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Wolf

Bauernbund plant Musterprozess: Wolfsabschuss aus Notwehr

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Katharina Krenn, agrarheute
am
22.05.2018

Wölfe, die ein Tier von besonderem materiellen oder ideellen Wert angreifen, dürfen als letzte Möglichkeit in Notwehr getötet werden, so das Ergebnis eines Rechtsgutachtens.

Laut einem Rechtsgutachten, dass die Kanzlei Kubicki und Schöler für den Brandenburger Bauernbund erstellt hat, könne ein Wolf unter gewissen Umständen getötet werden. Die Rechtsexperten beziehen sich dabei auf § 34 StGB, demnach der Fall der Notwehr greift, wenn eine nicht abzuwendende Gefahr für das Eigentum besteht, sprich, wenn ein Wolf zum Angriff ansetzt und andere Mittel wie Vergrämen nicht zielführend sind.

Dies gelte jedoch nur für Tiere mit besonderem ideellen oder materiellen Wert. Darunter fallen Tiere mit einer besonderen Beziehung zum Mensch oder Zuchttiere mit hohem materiellen Wert, heißt es in dem Gutachten.

Bauernbund übernimmt Prozesskosten

"Wer zum Beispiel ein wertvolles Zuchttier verteidigt, geht nach unserer Rechtsauffassung straffrei aus", sagte Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung auf einer Pressekonferenz in Leibsch im Spreewald und kündigte an, dass der Bauernbund den ersten Landwirt oder Jäger, der deswegen angeklagt werden sollte, die Prozesskosten bezahlen wird. Die Verteidigung in diesem Fall würde der Strafrechtler Wolfgang Kubicki übernehmen, der für eine sorgfältige Abwägung plädierte: "Der Schutz für den Wolf hat einen sehr hohen Stellenwert und rechtfertigt keine Notwehr bei Tieren, die leicht zu ersetzen sind. Anderes gilt jedoch für Tiere von besonderem Wert."

Voraussetzung für Straffreiheit

In der Praxis dürfte sich dieser Wert vor allem auf Einzeltiere von Landwirten beziehen, die ihre Nachzucht nach begründeten betriebsspezifischen Kriterien auswählen und selbst aufziehen. "Wird ein solches Tier angegriffen, reagiert der Wolf nicht auf Schüsse in die Luft und kann die Notwehr von einer weiteren Person bezeugt werden, muss der Tierhalter nicht mehr tatenlos zusehen, wie sein Eigentum vom Wolf gerissen wird", argumentiert Frank Michelchen, Biobauer aus Leibsch und Wolfsbeauftragter des Bauernbundes, der bereits drei Kälber verloren und deshalb inzwischen seinen Jagdschein gemacht hat: "Diese rechtliche Klarheit hätten wir uns eigentlich von der Wolfsverordnung der Landesregierung gewünscht. Aber wir sind auch bereit, sie in einem Musterprozess zu erstreiten."

Mit Material von Bauernbund Brandenburg
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