem milderen Krankheitsbild.

2. Woher stammt die Vogelgrippe?

Die seit 2004 in Asien grassierende Vogelgrippe hat einen Influenza-A-Virus vom Subtyp H5N1 hervorgebracht, der scheinbar seinen Ursprung in Thailand hat und sich schnell in China ausbreitete. Der Virus wird durch Zugvögel weiter verbreitet.

Im Januar 2014 ist eine besonders aggressive (HPAI-) Variante des Subtyps H5N8 erstmals in Südkorea aufgetreten. Die hochpathogene Variante trat in Deutschland erstmals Anfang November 2014 in einem Mastputenbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern auf.

Es ist davon auszugehen, dass Wildvögel den Erreger nach Deutschland brachten. Epidemiologen des Friedrich-Loeffler-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, untersuchen neben den Eintrag durch Wildvögel auch den Waren- und Tierverkehr.

3. Wer kann sich mit Vogelgrippe anstecken?

Da es sich in erster Linie um eine Vogelkrankheit handelt, wird die Krankheit von kranken Vögeln auf andere Vögel mit deren Ausscheidungen (Kot) weitergegeben. Sie kann aber auch von bereits verstorbenen Vögeln über Aasfresser übertragen werden.

Die Ansteckungsgefahr beim Menschen hängt vom Erreger ab, ist aber aktuell als gering einzuschätzen. Trotzdem sind schon Menschen an der Vogelgrippe gestorben (siehe Punkt 8). Die Medizin geht davon aus, dass Säugetiere und Menschen sehr große Virusmengen aufnehmen müssen, um sich zu infizieren. Zudem hatten die meisten der an Influenza erkrankten Menschen engen Kontakt zu krankem oder verendetem Geflügel

4. Wie erfolgt die Ansteckung bei den Tieren?

  • Alle Ausscheidungen, Körperflüssigkeiten und das Blut sind infektiös, da diese Materialien massenhaft Viren enthalten.
  • Die Ansteckung erfolgt im Regelfall von Tier zu Tier.
  • Virusverschleppung durch Stallfliegen, Menschen, Zugvögel usw. ist möglich.
  • Häufig sind unbelebte Vektoren wie Transportkisten, Gerätschaften und Fahrzeuge an der Ausbreitung beteiligt.
  • Staubpartikel, die mit Virusmaterial verseucht sind, spielen bei extremen Seuchenaufkommen eine Rolle.
  • Die Übertragung von der Henne auf die Eier ist eher unwahrscheinlich, da die Tiere nicht lang genug überleben. 

5. Wo besteht erhöhtes Ansteckungsrisiko mit Vogelgrippe?

In Ballungsgebieten für Vögel, wie Geflügelfarmen, Ausstellungen oder auf Märkten ist das Risiko für den Ausbruch einer Seuche besonders hoch. Kommen eine hohe menschliche Populationsdichte und vor allem schlechte hygienische Bedingungen hinzu, ist eine Kombination mit einem Influenzavirus des Menschen sehr wahrscheinlich. 

6. Welche Symptome zeigen an Vogelgrippe erkrankte Tiere?

  • Die Inkubationszeit bei den hoch akuten Fällen der Hühnerpest beträgt nur 18 bis 36 Stunden mit deutlichem Rückgang der Wasser- und Futteraufnahme.
  • Die Legeleistung fällt aus, und es treten plötzliche Todesfälle auf.
  • Bei weniger akuten Fällen treten nach einer Inkubationsphase von 3 - 7 Tagen Fressunlust, wässriger Durchfall, Kropf-, Kamm- und Gliedmaßenschwellungen auf.
  • Entzündungen der oberen Atemwege, wie Bindehautentzündung sowie Veränderungen in den Nasenhöhlen, Nebenhöhlen, Bronchien, Luftsäcken und Lungen, sind zu beobachten.

7. Was ist beim Monitoring im Stall zu beachten?

Treten innerhalb von 24 Stunden in einem Geflügelbestand Verluste von

  • mindestens drei Tieren bei einer Bestandsgröße von bis zu 100 Tieren oder
  • mehr als zwei vom Hundert der Tiere des Bestandes bei einer Bestandsgröße von mehr als 100 Tieren auf oder
  • kommt es zu einer erheblichen Veränderung der Legeleistung oder der Gewichtszunahme

so hat der Tierhalter unverzüglich durch den Tierarzt die Ursache feststellen zu lassen. Dabei ist immer auch auf Influenza-A-Virus der Subtypen H5 und H7 zu untersuchen. Die Vogelgrippe-Diagnose kann nur von einem Tierarzt oder Pathologen gestellt werden.

8. Besteht durch die Vogelgrippe eine Gefahr für den Menschen?

  • Am hochpathogenen Erreger H5N1 erkrankten laut WHO seit 2003 weltweit rund 850 Menschen, etwa 450 starben. Für den hochpathogenen Erreger H5N8 sind bislang weltweit keine Erkrankungsfälle bekannt. Die niedrigpathogene Variante H7N9 bleibt im Geflügel lange unauffällig, kann aber beim Menschen zu Erkrankungen und Todesfällen führen. Seit 2013 wurden weltweit knapp 800 erkrankte Menschen registriert, mehr als 300 starben an H7N9.
  • Generell gilt, dass aviäre Infuenzaviren (alle Typen) ausgesprochen empfindlich gegenüber hohen Temperaturen sind, daher gelten gut durcherhitzte Lebensmittel als unbedenklich. Durchgegart ist Fleisch dann, wenn für mindestens zwei Minuten eine Kerntemperatur von 70 °C erreicht wird. 
  • Weitere Informationen zum Verzehr von Geflügelfleisch und -produkten sowie zu beachtenden Hygienevorschriften hält das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereit.

 

 

9. Welche Verodnung greift bei einem Seuchenausbruch?

Grundlage für die Bekämpfung der Geflügelpest in Deutschland ist die Geflügelpest-Verordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Mai 2013 (BGBl. I S. 1212), die durch Artikel 29 der Verordnung vom 17. April 2014 (BGBl. I S. 388) geändert worden ist.

Darin werden unter anderem die amtliche Erkennung, Schutzmaßnahmen, die Einrichtung von Sperr- und Beobachtungszonen und weiteres bei einem möglichen Seuchenausbruch geregelt.

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