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Kükentöten

Aldi schafft das Kükentöten ab – stimmt das?

Ein geschlüpftes Küken im Ei
am Dienstag, 14.04.2020 - 12:50 (1 Kommentar)

Bis 2022 will Aldi deutschlandweit das Töten von männlichen Küken beenden – mithilfe von technischen Verfahren. Bioverbände stemmen sich dagegen. Was ist dran an dem Vorhaben?

„Pro Jahr werden allein in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken getötet. Denn die männlichen Tiere legen keine Eier und setzen bei der Mast zu wenig Fleisch an“, schreibt Aldi in einer Pressemitteilung. Diese Vorgehensweise stehe seit Jahren in der Kritik.

Aldi will das Töten von männlichen Küken beenden, wie agrarheute berichtete. Möglich machen sollen das technische Verfahren, die das Geschlecht in den ersten Bruttagen im Ei bestimmen. Bis 2022 will der Discounter deutschlandweit die gesamten Lieferketten für seine Eier umstellen.

Auch Rewe will sein Angebot an "Eiern ohne Kükentöten" massiv ausweiten.

Bioverbände stemmen sich gegen Geschlechtsbestimmung

Bioland und Demeter stemmen sich gegen die frühzeitige Geschlechtsbestimmung im Ei. „Anstatt Millionen von Euro in die Geschlechtsbestimmung im Ei zu stecken, müssen vielmehr Millionen von Küken aufgezogen werden“, sagt Stephanie Strotdrees, Vizepräsidentin Bioland e.V. „All die Verfahren verlagern das Problem nur, anstatt es zu lösen."

Es gebe Alternativen zum Kükentöten. Und zwar das Zweinutzungshuhn und die Bruderhahn-Aufzucht. Demeter-Vorstand Alexander Gerber ergänzt: „Statt die Küken nun einfach etwas früher zu töten, indem die männlichen Embryonen geschreddert werden, brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der Tierwohl, regionale Wertschöpfungsketten auch beim Futter und nachhaltigen Konsum verbindet.“

Aldi-Kampagne: Gefahr der Verbrauchertäuschung

Aldi Kampagne: Aldi schafft das Kükentöten ab

Bezugnehmend auf die aktuelle Aldi-Kampagne warnt Strotdrees: „Die Verbraucher dürfen sich jetzt nicht von den großen Handelsketten täuschen lassen. Was auf den ersten Blick nach Tierwohl klingt, ist in Wahrheit ein Kükentöten in anderem Gewand.“

Alle aktuell verfügbaren Selektionsverfahren würden im Ei zu einem Zeitpunkt eingreifen, zu dem das Schmerzempfinden der Küken bereits ausgebildet sei. Die Vermarktung mit der Beschreibung „ohne Kükentöten“ sei daher hochgradig irreführend. „Einen Eierkonsum ohne Kükentöten gibt es nur mit Hahnenaufzucht“, sagt Strotdrees.

Bioverbände: Hahn und Henne aufziehen

Für ihr gemeinsames Ziel haben Bioland und Demeter 2015 die gemeinnützige Ökologische Tierzucht GmbH (ÖTZ) gegründet. „Mit der ÖTZ haben wir die Züchtung des Ökohuhns der Zukunft auf den Weg gebracht. Hier werden beide Tiere aufgezogen: Hahn und Henne!“, so Gerber.

„Während die Geschlechtsbestimmung im Ei die Symptome einer Marktentwicklung ausmerzen möchte, die von der Gesellschaft nicht mehr toleriert werden, wie nun das Kükentöten, stellt die Ökotierzucht die Systemfrage. Wir wollen eine in sich stimmige Geflügelhaltung. Artgerecht, natürlich Bio und mit einer Zucht in Bauernhand.“

Mast der Bruderhähne: 4 Cent mehr pro Ei

Seit rund zehn Jahren treten einige Initiativen dafür ein, die Brüder der Legehennen als sogenannte Bruderhähne aufzuziehen und zu mästen. Etwa die Bruderhahninitiative Deutschland (BID) und der „Stolze Gockel“ von Peter Schubert.

In beiden Projekten werden die Hähne 18 bis 20 Wochen gemästet. Mittlerweile gibt es eine breite Palette an Bruderhahn-Produkten. In beiden Projekten wird die Mast der Hähne durch einen Zuschlag auf die Eier von rund 4 Cent pro Ei subventioniert.

Neben den Bruderhahn-Produkten im breiten Handel bieten immer mehr direktvermarktende Legehennen-Halter ganze Hähnchen und Teilstücke in ihren Hofläden und im Naturkosthandel an.

Mit Material von Age, Demeter, Aldi

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