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Wolf und Weidehaltung

Direkt am Hof: Tragende Kuh möglicherweise vom Wolf gerissen

Milchkuhweide
am Donnerstag, 27.05.2021 - 15:39 (Jetzt kommentieren)

Im Emsland wurde eine Kuh gerissen. Auch wenn noch kein DNA-Ergebnis vorliegt: Die Spuren deuten auf den Wolf als Angreifer. Das wäre eine Eskalation der Lage, die die Menschen vor Ort mehr als beunruhigt. Dabei haben sie längst nicht mehr nur um ihre Tiere Angst.

Am Morgen des 26. Mai fand eine Landwirtsfamilie im Emsland eine ihrer tragenden Kühe tot auf der Weide auf. Das Tier zeigte schwere Verletzungen, die nach Aussagen von Personen vor Ort auf einen Wolfsriss schließen lassen.

Der hinzugerufene Wolfsberater wollte sich vor der Beurteilung durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz nicht festlegen. Die endgültige Klärung werden die sichergestellten DNA-Proben bringen.

Zerfleischte Kuh in direkter Hofnähe aufgefunden

Die Kuh, die in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch starb, hatte in direkter Nähe zum Hof von Familie Hempen in Wippingen (südlich von Papenburg/Niedersachsen) gestanden. Landwirt Johannes Hempen, dessen Eltern die stark zerfleischte Kuh aufgefunden hatten, schützte den Kadaver bis zum Eintreffen des Wolfsberaters mit einer Plane vor Regen, so dass die notwendigen DNA-Spuren erhalten blieben.

Das tote Tier wies unter anderem Kratzspuren im Kopf-Hals-Bereich auf. Zudem gab es erhebliche Fressspuren an der Hinterhand.

Sorge der Landwirtsfamilie um ihre Kinder

Kathrin und Johannes Hempen äußerten sich bestürzt über den Vorfall. Wenn hier wirklich ein oder mehrere Wölfe zugeschlagen hätten, sei das der Beweis, dass die oft wiederholte Theorie, Wölfe vergriffen sich nicht an ausgewachsenen Großtieren, ins Reich der Märchen gehöre.

Besonders besorgt ist die Familie wegen ihrer kleinen Kinder. Für die jungen Eltern stellt sich jetzt die dringende Frage, ob sie ihren Nachwuchs noch draußen spielen lassen können. Die Nähe der Rissstelle zum Wohnhaus der Hempens macht diese Sorge mehr als verständlich.

Wolfssituation in Niedersachsen eskaliert zunehmend

Niedersachsen gehört zu den Bundesländern mit dem höchsten Wolfsbestand. Nirgends wächst die Population so rasant wie hier. Im vergangenen Beobachtungsjahr war ein fast 60-prozentiger Zuwachs an Wölfen zu verzeichnen.

Noch schneller als der Wolfsbestand wächst die Anzahl der Übergriffe auf Nutztiere – zunehmend auch auf größere wie Rinder und Pferde. Bislang beschränkten sich die Risse bei diesen Tierarten allerdings überwiegend auf junge Tiere. Der Riss einer 800-kg-Kuh wäre eine deutliche Eskalation der Lage in der betroffenen Region.

Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat eine Studie in Auftrag gegeben, die die tatsächlich nötige Tierzahl für eine sichere Bestandserhaltung des Wolfs in seinem Bundesland ermitteln soll. "Für eine vorausschauende Wolfspolitik brauchen wir zügig eine aussagekräftige, wissenschaftliche Datenbasis. Wir wollen sicherstellen, dass Niedersachsen seinen Anteil an einer gesunden, vernetzten Wolfspopulation in Deutschland leistet. Gleichzeitig können wir nicht einfach abwarten und zusehen, ob das exponentielle Wachstum der Population der vergangenen Jahre sich tatsächlich irgendwann verlangsamt, wenn wir in wenigen Jahren eine dreistellige Zahl von Rudeln allein bei uns in Niedersachsen haben", erklärte der Minister.

Die Studie wird vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) erstellt. Die Ergebnisse werden für den kommenden Winter erwartet.

Mit Material von Neue Osnabrücker Zeitung
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