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Geflügel

Daten zum Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren ausgewertet

von , am
29.11.2011

Hannover - Die niedersächsische Arzneimittelerhebung lässt keinen Zusammenhang zwischen der Größe eines Tierbestandes und der Häufigkeit des Arzneimitteleinsatzes erkennen.

Landwirte sind laut Arzneimittelgesetz dazu verpflichtet, ihre betriebsindividuellen Zahlen zu melden. © Mühlhausen/landpixel
Nach Aufarbeitung von niedersachsenweit erhobenen Daten zum Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung liegt nun der Bericht des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung vor. Der Bericht beinhaltet detaillierte Daten, etwa zur Häufigkeit von Behandlungen in Mastdurchgängen, zur Dauer von Behandlungen und zu den eingesetzten Wirkstoffen.

Antibiotikagaben schwanken von Mastdurchgang zu Mastdurchgang

Am 10. November 2011 hatte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann anlässlich einer Landtagsdebatte zum Antibiotikaeinsatz bereits erste Zahlen aus der Erhebung bekanntgegeben. Ausweislich des Berichts kamen in ca. 83 Prozent der untersuchten Masthühnerbetriebe und in 92 Prozent der Betriebe mit Putenaufzucht und -mast antimikrobiell wirksame Stoffe zum Einsatz. Bei Mastschweinen setzten 77 Prozent der Betriebe, bei der Aufzucht von Mast-Jungrindern (Fresser) 80 Prozent und in den Mastkälberbeständen 100 Prozent der Betriebe Antibiotika ein. Dabei schwankte der Antibiotikaeinsatz nicht nur von Betrieb zu Betrieb, sondern vor allem auch von Mastdurchgang zu Mastdurchgang innerhalb eines Betriebes.

Therapiehäufigkeit künftig betriebsindividuell erfassen

Aus den Ergebnissen der niedersächsischen Arzneimittelerhebung lässt sich kein Zusammenhang zwischen der Größe eines Tierbestandes und der Häufigkeit des Arzneimitteleinsatzes ableiten. Auch lässt die Häufigkeit der Anwendung von Antibiotika keine Aussage über deren illegale Behandlung zu. Diese und weitere Erkenntnisse sind Grundlage für die von Minister Lindemann während der November-Plenarsitzung vorgestellte Minimierungsstrategie zum Antibiotikaeinsatz. Die Strategie sieht unter anderem vor, dass die im Bericht vorgestellte „Therapiehäufigkeit künftig betriebsindividuell" erfasst werden soll. Die Therapiehäufigkeit ermöglicht einen Vergleich von Arzneimitteleinsätzen und gibt Tierhaltern und bestandsbetreuenden Tierärzten ein Instrument an die Hand, den Arzneimitteleinsatz positiv zu beeinflussen. Die Weitergabe von Erfahrungen aus Erzeugerbetrieben, die durch keinen oder geringen Antibiotikaeinsatz und ein effektives Tierhaltungsmanagement gekennzeichnet sind, gilt es dabei zu nutzen.
 
Die Minimierungsstrategie umfasst auch eine sachliche Bewertung der Erhebungsergebnisse. „Zu schnell werden gelegentlich nicht zutreffende Schlüsse aus Erhebungen gezogen", erklärt Minister Lindemann. Ein Beispiel ist die Resistenzentwicklung bei MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus)-Keimen. Vorschnell wurde die Tierhaltung als hauptsächliche Ursache für die Resistenzentwicklung dieses Krankheitserregers gegen Antibiotika verantwortlich gemacht. Untersuchungsergebnissen zufolge sind die normalerweise beim Menschen vorkommenden multiresistenten Keime zumeist nicht dieselben, die in der Tierhaltung vorkommen.
 
Der Bericht des niedersächsischen Fachministeriums ist ab sofort abrufbar auf der Seite des Ministeriums unter www.ml.niedersachsen.de.
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