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Tierwohl

DAFA: So führt mehr Tierwohl nicht zur Abwanderung ins Ausland

Ferkel auf Stroh
am
16.08.2019
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Hohe Tierwohlstandards in Deutschland müssen nicht zur Produktionsverlagerung ins Ausland führen - wenn die Politik mitspielt. Diese Meinung vertritt die Deutsche Agrarforschungsallianz.

Die Politik könnte ein hohes Niveau beim Tierwohl in Deutschland durchsetzen, ohne dass es – wie oft befürchtet wird – zu einer Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland kommt, wo meist niedrigere Tierwohlstandards gelten. Das sagt die Deutsche Agrarforschungsallianz (DAFA) im Zwischenbericht ihres vor sieben Jahren eingerichteten Fachforums Nutztiere.

Die Wissenschaftler kommen darin zum Ergebnis, dass die Bevölkerung dem Tierwohl – auch im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Zielen – eine sehr hohe Bedeutung zumisst. Wenn bei Zielkonflikten zwischen Tier- und Umweltschutz abzuwägen ist, tendiert die Mehrheit demnach zu Gunsten von Tierwohl und Natürlichkeitsaspekten der Tierhaltung.

DAFA will mehr Tierwohl mit obligatorischer Abgabe finanzieren lassen

Sofern die Gesellschaft höhere Standards beim Tierwohl mehrheitlich wünscht, könnte also die Politik - zum Beispiel mit Hilfe einer Tierwohlprämie - deutschlandweit ein höheres Niveau durchsetzen.

Zwar seien nur wenige Menschen bereit, einen hohen Aufschlag zu bezahlen, aber die Politik könnte laut DAFA das Dilemma auflösen. Beispielsweise indem sie auf alle tierischen Lebensmittel eine obligatorische Finanzabgabe erhebt.

Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Strategie sei also, dass die Politik willens ist, die Nutztierhaltung kraftvoll weiterzuentwickeln. Das würde damit beginnen, eine geschärfte nationale Nutztierstrategie zu formulieren. Allgemeine Zielformulierungen wie mehr Platz oder Außenklima müssen konkretisiert und zu praxistauglichen Haltungsverfahren entwickelt werden, die genehmigungs- und wettbewerbsfähig sind.

Pfad der Kostenminimierung verlassen

Laut DAFA müsse grundsätzlich geklärt werden, wie Deutschland seine Nutztierhaltung von dem Kostenminimierungspfad wegführen wolle. Denn dieser würde sich in einer globalisierten Wirtschaft sonst für den Großteil der Produktion mehr oder weniger automatisch einstellen.

Die Wissenschaftler fordern deshalb von der Politik, dass sie folgende Konflikte lösen müsse:

  • Soll Deutschland seine Nutztierhaltung im nationalen Alleingang weiterentwickeln oder im Einklang mit den anderen Mitgliedstaaten?
  • Sollen anspruchsvolle Tierwohlziele nur in einem hochpreisigen Nischensegment oder in der gesamten Breite des Agrarsektors realisiert werden? 
  • Wie können Zielkonflikte etwa zwischen Tierwohl und Emissionsminderung ausbalanciert werden?

„Die konkrete Beantwortung solcher Fragen wäre von großer Bedeutung, um sowohl der Wirtschaft als auch der Wissenschaft eine bessere Orientierung für ihr künftiges Handeln zu geben“, heißt es in dem DAFA-Zwischenbericht.

Mit Material von AgE, DAFA

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Ferkel im Flatdeck
Ralf Remmert mit Ferkel im Flatdeck
Sauen an der Raufutterraufe

Sollte Fleisch höher besteuert werden?

Ja, der Fleischverzehr sollte höher besteuert werden.
9% (72 Stimmen)
Ja, eine Fleischabgabe ist sinnvoll, aber nur, wenn mit den Einnahmen eine besonders tierfreundliche Haltung gefördert wird.
19% (152 Stimmen)
Nein, Fleisch sollte billig bleiben.
5% (37 Stimmen)
Nein. Eine Steuer löst das Problem des Preisdrucks auch nicht und würde sowieso nur auf die Tierhalter abgewälzt.
68% (544 Stimmen)
Stimmen gesamt: 805

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