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Aufreger Tierkadaver-Kontrolle: "Wer soll das bezahlen?"

Kadaverbox und Schubkarre
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Katharina Krenn, agrarheute
am
13.09.2016

Niedersachsens Agrarminister Meyer will eine behördliche Untersuchung von Tierkadavern durchsetzen. Doch „wer soll das bezahlen?“ rufen die Landwirte empört.

In Niedersachsen sollen Tierkadaver in Zukunft untersucht werden, um mögliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aufzudecken. Landwirtschaftsminister Christian Meyer will einen entsprechenden Gesetzesentwurf auf den Weg bringen. Das ruft bei den niedersächsischen Landwirten Unmut hervor. In Süddeutschland ist die Untersuchung dagegen schon gängige Praxis.

Kontra Tierkadaver-Untersuchung

Auf den Artikel zu dem Vorstoß Meyers gab es auf der agrarheute-Facebook-Seite viele Kommentare. Die meisten davon kritisch. Insbesondere die wirtschaftlich gebeutelten Tierhalter sehen sich unverstanden in ihrer Not und stellen die Frage: „Wer soll die Kosten übernehmen bei dem Milchpreis“, „Aufwand, Kosten, Papierkram...wer soll das stemmen ?“  Ein weiterer User schreibt: „Es geht nur darum Skandale und Vergehen zu finden, um den medialen und psychischen Druck auf die Landwirte zu erhöhen.“

Pro Tierkadaverkontrolle

Die Haltungsexpertin Mirjam Lechner von stallaktiv.de meldete sich auch zu Wort: „Der Hr. Meyer spinnt nicht - sondern er bekommt nur mit, was schon längst auf Amtstierärztlichen Tagungen diskutiert wird. In Österreich bis in Süddeutschland finden solche Screenings schon längst statt. In der Tierkörperbeseitigung (TBA) werden jetzt schon stichprobenartig Tiere untersucht."

Lechner verweist auf das Ergebnis einer österreichische Studie (Diplomarbeiten), bei der Tierkadaver nach tierschutzrechtlichen Aspekten untersucht wurden.

"Von 1.070 gefallenen Rindern zeigten 134 Kadaver (12,5%) Auffälligkeiten. Mehr als ein Jahr alte Rinder waren dabei häufiger betroffen (41 %) als Jungtiere (3%). Bei 100 Rindern (9,3%) wurde Wundliegen festgestellt und zwar in jedem 2. Fall hochgradig. Hinzu kamen hochgradig abgemagerte oder stark verschmutzte Tiere und solche mit pathologischen Klauenveränderungen. Bei den insgesamt untersuchten 987 Schweinen wurden bei 203 (21 %) pathologische Veränderungen festgestellt", fasst Thomas Wengenroth die Ergebnisse der Studie zusammen.

"Bei den insgesamt untersuchten 987 Schweinen wurden bei 203 (21 %) pathologische Veränderungen festgestellt. 33 % der Sauen und 20 % der Mastschweine zeigten Auffälligkeiten, am häufigsten Bissverletzungen an Schwanz und Ohren. 80 (8,1 %) Tiere Dekubitalgeschwüre, 30 (3,0 %) Gewebsschwellungen, 14 (1,4 %) Klauenschäden und 6 (0,6 %) hochgradige Abmagerung."

Tiertransporte: Tierschutzverstöße in Bildern

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