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Geflügel

Bauernverbände: Verursacher müssen für Schaden eintreten

von , am
04.01.2011

Berlin/Hannover/Bienenbüttel - Auf die jüngste Dioxinverseuchung von Tierfutter nach der Verwendung ungeeigneter Mischfettsäure durch den Hersteller reagieren die Bauernverbände mit der Forderung nach lückenloser Aufklärung.

© agrarfoto.com

In der vergangenen Woche war in zwei nordrhein-westfälischen Betrieben Dioxin in Eiern und Hühnerfleisch gefunden worden. Den verseuchten Futterfetten sind auch die Behörden in Sachsen-Anhalt auf der Spur. Dort sollen entsprechende Fette mit 1.000 Tonnen Futtermitteln für Schweine und Geflügel vermischt worden sein.

DBV: Wir erwarten lückenlose Aufklärung 
   
Angesicht der Funde von Dioxin in Futtermitteln betont der Deutsche Bauernverband (DBV) die Wichtigkeit einer kettenübergreifenden Qualitätssicherung von der Stufe der Futtermittlerherstellung bis in die Ladentheke. Die Rückverfolgbarkeit und der Informationsfluss innerhalb des QS-Systems habe gegriffen. Dadurch seien die Abnehmer unmittelbar informiert, fragliche Rohwaren und hergestellte Mischfuttermittel sofort gesperrt worden. Dennoch müsse verhindert werden, dass landwirtschaftliche Betriebe durch Vermarktungsverbote in Existenz bedrohende Situationen kommen. Verursacher haben ohne wenn und aber für den  entstandenen Schaden einzutreten, erklärte der DBV.

Nach der Sperrung von rund 1000 Höfen in Niedersachsen wegen der Gefahr dioxinbelasteter Futtermittel hält der Deutsche Bauernverband einen Millionenschaden für möglich. «Wir reden über eine Sperrung von vielleicht einer Woche. Das tut weh. Das sind sehr schnell 10.000 oder 20.000 Euro Umsatz weniger in einem landwirtschaftlichen Betrieb», sagte Generalsekretär Helmut Born. Der Verband weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Untersuchung von Einzel- und Mischfuttermitteln auf Dioxin fester Teil des QS-Futtermittelmonitorings ist. Auch der schleswig-holsteinische Futtermittelbetrieb hatte durch Eigenkontrolle die überhöhte Dioxinbelastung festgestellt.

Landvolk Niedersachsen: Hersteller muss entstandene Kosten übernehmen

Eine lückenlose Aufklärung der Dioxinbelastung in Futtermitteln und die Übernahme aller Kosten, die den Landwirten durch die belasteten Lieferungen entstanden sind, fordert das Landvolk Niedersachsen. „Unsere Landwirte müssen als Käufer von Mischfutter auf einwandfreie Lieferungen vertrauen können“, verdeutlichte Landvolk-Präsident Werner Hilse. Den gesperrten Betrieben entstünden zusätzliche Belastungen durch Laboranalysen und längere Mastzeiten. Im schlimmsten Fall seien ganze Betriebe in ihrer Existenz gefährdet, wenn sie schlachtreife Tiere nicht vermarkten oder bereits ausgelieferte Tiere verwerfen müssten.

„Unsere Landwirte akzeptieren die strengen Regeln des Verbraucherschutzes und treffen die größtmögliche Vorsorge. Sie dürfen aber nicht für Unregelmäßigkeiten bei den Vorlieferanten in Haftung genommen werden“, sagte Hilse. Das Landvolk erwartet vom Land eine Koordination aller verfügbaren Untersuchungskapazitäten. So sollen die betroffenen Betriebsleiter möglichst rasch Klarheit darüber erhalten, ob das Vermarktungsverbot für ihre Produkte tatsächlich gerechtfertigt ist.

Allen betroffenen Landwirten empfiehlt der Verband, juristische Beratung einzuholen. Als Konsequenz aus diesem beispiellosen Fall fordert Hilse noch mehr Transparenz und Sicherheit bei den Vorlieferanten in der Futtermittelwirtschaft. So können zukünftig Schäden bei allen Beteiligten in der tierischen Erzeugung vermieden werden.

AbL: Positivliste von Mischfutter-Rohstoffen wesentlich enger fassen

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert einen vollständigen Schadenersatz für die betroffenen Landwirte. Nach Meinung des Verbandes mische eine extrem kostenminimierendere Futter-Industrie eine Unzahl von oftmals zweifelhaften Kompenenten zusammen und sei wegen der verschlungenen Wege dieser chemischen Zutaten kaum noch kontrolliertbar. AbL-Sprecher Eckehard Niemann forderte im Interesse von Verbrauchern und Landwirten eine klare und wesentlich enger gefasste Positivliste von Rohstoffen, die in Mischfutter Verwendung finden dürften. Diese Inhaltsstoffe müssten in einer „offenen Deklaration“ auch mengenmäßig klar angegeben werden. Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf sieht aber auch die Bauern in der Pflicht. Zu der von der Gesellschaft zu recht geforderten tiergerechten Haltung auf bäuerlichen Höfen gehöre auch eine tiergerechte Fütterung, z.B. durch selbst erzeugte Futtermittel, durch einheimisches Getreide und einheimische Eiweißfuttermittel.  

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