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Zoonose

Corona bei Nutztieren: Meldepflicht soll Überblick verschaffen

Klöckner und Mettenleiter bei der Pressekonferenz
am Dienstag, 16.06.2020 - 13:45 (Jetzt kommentieren)

Das BMEL plant eine Corona-Meldepflicht bei Haus- und Nutztieren. Sie soll der Erforschung der Krankheit dienen. Entwarnung für die Landwirtschaft: Bislang scheinen Nutztiere nicht infizierbar zu sein.

Wie gestern angekündigt, haben Bundesagrarministerin Julia Klöckner und der Leiter des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für Tiergesundheit, Prof. Dr. Thomas C. Mettenleiter, heute in Berlin Pläne vorgestellt, nach denen Covid-19-Infektionen (SARS-CoV-2) bei Haus- und Nutztieren meldepflichtig werden sollen (agrarheute berichtete vorab).

Hintergrund ist die Tatsache, dass sich auch andere Tiere vom Menschen mit dem ursprünglich höchstwahrscheinlich aus der asiatischen Fledermauspopulation stammenden Virus anstecken können. Bislang sind vor allem Fälle von Katzen bekannt, vereinzelt sind auch Hunde betroffen.

Versuche haben zudem gezeigt, dass Marderartige leicht infiziert werden können, aber nicht erkranken.

Daten sammeln für die internationale Forschung

FLI-Chef Mettenleiter betonte: "Zoonosen sind keine Einbahnstraßen". Bis jetzt sei aber noch relativ wenig darüber bekannt, welche Tierarten für den Erreger empfänglich seien, wie sich die Krankheit unter Tieren verbreite und ob es wiederum auch Rückinfektionen vom Haustier zum Menschen geben könne. Zwar ließe bislang nichts auf letzteres schließen, aber um verlässliche Daten zu sammeln, fordere die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) ihre Mitglieder auf, Tierinfektionen zu erfassen.

Dem wolle man nun mit der geplanten meldepflicht nachkommen, erklärte Ministerin Klöckner. Deshalb liege dem Bundesrat ein Antrag auf eine diesbezügliche Verordnung vor.

Schweine, Hühner und Enten sind nicht empfänglich

Das Friedrich-Loeffler-Bundesinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems bei Greifswald befasst sich intensiv mit Zoonosen und forscht seit Bekanntwerden von Covid-19 auch an SARS-CoV-2.

Dafür gab es unter anderem gezielte Infektionsversuche an verschiedenen Tierarten. Neben Hunden, Katzen und Frettchen wurden auch Nutztiere getestet. Infektionsversuche an Schweinen, Hühnern und Enten erwiesen sich als erfolgslos. Es ist davon auszugehen, dass diese Tierarten für den Erreger nicht empfänglich sind und ihn somit auch nicht verbreiten.

Thomas Mettenleiter bestätigte bei der Pressekonferenz, dass es auf Riems bislang noch keine Untersuchungen an Wiederkäuern vor allem Rindern, aber auch Schafen und Ziegen gegeben habe. Zwar ließen internationale Forschungen vermuten, dass sich auch diese Tierarten nicht infizieren könnten, dennoch werde man beim FLI zeitnah auch Wiederkäuer testen.

Keine Testpflicht für Tierhalter

Eine Verpflichtung, ein erkranktes Haustier (vor allem junge Katzen zeigen ähnliche Atemwegssymptome wie der Mensch) testen zu lassen, besteht für den Halter nicht. Eine Untersuchung empfiehlt sich vor allem in Haushalten mit positiv getesteten oder erkrankten Menschen.

Die Meldepflicht von Positivfällen bei Haustieren wird dem Tierarzt und den betreffenden Ämtern obliegen. Die Verordnung soll innerhalb weniger Tage vom Bundesrat bestätigt werden und dann sofort in Kraft treten.

 

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