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Tierschutz

Bayern: Diese Betriebe werden zukünftig strenger kontrolliert

tierarztkontrolle beim rind
am Montag, 29.07.2019 - 14:00 (2 Kommentare)

Nach einem Fernsehbericht über schwere Tierschutzverstöße eines Allgäuer Milchviehbetriebs plant die bayerische Landesregierung die Kontrollen für landwirtschaftliche Großbetriebe zu verschärfen.

Aufgrund der jüngsten Vorfwürfe wegen schwerer Tierschutzverstöße gegen einen Allgäuer Milchviehbetrieb mit 1.800 Kühen, wie agrarheute berichtete, hat die bayerische Landesregierung Konsequenzen gezogen. Landwirtschaftliche Großbetriebe sollen zukünftig strenger überwacht werden. Der für Tierschutzfragen zuständige Umweltminister Thorsten Glauber kündigte vergangene Woche (25.07.19) bei einer Sondersitzung im Umweltausschuss des Landtags eine Neuorganisation der Überwachung der 85 großen Rinder- und Schweinezuchtbetriebe im Freistaat an. Zukünftig soll für diese Betriebe dieselbe Spezialbehörde zuständig sein, die bereits große Lebensmittelfirmen und Geflügelhaltungen kontrolliert. Aus diesem Grund soll die Behörde ausgebaut werden. Geplant sind zwei neue Standorte und die Einstellung von 25 zusätzlichen Mitarbeitern. Der Minister betonte, dass eine neue Qualität bei Tierschutzkontrollen erforderlich sei.

Opposition wirft der Staatsregierung wiederholtes Versagen vor

Die SPD warf der Regierung wiederholtes Versagen vor. Auch die FDP forderte effizientere Kontrollmechanismen. Hierbei wäre der Einatz digitaler, datengestützter Technologien zur Kontrolle der Sicherheit ein wichtiger Schritt. Die Grünen bezeichneten die angekündigte Maßnahme als einen „Tropfen auf dem heißen Stein“.

Das für die Kontrollen des Milchviehbetriebs zuständige Landratsamt Unterallgäu stellte in einer Stellungnahme fest, dass die gezeigten Bilder erschütterten. Die Bilder machten betroffen, weil diese nicht zu dem Gesamteindruck passten, den „wir bei unseren Kontrollen von dem Betrieb gewonnen haben“.

Versteckte Kameras sind nicht zulässig

Landrat Hans-Joachim Weirather erklärte, er könne nachvollziehen, dass jemand, der nur die heimlich aufgenommen Filmsequenzen kenne, angewidert und wütend sei und in der Folge auch die Arbeit eines Veterinäramts kritisch hinterfrage. Mit versteckten Kameras zu arbeiten, sei für ein Veterinäramt keinesfalls zulässig. „Deshalb können wir uns nur persönlich ein Bild von der Viehhaltung vor Ort machen“, betonte Weirather und stellte klar, „so traurig dies ist: Wir können nicht verhindern, dass Tiere auch in unserem Landkreis in unbemerkten Momenten gequält werden.“ Tierärzte dürften nur in begründeten Fällen, wenn davon auszugehen sei, dass Gefahr in Verzug sei, einen Stall ohne den Tierhalter betreten. Aktuell gehe es in erster Linie darum, dass die Tiere des betroffenen Betriebs gut versorgt seien, unterstrich der Landrat. Dies werde auch weiter überwacht. Die strafrechtliche Aufarbeitung der Vorkommnisse würden Polizei und Staatsanwaltschaft übernehmen.

Das Modell landwirtschaftlicher Großbetriebe vielleicht überholt?

Der verbraucherpolitische und der umweltpolitische Sprecher der Fraktion der Freien Wähler (FW), Hans Friedl und Benno Zierer, begrüßten die von ihrem Parteikollegen Glauber angekündigte stärkere Überwachung von Agrargroßbetrieben. „Nur gesundes Milchvieh erzeugt gesunde Lebensmittel - deshalb  gehört das Tierwohl in den Mittelpunkt aller weiteren Überlegungen“, erklärte Friedl. Nach seiner Ansicht muss man sich Gedanken machen, „ob Betriebe mit 3.500 Stück Milchvieh nicht überholt sind“. Ähnlich äußerte sich Zierer: „Der Tierschutz bleibt auf der Strecke, wenn landwirtschaftliche Betriebe zu groß werden; hier fehlt die persönliche Bindung zum Tier“. Er vertraue jedoch den Tierärzten, solche Fälle aufzudecken, sagte der FW-Abgeordnete. Mitarbeiter landwirtschaftlicher Großbetriebe müssten so qualifiziert ausgebildet sein, dass sie ihre Arbeit verantwortungsvoll und stets in vollem Einklang mit dem Tierschutz verrichteten.

Mit Material von AgE
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