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Niedersachsen, Landkreis Oldenburg

Corona-Ausbruch bei Wiesenhof in Oldenburg

Geflügel-Schlachthof
am Mittwoch, 24.06.2020 - 09:40 (Jetzt kommentieren)

In einem Wiesenhof-Schlachthof bei Oldenburg haben sich 23 Mitarbeiter nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hat Stellung genommen.

Im Puten-Schlachthof Geestland in Wildeshausen im Landkreis Oldenburg wurden 23 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet. Ab heute (24.06.2020) werden nun alle rund 1.100 Mitarbeiter des Schlachtbetriebs auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet. Die Ergebnisse sollen nach Medienberichten am kommenden Freitag vorliegen.

Zuvor fiel am Montag eine Reihenuntersuchung bei 23 von 50 Mitarbeitern des Schlachthofs positiv aus. Anlass für diese Reihenuntersuchung waren leichte Erkältungssymptome einer Mitarbeiterin. Insgesamt müssen nach Angaben des Landkreises 150 Kontaktpersonen und Arbeitskollegen der betroffenen Werksarbeiter vorsorglich in Quarantäne. Der Puten-Schlachtbetrieb ist Teil der PHW-Gruppe, die unter anderem Geflügelprodukte unter der Marke Wiesenhof vertreibt. 

Wiesenhof-Schlachthof: Corona-Fälle trotz Schutzmaßnahmen

Landrat Carsten Harings (parteilos) zeigte sich gegenüber dem NDR erschrocken über diesen Ausbruch. Zusammen mit dem Unternehmen solle nun alles unternommen werden, um das Virus einzudämmen und die Ursache aufzuklären.

Nach Angaben des Unternehmens seien im Schlachthof alle Corona-Schutzmaßnahmen eingehalten worden. So wurden Mitarbeiter deutlich voneinander getrennt.

Bereits Anfang Juni waren alle Mitarbeiter getestet worden. Dabei wurde nur ein positiver Fall festgestellt. Wie es nun zu der Häufung der Corona-Fälle unter den Mitarbeitern kommen konnte, wird derzeit ermittelt. Der Puten-Schlachtbetrieb wird jedoch vorerst nicht geschlossen.

Otte-Kinast: "Es muss sich etwas ändern in der Schlachtbranche"

Mit großer Sorge hat Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast den Corona-Ausbruch in Oldenburg zur Kenntnis genommen. Sie sagte: "Nun geht es darum, die Gesundheit der weiteren Mitarbeiter zu schützen und das Infektionsgeschehen so wirkungsvoll wie möglich einzudämmen.“ Es sei konsequent und richtig, alle Mitarbeiter des Unternehmens nochmals zu testen. Dass die Mitarbeiter bei einer vorangegangenen Untersuchung negativ getestet wurden, zeige, dass man weiterhin sehr wachsam sein muss.

Weiterhin sagte Otte-Kinast, die Covid-19-Ausbrüche in Verteilerzentren der Logistikbranche und in fleischverarbeitenden Betrieben zeige, welche Gefahren in diesen Pandemiezeiten von einem Arbeitsumfeld mit hoher Personaldichte ausgehen können. Sie erwarte von den Unternehmen der Ernährungsbranche, ihre Pandemiepläne nochmals auf Wirksamkeit zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen bei Abständen der Mitarbeiter, Ausstattung mit Schutzausrüstung und Produktionsabläufen vorzunehmen. „Wenn es in diesen besonderen Zeiten erforderlich ist, in bestimmten Bereichen der Betriebe die Kapazitäten herunterzufahren, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten, dann muss das jetzt geschehen."

Werkverträge sollen zu festen Anstellungen umgewandelt werden

Bezüglich des Themas Werksverträge sagt Otte-Kinast: „Fest steht: Es muss sich etwas ändern in der Schlachtbranche!“ So müsse die derzeitige Praxis der Werkverträge intensiv beleuchtet und auf den Prüfstand gestellt werden. Hierzu hat der zuständige Bund einen Gesetzesvorschlag angekündigt.

Kurz nachdem die Infektionsfälle in dem Puten-Schlachtbetrieb Geestland bekannt wurden, teilte die PHW-Gruppe mit, dass die über "Werkverträge beschäftigten Mitarbeiter in den für die Geflügelfleischerzeugung maßgeblichen Bereichen in ein festes Arbeitsverhältnis" übernommen werden sollen. Die PHW-Gruppe hält eine Mehrheitsbeteiligung an dem Schlachtbetrieb Geestland in Wildeshausen. Nach Angaben des Konzerns sind insgesamt 20 Prozent der Mitarbeiter über Werkverträge bei der PHW beschäftigt.

In den letzten Wochen kam es auch in anderen Schlachthöfen zu massiven Corona-Ausbrüchen. Lesen Sie dazu auch unser Top-Thema: Tönnies, Vion, Westfleisch: Corona setzt Schlachtbranche unter Druck

Mit Material von NDR, ZDF, Spiegel, dpa

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