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Geflügel

Antibiotika-Studie: Abschlussbericht liegt vor

von , am
04.04.2012

Die Überprüfung der Studie hat einen Fehler im Ergebnis bestätigt. Das NRW-Landesumweltamt hat die Zahl nach unten korrigiert. Neun von zehn Masthühnern wurden mit Antibiotika behandelt.

Masthühner, die an Botulismus erkrankt sind, müssen gekeult werden. © Mühlhausen/landpixel
Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat heute den Abschlussbericht zur umstrittenen Antibiotika-Studie vorgelegt. Die bereits im November 2011 veröffentlichten Ergebnisse wurden von Wissenschaftlern des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) angezweifelt. Daraufhin hatte das Ministerium das LANUV mit einer Überprüfung der Studie beauftragt. Die Untersuchung ist jetzt abgeschlossen und hat bestätigt, dass "ein methodischer Zuordnungsfehler von Mastdurchgängen dazu führte, dass eine geringfügig zu hohe Zahl von Masthühnern angesetzt wurde, die mit Antibiotika behandelt wurden", so das Landesumweltamt.
 
Nicht 96,4 Prozent, sondern 92,5 Prozent der Tiere aus den untersuchten NRW-Betrieben seien mit Antibiotika behandelt worden. "Neun von zehn Masthühnern kamen nach unserer ersten Vollerhebung während ihrer Mastdauer in Kontakt mit Antibiotika. Auch die neuerliche Überprüfung bestätigt dies. Daher müssen wir feststellen: Es gibt ein massives Antibiotika-Problem in der Tiermast", sagte NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel nach Erhalt des Abschlussberichtes.

Ergebnisse der überprüften Studie

  • 92,5 Prozent der Tiere aus den untersuchten Beständen erhielten Antibiotika.
  • Die antibiotikafreie Hähnchenmast wurde nur bei 16 Prozent aller Mastdurchgänge festgestellt. In 84 Prozent der Mastdurchgänge erfolgte der Einsatz von Antibiotika. Dies entspricht insgesamt 91,6 Prozent behandelter Tiere und 8,4 Prozent unbehandelter Tiere.
  • Über die Lebensdauer der Tiere kamen eine Vielzahl von Wirkstoffen zum Einsatz, teilweise bis zu acht verschiedene Antibiotika. Im Durchschnitt wurden 3,4 verschiedene Wirkstoffe pro behandelten Durchgang verabreicht.
  • Die Behandlungsdauer betrug bei 40 Prozent der Behandlungen nur ein bis zwei Tage je Wirkstoff und lag damit außerhalb der Zulassungsbedingungen. In Einzelfällen wurde eine gesamte Behandlungsdauer von maximal 24 Tagen festgestellt. Im Durchschnitt wurden den behandelten Tieren 7,6 Tage lang Antibiotika verabreicht.
  • Bei kleineren Betrieben (weniger als 10.000 Tiere) und bei besonders langer Mastdauer (über 45 Tage) wurde gegenüber dem Durchschnitt ein erheblich geringerer Antibiotikaeinsatz festgestellt.

Hintergrund der Studie

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hatte im Auftrag des NRW-Verbraucherministeriums im Zeitraum März bis Juni 2011 insgesamt 984 Hähnchenmastdurchgänge aus NRW-Betrieben auf den Einsatz von antimikrobiellen Substanzen untersucht. Dazu lagen Daten der Gesundheitsbescheinigungen vor. Jede Bescheinigung beschreibt einen Mastdurchgang. Nur wenn die Daten der Gesundheitsbescheinigungen den Betrieben eindeutig zugeordnet werden konnten, flossen die Ergebnisse in die betriebsbezogenen Auswertungen ein, so dass dabei 832 Mastdurchgänge aus 184 Betrieben Berücksichtigung fanden. Es ist bundesweit die erste Studie zum Einsatz von Antibiotika in der Tiermast.

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