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Schweiz

Branchen-Meldeplattform für Tierschutzverstöße – eine gute Idee?

Verschmutzte Rinder in der Schweiz
am Mittwoch, 22.09.2021 - 13:45 (1 Kommentar)

Die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande bietet eine Online-Plattform, auf der man Tierschutzverstöße melden kann. So soll vermieden werden, dass gleich Behörden oder sogar Medien eingeschaltet werden. Bislang wird die Gelegenheit aber wenig genutzt.

Wo Tiere gehalten werden, gibt es auch immer wieder Verstöße gegen den Tierschutz. Die Gründe sind vielfältig: Überforderung, Krankheit, Unwissen, Gleichgültigkeit.

Und immer wieder gehen solche Fälle zuerst durch die Medien, sorgen dort für Rummel und oft auch für Hassattacken gegen die Tierhalter. Nicht selten kommt am Ende jede Hilfe viel zu spät – für die betroffenen Tiere, aber auch für die Landwirte und ihre Familien.

Melden, um zu helfen, statt anzuprangern

Auch bei unseren Schweizer Nachbarn ist das so. Und auch dort landen derartige Vorfälle oft zuerst in den Medien und es beginnt eine Hetzjagd. Dabei wäre es sehr viel hilfreicher, zunächst gemeinsam mit dem Tierhalter nach einer Lösung zu suchen.

Die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande bietet deshalb seit einem Jahr mit der "Ombudsstelle Tierwohl" eine Online-Plattform, auf der Verdachtsmomente gemeldet werden können – auch anonym.

Behebung der Mängel weitgehend in Selbstverantwortung

Ziel dieser Meldestelle ist es, zunächst ohne Zugriff der Behörden und vor allem ohne Medienrummel zu versuchen, Probleme abzuklären und gemeinsam mit den Betroffenen zu lösen.

Eingegangene Meldung werden von Proviande zügig an die jeweils zuständige Branche (Landwirtschaft, Handel, Schlachtung) weitergeleitet und dort auf die Faktenlage überprüft. Die Definition und Behebung der Mängel erfolgt in Zusammenarbeit mit den betroffenen Betrieben. Behörden sollen nur in Ausnahmefällen zugeschaltet werden (schwerwiegende Mängel, Wiederholungsfälle, Uneinsichtigkeit etc.).

Die Kontrolle der Umsetzung obliegt den Branchenverantwortlichen. Proviande erhält entsprechende Rückmeldungen und entscheidet, ob der jeweilige Fall geschlossen werden kann oder weiterbearbeitet werden muss.

Ombudsstelle wird noch viel zu wenig genutzt

Leider – so das Resümee von Proviande nach einem Jahr Ombudsstelle – wird die Möglichkeit bislang nur wenig genutzt. Noch immer landen Verdachtsfälle auf Tierschutzverstoß vorzugsweise in den Medien. Für die Tierhalter und ihre Tiere ist so meist die Gelegenheit vertan, zügig und ohne Existenzzerstörung für Verbesserungen im Stall und auf der Weide zu sorgen.

Das ist sowohl aus sozialer als auch aus tierschutzrechtlicher Sicht bedauerlich.

Nicht einmal die Tatsache, dass Verdachtsfälle auch anonym gemeldet werden können, hat für mehr Zulauf gesorgt. Deshalb macht Proviande in Fachkreisen noch einmal Werbung für die Ombudsstelle. Es gelte, damit die hohe Wertschätzung, die Schweizer Fleisch genieße, weiter zu unterstützen.

Mit Material von Proviande
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