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Geflügel

Betrug: Neuland zieht Konsequenzen

© reises/fotolia
von , am
30.04.2014

Bonn - "Wir tragen eine Verantwortung für die jetzt offenbar gewordenen Kontroll- und Sanktionslücken", erklärt Neuland. Aus dem bekannt gewordenen Betrug zieht der Verein (personelle) Konsequenzen.

Die Geflügelfleischproduktion hat in den ersten fünf Monaten dieses Jahres zugelegt. © Mühlhausen/landpixel
Im Skandal um falsch ausgezeichnetes Geflügelfleisch hat der Verein Neuland letzte Woche eine Sonder-Vorstandssitzung einberufen. Wie der "Verein für tiergerechte und umweltschonende Tierhaltung in der Landwirtschaft" selbst berichtet, will er sich intensiv mit den Vorwürfen gegen einen Hähnchenbetrieb befassen, der nicht den Richtlinien entsprechenden Lieferungen an die Neuland-Vermarktungs GmbH Bad Bevensen (Niedersachsen) geleistet hat.
 
Den Betrug werde der Verein mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mittel ahnden. In der Sitzung habe man sich außerdem auf erste Maßnahmen geeinigt. Personelle Konsequenzen folgten.

Den einen abgewählt, den anderen freigestellt

Wie der "Weser-Kurier" Ende der Woche schrieb, haben die Landwirte als Gesellschafter der Neuland-Vermarktungsgesellschaft Nord in Bad Bevensen den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Andreas Engel vom Amt abgewählt.
 
An dem Geschäftsführer Thomas Strauß ist in der Sitzung der Kelch vorübergezogen. Ihm erteilten die Landwirte am Donnerstag noch Entlastung. Doch nach Bericht der Tageszeitung habe der Vereinsvorstand in einer anschließenden Krisensitzung beraten. Herausgekommen ist, dass der Vorstand den neuen Aufsichtsrat mit einem Brief auffordert, Strauß "umgehend - mindestens bis zum Ende der lückenlosen Aufklärung - von seinen Aufgaben freizustellen".

Neuland schnürt Maßnahmenpaket

Außerdem will der Verein betriebliche Maßnahmen ergreifen. Neuland spricht von höhere Kontrolldichten und lückeloser Kontrolles des Warenflusses. Ein besonderes Augenmerk liege auf den Stufen von der Erzeugung bis zur Warentheke.

Zusätzlich spricht Neuland geschlossene Kreisläufe an. Das heißt, der Zukauf von Küken, der in diesem Falle als Lücke identifiziert wurde, soll vermieden werden. Stattdessen will der Verein die Aufzuchtkapzitäten auf den Neuland-Betrieben steigern.
 
Ferner fordert der Vereinsvorstand das Aufsichtsratsgremium auf, eine unabängige Überprüfung der Vermarktungs GmbH zu beantragen.

Neuland verkauft - konventionell erworben

Ein Geflügelhalter aus dem niedersächsischen Wietzen soll jahrelang Tiere aus konventioneller   Haltung eingekauft, geschlachtet und als Neuland-Fleisch vermarktet haben. Der Lieferant habe damit Hunderttausende von Euro verdient, hieß es nach Bekannwerden der Vorwürfe.
 
Fleisch mit dem Neuland-Siegel steht für eine besonders artgerechter Tierhaltung. Die Ware ist teuer als konventionelle Produkte.
 
Der Verein hat eine Betrugsanzeige bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen den Landwirt gestellt.
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